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Wer ist dieser Mann?
Wer ist dieser Mann?

Provokateur oder Patriot?: Russisches Fernsehen gibt Rätsel auf

Er nennt sich Andrej und liegt scheinbar verletzt in einem ukrainischen Krankenhaus. Wer ist dieser Mann? Das hängt davon ab, welchen russischen Staatssender man schaut. Denn beide Kanäle erzählen eine ganz andere Geschichte.

Russisches Staatsfernsehen steht nicht gerade in dem Ruf, vom Kreml unabhängige oder gar ausgewogene Nachrichten zu produzieren. Doch was zwei Sendern nun gelungen ist, scheint selbst für russische Verhältnisse außergewöhnlich.

Die staatlichen Sender NTV und Rossia 1 strahlten beide ein Interview mit dem selben Mann aus, der Reportern in einer ukrainischen Stadt vom Krankenbett aus Rede und Antwort steht. Das allein ist völlig in Ordnung. Allerdings erzählt der Mann zwei ganz unterschiedliche Geschichten: Bei NTV handelt es sich um einen aus Deutschland kommenden Ausländer, der rechtsradikale, anti-russische Kräfte mit viel Geld unterstützt hat. Bei Rossia 1 ist er dagegen ein einheimischer, pro-russischer Patriot.

Doch was stimmt nun? Radio Free Europe Radio Liberty hat die beiden Berichte mit englischen Untertiteln versehen.

Demnach verrät der Andrej Petkow genannte Mann Reporten von NTV, er sei vor 20 Jahren nach Deutschland ausgewandert. Er sei Arzt und habe vier Pässe. Kürzlich sei er mit einer halben Million Euro im Gepäck in die südukrainische Stadt Mykolaiv gekommen, um damit rechtsradikale Kräfte zur Gewalt zu bewegen. Als Ultra-Nationalisten, einige von ihnen betrunken, mit Blendgranaten, Schlagstöcken und Schusswaffen friedliche pro-russische Demonstranten angriffen, wurde er versehentlich verletzt. Seine Nase und ein Bein seien gebrochen. "Innerhalb von fünf Minuten hat sich mein Leben verändert", sagt er den Reportern. "Ich war seit 24 Stunden in eurer Stadt, und am Abend wurde ich beinahe getötet."

Bei Rossia 1 ist das Krankenzimmer gleich, doch es wird eine völlig andere Geschichte erzählt. "Am 7. April kam Andrej wie üblich zum zentralen Platz, um dort offen seine Unzufriedenheit über die Handlungen der neuen Regierung in Kiew auszudrücken", heißt es dort. "Aber während der friedlichen Proteste haben Radikale plötzlich ein regelrechtes Blutbad angerichtet." Dabei sei er fast getötet worden, behauptet "Andrej". Als er am Boden lag, habe ein Bewaffneter ihm eine Waffe an den Kopf gehalten. Bevor dieser aber abdrücken konnte, seien junge Frauen angerannt gekommen. Sie hätten ihn getreten, woraufhin er verschwunden sei.

Um wen handelt es sich bei dem Mann auf dem Krankenbett wirklich? Und ist ihm tatsächlich etwas zugestoßen? Das wird wohl offen bleiben. Denn beide Versionen sind äußerst zweifelhaft.

Quelle: n-tv.de

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