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NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ist in die USA gereist, um sich über das Fracking zu informieren. "Ich kann mir das im Münsterland nicht so recht vorstellen", sagt sie.
NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ist in die USA gereist, um sich über das Fracking zu informieren. "Ich kann mir das im Münsterland nicht so recht vorstellen", sagt sie.(Foto: dpa)

Zu wenig, zu riskant, nicht nötig: Regierungsberater lehnen Fracking ab

Das umstrittene Fracking ist nach Einschätzung von Regierungsberatern für die Energiewende entbehrlich. Der BDI kritisiert diese Einschätzung des Sachverständigenrats für Umweltfragen - der CDU kommt sie jedoch nicht ungelegen.

Bei der Förderung von unterirdischem Schiefergas gibt es aus Expertensicht noch viele offene Fragen, vor allem über die Risiken der Technik. Fracking sei "im kommerziellen Umfang derzeit wegen gravierender Wissenslücken nicht zuzulassen", heißt es in einer Stellungnahme des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU).

Die Experten weisen unter anderem die Annahme zurück, sogenanntes "unkonventionelles Gas", also Gas, das mit speziellen Fördermethoden gewonnen wird, könne den Klimaschutz und die Energiewende unterstützen. Die in Deutschland förderbaren Schiefergasmengen seien "als gering einzuschätzen", schreibt der SRU.

Das Gremium räumt ein, dass die weltweite Schiefergasförderung, vor allem in Nordamerika, sich "preisdämpfend" auf fossile Energieträger ausgewirkt hat. Allerdings habe dies bislang vor allem zu sinkenden Kohlepreisen geführt, da die USA in großem Umfang Kohle durch Gas ersetzen und die Kohle nach Europa exportieren. In Deutschland würde Fracking weder die Gaspreise senken noch die Versorgungssicherheit erhöhen.

SRU lehnt Pilotprojekte nicht ab

Beim Fracking wird Wasser mit Chemikalien unter hohem Druck in das Gestein gepresst, so dass die Gas-Ausbeute deutlich höher wird. Kritiker dagegen befürchten, dass der Einsatz von giftigen Chemikalien beim Fracking zu unvertretbaren und nicht beherrschbaren Risiken für die Umwelt führt.

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Gegen Pilotprojekte spricht sich der SRU nicht aus. Diese sollten jedoch "transparent und unter Beteiligung der Öffentlichkeit" geplant und durchgeführt werden. Das Bundesumweltministerium lobte die Einschätzungen der Experten. Sie stünden im Einklang mit dem Fracking-Gesetzentwurf.

BDI kritisiert "problematisches Signal"

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) reagierte mit Kritik auf die Stellungnahme. Der Sachverständigenrat sende ein "problematisches Signal", sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber. Fracking könnte weit über die Frage der Gasgewinnung hinaus Wirkung zeigen. "Die Frage ist, ob die Entwicklung neuer, weltweit gefragter Technologien in Deutschland möglich ist oder von vorneherein politisch ausgeschlossen wird."

Die Koalition plant eine gesetzliche Neuregelung der Gasförderung aus tiefen Gesteinsschichten. Ziel ist es, die Umweltauflagen zu verschärfen. Kritikern in der Unionsfraktion geht der Gesetzentwurf jedoch nicht weit genug. Eine Befassung des Kabinetts ist bereits mehrmals verschoben worden.

Gesetz wird wohl nicht kommen

Erst am Dienstag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel den Schutz des Trinkwassers hervorgehoben. "Wir müssen alles tun, damit wir Umweltrisiken nicht eingehen", sagte sie in einer in einer "Tele-Townhall" der CDU. Bei dem geplanten Gesetz zum Fracking gehe es darum, Genehmigungen künftig zu erschweren.

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Gesetzentwurf noch in dieser Legislaturperiode in den Bundestag eingebracht wird, gilt als äußerst gering. CDU-Abgeordnete aus den betroffenen Regionen vor allem in Nordrhein-Westfalen fürchten, dass die Opposition mit der Furcht vor dem Fracking im Wahlkampf punkten könnte. Vor der letzten Wahl war aus ähnlichen Gründen ein Gesetz zur unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid gescheitert.

Quelle: n-tv.de

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