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Russland zieht aus Syrien ab, die Luftangriffe werden damit aber nicht zwangsläufig beendet. Auch ein Luftwaffenstützpunkt in dem Land bleibt Moskau erhalten.
Russland zieht aus Syrien ab, die Luftangriffe werden damit aber nicht zwangsläufig beendet. Auch ein Luftwaffenstützpunkt in dem Land bleibt Moskau erhalten.(Foto: imago/ITAR-TASS)

Putin telefoniert mit Obama: Russland beginnt mit Abzug aus Syrien

Das geht schnell: Einen Tag nach der Ankündigung von Präsident Putin packen die russischen Truppen in Syrien ihre Sachen. Aber: Ein Ende der Luftangriffe bedeutet das noch nicht. Syriens Opposition ist entsprechend skeptisch.

Nach dem Befehl von Präsident Wladimir Putin haben die russischen Soldaten in Syrien mit dem angeordneten Teilabzug begonnen. Auf der Militärbasis Hamaimim in der Provinz Latakia bereitete das Personal Flugzeuge für die Rückkehr nach Russland vor, meldete die Agentur Interfax. Soldaten auf dem Stützpunkt hätten mit dem Verstauen von Ausrüstung begonnen, hieß es unter Berufung auf die Führung in Moskau. Verteidigungsminister Sergej Schoigu habe angeordnet, den Befehl von Putin umzusetzen, hieß es weiter.

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Der Präsident hatte am Montag überraschend einen Abzug des größten Teils der russischen Soldaten aus Syrien befohlen. "Die Aufgabe, die dem Verteidigungsministerium und den Streitkräften gestellt war, ist im Großen und Ganzen erfüllt", sagte der Kremlchef in Moskau. Russland sei es mit seinem Einsatz im Bürgerkriegsland gelungen, einen Durchbruch im Kampf gegen den Terror zu erzielen.

Telefonat mit dem Weißen Haus

US-Präsident Barack Obama begrüßte in einem Telefonat mit Putin den Rückgang der Gewalt in Syrien seit Beginn der Waffenruhe, hieß es in der Mitteilung des Weißen Hauses. Er habe jedoch auch deutlich gemacht, dass syrische Regimetruppen die Vereinbarung immer wieder unterliefen. Putin sprach sich nach Kreml-Angaben für eine enge Zusammenarbeit beider Länder bei der Beilegung des Syrienkonflikts aus. Obama betonte, dass ein politischer Wandlungsprozess notwendig sei, um die Gewalt zu beenden. Beide unterstrichen die Wichtigkeit von humanitären Hilfslieferungen zur Versorgung der Bedürftigen in Syrien.

Auch der UN-Sicherheitsrat lobte Russlands Abzug. Nach einer Sitzung hinter verschlossenen Türen sprach der derzeitige Vorsitzende des Gremiums, der angolanische UN-Botschafter Ismael Gaspar Martins, von einem "positiven Schritt" des Landes. "Das ist das, was wir sehen wollen." Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte, "wenn sich die Ankündigungen eines russischen Truppenabzugs materialisieren", erhöhe das in Genf den Druck auf Assad. Der iranische Außenminister Mohammad Dschawad Sarif sprach bei einem Besuch in Australien von einem positiven Zeichen.

Putin bespricht den Truppenabzug mit Außenminister Sergej Lawrow (l.) und Verteidigungsminister Sergej Schoigu.
Putin bespricht den Truppenabzug mit Außenminister Sergej Lawrow (l.) und Verteidigungsminister Sergej Schoigu.(Foto: AP)

Vertreter der syrischen Opposition reagierten dagegen zurückhaltend. Sie halten sich derzeit in Genf auf, wo am Montag die Syrien-Friedensgespräche fortgesetzt wurden. An diesem Dienstag jährt sich der Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs zum fünften Mal. "Wir müssen abwarten, wie umfassend der Abzug und was der zeitliche Rahmen ist", sagte Monzer Machus, Sprecher des Hohen Verhandlungskomitees (HNC) der Opposition, in Genf. "Russische Bodentruppen sind nicht entscheidend." Die Lage in Syrien würde sich aber von Grund auf ändern, wenn Russland seine Luftangriffe stoppen würde.

Luftschläge gehen weiter

Die russischen Luftangriffe in Syrien würden nicht automatisch beendet, stellte dagegen Kreml-Sprecher Dmitri Peskow klar. Nach Angaben des Kremls richten sich die russischen Luftangriffe nur gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die Al-Nusra-Front und andere Terrorgruppen. Der Westen wirft aber Moskau vor, auch gemäßigte Rebellen ins Visier zu nehmen.

Laut dem Kreml wurde zudem mit dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad vereinbart, dass Russland einen Luftwaffenstützpunkt im Land behält, um bei der Überwachung der gegenwärtigen Waffenruhe zu helfen. Putin sagte, er hoffe, dass die Entscheidung für alle Seiten ein Signal sei und das Vertrauen in eine friedliche Lösung des Konflikts erhöhe. Nun wolle Moskau eine noch größere Rolle im Friedensprozess einnehmen.

Der russische Militärexperte Jewgeni Mintschenko bezeichnete den Teilabzug als klugen strategischen Schritt des Kremls: "Putin hat sein wichtigstes Ziel (in Syrien) erreicht und will sich nicht in einen langwierigen bewaffneten Konflikt ziehen lassen. Außerdem gibt es weiter genug Möglichkeiten für die russische Armee - etwa Raketenschläge vom Kaspischen Meer aus", sagte Mintschenko.

Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu sprach derweil von einer erfolgreichen Mission. Die russische Armee habe in Syrien allein etwa 2000 Kämpfer getötet, die aus Russland zum Kampf in das Bürgerkriegsland gekommen seien. Darunter seien 17 wichtige Befehlshaber von Terrororganisationen gewesen.

Quelle: n-tv.de

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