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Syriens Präsident Assad bei einem Truppenbesuch in Darya.
Syriens Präsident Assad bei einem Truppenbesuch in Darya.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Gepanzerte Fahrzeuge, Drohnen, lenkbare Bomben: Russland liefert Assad mehr Waffen

Eine internationale Konferenz soll den Weg für ein Ende des syrischen Bürgerkriegs ebnen. Doch nun wird bekannt, dass Russland parallel zu den Friedensbemühungen seine Waffenlieferungen an das Regime intensiviert. Russische Experten helfen sogar mit Drohnen, Stellungen der Rebellen aufzuspüren.

Russland hat in den vergangenen Wochen seine Waffenlieferungen an Syrien intensiviert. Wie die Nachrichtenagentur Reuters aus informierten Kreisen erfuhr, erhielten die Truppen von Präsident Baschar al-Assad auch gepanzerte Fahrzeuge, Drohnen und lenkbare Bomben aus Moskau.

Russland, das seinen Einfluss im Nahen Osten behalten und ausbauen will, ist schon seit jeher der wichtigste Waffenlieferant Syriens. Das Land hat auch in den drei Jahren des Bürgerkrieges in seiner Unterstützung für Assad nicht nachgelassen. Die jüngsten Waffenlieferungen fallen allerdings in eine kritische Phase der diplomatischen Bemühungen des Westens, Regierung und Opposition für Friedensgespräche an einen Tisch zu bekommen.

Walid al-Mualem (l.) trifft seinen russischen Kollegen Sergej Lawrow.
Walid al-Mualem (l.) trifft seinen russischen Kollegen Sergej Lawrow.(Foto: AP)

So übergab der syrische Außenminister Walid al-Mualem Russland Pläne für einen Waffenstillstand in Aleppo. Die zweitgrößte Stadt Syriens könne als Vorbild für weitere Orte dienen, sagte Mualem nach einem Gespräch mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow. Zudem erklärte er Syriens Bereitschaft, sich mit den Rebellen über einen Gefangenenaustausch zu einigen. "Ich baue auf den Erfolg dieses Plans, wenn alle Seiten ihre Verpflichtungen erfüllen", sagte Mualem.

Russland und die USA hatten die Möglichkeit regional begrenzter Feuerpausen in die Diskussion gebracht, unter anderem, um humanitäre Hilfe in dem Bürgerkriegsland leisten zu können. Von den USA unterstützte Rebellen hatten diesen Vorschlag im Grundsatz begrüßt. Wenn die Regierung in Damaskus sich an einen Waffenstillstand halte, würden sie dies ebenfalls tun, erklärten sie. Unklar ist allerdings, ob sich auch die radikalen Islamistengruppen beteiligen würden. Sie kämpfen gegen die Regierung sowie andere Aufständische.

Drohnen machen Positionen der Rebellen aus

Seit Dezember seien Lieferungen von Waffen und militärischen Ausrüstungen von Russland direkt oder über Umwege nach Syrien gelangt, bestätigten mehrere Informanten. "Dutzende Antonow 124 (Transportflugzeuge) haben gepanzerte Fahrzeuge, Aufklärungs- und Radartechnik, Geräte zur elektronischen Kriegsführung, Hubschrauber-Ersatzteile und verschiedene Waffen wie Lenkbomben gebracht", sagte ein Nahost-Sicherheitsexperte. "Russische Berater und Geheimdienstexperten steuern rund um die Uhr Aufklärungsdrohnen, um den syrischen Truppen zu helfen, Positionen der Rebellen auszuspähen, deren Kapazitäten zu analysieren und präzise Schläge von Artillerie und Luftwaffe gegen sie auszuführen", sagte der Informant, der namentlich nicht genannt werden wollte.

Der Sprecher des russischen Rüstungsexport-Monopolisten Rosoboronexport, Wjatscheslaw Dawidenko, sagte, er könne sich zu Waffenlieferungen nach Syrien nicht äußern. Russland erklärte mehrfach offiziell, seine Lieferungen nach Syrien verletzten keine internationalen Verträge und Abkommen. Außerdem würden keine Angriffswaffen dorthin exportiert. Syrische Vertreter waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Ein weiterer Informant aus der internationalen Rüstungsindustrie mit Kenntnis der Ströme von Militärgütern im Nahen Osten bestätigte die Lieferung an Assad. "Die Ausrüstungen kamen nach Syrien, und entweder wurden sie von Russland selbst geliefert oder sie stammen aus Ländern der Schwarzmeer-Region wie Bulgarien, Rumänien oder der Ukraine, wo es verschiebbare Vorräte gibt." In allen diesen Ländern gibt es Infanteriewaffen russischen Typs, die zu Zeiten des Warschauer Pakts in eigenen Werken hergestellt wurden.

Fahrzeuge kommen mit dem Schiff

Das bulgarische Außenministerium erklärte dazu, das zuständige Exportkontrollgremium habe keine Ausfuhrerlaubnis für Lieferungen nach Syrien erteilt. Das Außenministerium der Ukraine erklärte, das Land habe freiwillig jegliche militärische und technische Zusammenarbeit mit Syrien gestoppt, und zwar bereits im Mai 2011. Rumänische Behörden reagierten zunächst nicht auf eine entsprechende Anfrage.

Aus syrischen Oppositionskreisen verlautete, einige der Rüstungslieferungen seien vor etwa drei Wochen über den Flughafen Latakia gekommen, andere über die Häfen Tartus und Latakia. Vor drei oder vier Wochen sei der Hafen von Tartus, wo sich auch eine russische Militärbasis befindet, für mehrere Stunden abgeriegelt worden. Nur autorisiertes Personal sei hineingelassen worden - ein sicheres Zeichen, dass Lieferungen angekommen seien. Das sei öfter passiert, meist in den Nachtstunden. Experten zufolge würden Fahrzeuge in der Regel mit Schiffen transportiert, wo sie herauf- und herunterfahren können. Leichte Waffen und Ausrüstungen könnten auch in ganz normalen kommerziellen Containern verpackt sein.

In dem seit fast drei Jahren anhaltenden syrischen Bürgerkrieg wurden bislang mehr als 100.000 Menschen getötet. Für den 22. Januar sind Friedensgespräche in der Schweiz geplant, an denen auch Russland, die USA und Deutschland teilnehmen. Unklar ist bislang, welche syrischen Oppositionsgruppen sich an der Konferenz beteiligen.

Quelle: n-tv.de

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