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Immerhin: Die Lesekompetenz der Grundschüler ist in den vergangenen fünf Jahren auf ähnlichem Niveau geblieben.
Immerhin: Die Lesekompetenz der Grundschüler ist in den vergangenen fünf Jahren auf ähnlichem Niveau geblieben.(Foto: dpa)
Freitag, 13. Oktober 2017

Bildungsstand von Viertklässlern: Rechnen und Schreiben machen Probleme

Deutschlands Grundschüler haben in den letzten fünf Jahren beim Rechnen, Zuhören und Schreiben nachgelassen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die das Bildungsniveau von 30.000 Viertklässlern untersucht hat. Schuld soll vor allem der Lehrermangel sein.

Deutschlands Grundschüler der Klassenstufe 4 haben sich innerhalb der vergangenen fünf Jahre im Schnitt in Mathematik, beim Zuhören und in Rechtschreibung verschlechtert. Die Lesekompetenz ist dagegen 2016 auf ähnlichem Niveau geblieben wie 2011. Das geht aus der Studie IQB-Bildungstrends hervor, die die Kultusministerkonferenz (KMK) veröffentlicht hat. Untersucht wurde, inwieweit Viertklässler Bildungsstandards in Deutsch und Mathematik erreichen.

Der Anteil der Kinder, die die Regelstandards im Bereich Orthografie erreichen oder übertreffen, sank laut Untersuchung von 65 auf 55 Prozent. In Mathematik fiel dieser Anteil von 68 auf 62 Prozent.

Susanne Eisenmann ist Kultusministerin von Baden-Württemberg und KMK-Präsidentin.
Susanne Eisenmann ist Kultusministerin von Baden-Württemberg und KMK-Präsidentin.(Foto: dpa)

Verändert hat sich seit der Erhebung 2011 auch die Zusammensetzung der Schülerschaft. Der Anteil der Viertklässler mit Migrationshintergrund hat sich durch den Flüchtlingszuzug auf gut ein Drittel erhöht. KMK-Präsidentin Susanne Eisenmann sagte, die heterogene Schülerschaft stelle die Länder vor große Herausforderungen. Es gebe "einen bundesweiten Handlungsbedarf bei der Förderung in den Kernfächern Deutsch und Mathematik."

Laut baden-württembergischen Medienberichten zeigen die Ergebnisse auch, dass das Bildungsniveau vor allem in zwei Bundesländern gesunken ist: Bremen und Baden-Württemberg. "An der Studie haben rund 30.000 Schülerinnen und Schüler der vierten Jahrgangsstufe aus allen 16 Ländern teilgenommen", sagte Eisenmann.

Öffnung für Quereinsteiger

In Stuttgart verlangten die oppositionellen SPD und FDP bereits nachdrücklich Maßnahmen zur Stärkung der Grundschulen. Insbesondere der Ruf nach mehr Lehrern für Deutschlands Schulen wird lauter. Hamburgs Schulsenator Ties Rabe sagte, gegen den Lehrermangel seien kurzfristige Schritte und längerfristige Konzepte nötig. "Es ist ein Zukunftsthema, dessen Brisanz sich immer schärfer abzeichnet."

Rabe zeigte sich offen dafür, verstärkt Uniabsolventen ohne Lehramtsstudium einzustellen. Geklärt werden müsse: "Was lassen wir zu?" Um die Situation dauerhaft zu entschärfen, müssten die Ausbildungskapazitäten erhöht werden. Rabe sagte, bei Schultests dürften die Veränderungen in der Schülerschaft als Grund für durchschnittliche Änderungen der Schülerkompetenz nicht außer Acht gelassen werden.

Die KMK hatte festgestellt, dass insbesondere die Grundschulen, die Sonderpädagogik und die beruflichen Schulen von Lehrermangel betroffen seien. In den ostdeutschen Ländern herrsche noch deutlich mehr Bedarf als in westdeutschen Ländern. Nun solle unter anderem eine Stärkung der Berufs- und Studienorientierung geprüft werden - mit dem Ziel, dass mehr junge Menschen ein Lehramtsstudium aufnehmen.

Quelle: n-tv.de

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