Politik

Medienkrieg mit dem Westen: Russland bringt Sputnik an den Start

Von Hubertus Volmer

Im "Medienkrieg" mit dem Westen setzt Russland auf eine neue Waffe: Sputnik, ein Medienunternehmen, das einem internationalen Publikum die russische Sicht auf das Weltgeschehen nahebringen soll.

(Foto: Screenshot / sputniknews.com)

Der Name ist gut gewählt: Sputnik heißt das neue Medium, mit dem die russische Regierung die globale Öffentlichkeit künftig informieren will: 1988 war "Sputnik" der Name einer sowjetischen Zeitschrift, die von der DDR-Regierung verboten wurde, weil zu viel Glasnost und Perestroika in ihr enthalten war. Und natürlich war Sputnik 1957 der erste Satellit, der die Erde umrundete.

Inhaltlich folgt Sputnik der Linie des Mutterunternehmens, des staatlichen Medienkonzerns Rossiya Segodnya: "Russland ist einer der führenden Akteure weltweit, seine Stimme muss immer gehört werden." Konkret führt dies nicht zu einer intensiven Berichterstattung über Russland, sondern zu zahlreichen Artikeln, in denen in teilweise suggestiver Form über Menschenrechtsverletzungen durch westliche Staaten, vor allem die USA, berichtet wird.

Gelegentlich verschwimmt dabei die Grenze zum Bereich der Verschwörungstheorien: Ein Banner mit der Überschrift "Der modifizierte Trotzkismus steckt hinter allen Aktivitäten der USA" führt etwa zu einem Interview mit einem "Direktor des Europäischen Zentrums für geopolitische Analyse", der tatsächlich ein polnischer Nationalist ist. Dieser behauptet, dass die meisten amerikanischen Trotzkisten zu Neokonservativen geworden seien. Die Fragen der Journalistin in diesem Interview sind so affirmativ, dass der angebliche Experte die meisten Fragen mit "Ja" beantworten kann.

"Alternativer News-Content"

Sputnik ist Teil einer Medienoffensive der russischen Regierung, die bereits vor einem Jahr begonnen hat. Am 9. Dezember 2013 unterzeichnete Präsident Wladimir Putin einen Erlass, mit dem der Auslandsrundfunkdienst Stimme Russlands und die Nachrichtenagentur Ria Novosti zum neuen Unternehmen Rossiya Segodnya zusammengefügt wurden. Zu Rossiya Segodnya gehören auch der TV-Sender RT und die in Berlin ansässige Video-Nachrichtenagentur Ruptly. Eine deutschsprachige Sputnik-Seite gibt es noch nicht - auf Deutsch senden Ria Novosti und die Stimme Russlands bislang noch getrennt. Der Umbau dürfte allerdings nur eine Frage der Zeit sein: Klickt man bei Ria Novosti auf die den Button der englischsprachigen Version, landet man bei Sputnik.

Wie Rossiya Segodnya hat auch Sputnik eine Mission: "Sputnik zeigt den Weg zu einer multipolaren Welt, in der die nationalen Interessen eines jeden Landes, seine Kultur, Geschichte und Traditionen, respektiert werden", heißt es auf der Webseite, die vor zwei Tagen an den Start ging. Sputnik erzähle "das Unerzählte" und stelle "alternativen News-Content" zur Verfügung. Ab 2015 will Sputnik aus 130 Städten in 34 Ländern senden und Inhalte in 30 Sprachen anbieten.

Für die Zeitung "The Moscow Times" stärkt der Kreml mit Sputnik seine Position im "Medienkrieg mit dem Westen". Gleichzeitig weist das Blatt darauf hin, dass die unabhängigen Medien in Russland ums Überleben kämpfen müssen.

Der Chef von Rossiya Segodnya, Dmitri Kisseljow, machte zum Sputnik-Start deutlich, dass es nicht um Glasnost und Perestroika, sondern um Gegenpropaganda geht. "Sputnik-Sendungen und -Meldungen sind für den Teil des Auditoriums bestimmt, der der aufdringlichen Propaganda der monopolaren Welt überdrüssig ist und nach alternativen Meinungen sucht." Aus Sicht der Europäischen Union ist Kisseljow bei dieser Suche zu weit gegangen: Seit März steht der 60-Jährige, der als Moderator regelmäßig mit antiwestlichen und homophoben Sprüchen auf sich aufmerksam macht, auf einer Sanktionsliste der Europäischen Union, die Personen umfasst, die "politisch und militärisch verantwortlich" für die Annexion der Krim seien.

Quelle: n-tv.de

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