Politik
(Foto: Screenshot/Instagram)

Selfies von der falschen Front: Russischer Soldat grüßt aus der Ukraine

Seit Monaten dementiert Russland ein eigenes Engagement in der Ostukraine. Aber stimmt das auch? Ein offenbar russischer Soldat bringt nun Moskaus Strategie in Gefahr. Er postet im Netz Selfies - und das nicht nur von der russischen Seite der Grenze.

Selfies sind schwer angesagt. Fast jeder macht sie. Aber Obacht: Das Netz vergisst nichts. Noch nicht einmal die genauen Koordinaten. Alexander Sotkin wird das in diesen Tagen etwas zum Verhängnis. Dabei hat er sich vermutlich gar nichts dabei gedacht. Der 24-Jährige ist offenbar als russischer Soldat an der Grenze zum Nachbarland Ukraine stationiert. Bei Instagram schreibt er über den Alltag der Militärs und postet Selfies von der Front. Doch eines unterschätzt er: Denn das Programm liefert seinen Aufenthaltsort per GPS gleich mit - und Sotkin ist offenkundig nicht nur in dem Land unterwegs, indem er sich aufhalten sollte. "Buzzfeed" hat das Tagebuch des Soldaten dokumentiert.

Am 23. Juni hält sich Sotkin laut der GPS-Angaben bei Instagram noch in Südrussland, in der Nähe der Stadt Woloschino, auf. Er habe "die ganze Nacht nicht geschlafen", schreibt er und postet dieses Foto.

Eine Woche später hat der 24-Jährige, der nach eigenen Angaben ein Kommunikations-Spezialist ist, den Standort gewechselt. Sein Instagram-Foto verortet ihn nun 17 Kilometer von der russischen Kaserne in Woloschino entfernt, in Krasni Taliwka - in der von Separatisten besetzten ukrainischen Oblast Lugansk. Das ist bemerkenswert, schließlich weist der Kreml seit Monaten den Vorwurf zurück, dass russische Soldaten in der Ostukraine aktiv seien. Was er dort macht, verrät Sotkin, der sich auf dem Bild offenbar in einem Panzer aufhält, jedoch nicht. Etwas unverständlich schreibt er von "schweißtreibenden nächtlichen Sitzungen".

Auch zwei Tage später, am 5. Juli, hält sich der russische Soldat noch in der Ukraine auf. Diesen Selfie mit den Worten "Zeit zum Schlafen", schickt er den GPS-Daten von Instagram zufolge aus Krasni Derkul, sechs Kilometer von der russischen Grenze entfernt.

Um Sotkins Aufenthaltsorte nachzuverfolgen, genügt ein Blick auf die Fotokarte, ein Feature von Instagram. Hier lässt sich leicht feststellen, dass der Soldat die meisten seiner Bilder aus Russland, zwei jedoch aus der Region Lugansk in der Ukraine verschickt hat. Vorausgesetzt, die GPS-Daten lügen nicht. Am 7. Juli ist er zurück in Russland. "Ich verstehe nicht, was wir hier machen. Also machen wir weiter, bis wir verrückt werden, hören #swedishhousemafia" und warten auf Neuigkeiten aus der Ukraine."

Drei Wochen später: Nach einer kleinen Selfie-Pause postet Sotkin mal wieder ein Foto. Er klingt nicht mehr ganz so gelangweilt. "Sitze hier und arbeite am Notebook", schreibt er.

Ergänzung: In einer früheren Version des Textes haben wir vermutet,  dass Sotkin mit dem Wort "бук" (buk) das Flugabwehrsystem BUK meinen könnte. Bei dem Ausdruck handelt es sich aber auch um eine umgangssprachliche Bezeichnung für Notebook. Diese Übersetzung halten wir in diesem Zusammenhang für korrekt, zumal Sorkin an einem Notebook sitzt.

Es ist die vorerst letzte Nachricht von der Front. Wenn es nach Moskau geht, sollen auch keine weiteren mehr folgen. Offenbar arbeitet die russische Duma an einem Gesetz, das russischen Soldaten verbieten soll, während der Einsätze soziale Netzwerke zu nutzen. "Selbst das unbedeutendste Detail kann gegen uns verwendet werden", sagte Vadim Solowjow, der Leiter des Rechtsdienstes der Kommunistischen Partei.

Quelle: n-tv.de

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