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In der Wolfgang-Heinze-Straße blieb kaum ein Schaufenster heil.
In der Wolfgang-Heinze-Straße blieb kaum ein Schaufenster heil.(Foto: picture alliance / dpa)

Entsetzen in Leipzig: Rechte Randalierer verwüsten Connewitz

Während in der Leipziger Innenstadt das fremdenfeindliche Legida-Bündnis demonstriert, nutzen rund 250 Hooligans die Gelegenheit, in Connewitz einzufallen. Sie ziehen eine Schneise der Verwüstung durch das linksalternative Viertel, bevor die Polizei die Lage unter Kontrolle bekommt.

Hossam Gawish steht mit Tränen in den Augen vor seinem Dönerladen in Leipzig-Connewitz. Die Scheiben sind zertrümmert, eine umgekippte Holzbank liegt in den Scherben. "80 Leute vielleicht, ich weiß nicht wie viele, waren plötzlich da und haben Steine geworfen. Wir sind nur durch eine Seitentür raus und weg", sagt der 48-Jährige. Bei den Angreifern handelte es sich laut Polizei um eine rechte Fußball-Klientel. Unvermittelt sollen rund 250 Hooligans von Lok Leipzig und dem Halleschen FC  im als links geltenden Leipziger Stadtteil Connewitz randaliert haben. Sie warfen Pyrotechnik und Böller. In der mehrere hundert Meter langen Wolfgang-Heinze-Straße blieb kaum ein Schaufenster ganz. Ob Szene-Kneipe, Gardinenladen oder Musikgeschäft - alle wurden sie Opfer der blinden Zerstörungswut.

Die Polizei kesselte die Angreifer ein, riegelte zahlreiche Straßen ab. Wasserwerfer fuhren in Connewitz auf, ein Hubschrauber kreiste in der Luft. Nach und nach stellten die Ermittler die Personalien der überwiegend schwarz gekleideten Angreifer fest. Auch im Westen der Stadt, in Plagwitz, wo viele junge Familien und Studenten wohnen, randalierten Hooligans. Auch hier nahm die Polizei Verdächtige in Gewahrsam, um ihre Personalien festzustellen.

"Unvorstellbar, dass sowas möglich ist"

Zeitgleich demonstrierte in der Leipziger Innenstadt das fremdenfeindliche Legida-Bündnis. Laut der Forschungsgruppe "Durchgezählt" kamen bis zu 3400 Anhänger zu der Kundgebung zum ersten Jahrestag des Bestehens. Dort trat auch Pegida-Gründer Lutz Bachmann auf. Die frühere AfD-Politikerin Tatjana Festerling verunglimpfte muslimische Flüchtlinge pauschal als "Sex-Terroristen". Mit einer Lichterkette, zu der auch Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung aufgerufen hatte, hielten etwa gleichviele Menschen mit friedlichem, gewaltfreien Protest dagegen. Sachsens Vizeministerpräsident und Wirtschaftsminister Martin Dulig, der sich in die Lichterkette eingereiht hatte, machte Legida und Pegida mitverantwortlich für die Gewalt. "Den Vorwurf mache ich Legida, Pegida und Co., dass eine Verrohung in dieser Gesellschaft stattgefunden hat, die man in Sprache und eben auch in Gewalttaten nachempfinden kann."

Nach dem Angriff in Connewitz stehen die Menschen geschockt und entsetzt auf der Straße. "Was wollen Sie wissen? Dass wir total verzweifelt sind?!", so die 78 Jahre alte Mitbesitzerin eines Mehrfamilienhauses. Ihre Wohnung sei voller Rauch gewesen. "Es ist unvorstellbar, dass sowas möglich ist", sagt die 78-Jährige. "Und in der Regel sind das junge Leute, die in ihrem Leben noch nichts auf die Reihe gekriegt haben. Die Ausländerproblematik - das ist für die doch nur ein billiger Anlass. Und dass man seine Wut an den armen Menschen, die auf der Flucht sind, auslässt, das verstehe ich sowieso überhaupt nicht."

Dönerladen-Chef Gawish sagt, er lebe seit 24 Jahren in Leipzig und habe so etwas noch nie erlebt. Angst habe er aber nicht. "Wir machen weiter."

Quelle: n-tv.de

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