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Noch liegt ein Großteil der russischen Pazifikflotte vor Wladiwostok vor Anker.
Noch liegt ein Großteil der russischen Pazifikflotte vor Wladiwostok vor Anker.(Foto: REUTERS)

"Zeit, die Löcher zu stopfen": Russland plant Marinebasis auf den Kurilen

Die russische Pazifikflotte soll einen dritten Heimathafen bekommen. Anders als Wladiwostok und Kamtschatka sind die Kurilen allerdings umstrittenes Territorium, auch Japan erhebt Anspruch auf die Inselkette. Russland will vollendete Tatsachen schaffen.

Russland prüft den Bau eines Militärstützpunkts für seine Kriegsflotte auf der Inselgruppe der Kurilen im Pazifikraum. Marineexperten würden von April an drei Monate lang den Archipel zwischen der russischen Halbinsel Kamtschatka und der japanischen Insel Hokkaido untersuchen, sagte Verteidigungsminister Sergej Schoigu. Die Kurilen fielen nach dem Zweiten Weltkrieg an die Sowjetunion. Tokio erhebt Anspruch auf den Südteil der Inselgruppe. Moskau lehnt dies ab. Derzeit sind Wladiwostok und Kamtschatka die Heimathäfen der Pazifikflotte.

Schoigu kündigte auch die Verlegung von Flugabwehrsystemen vom Typ Bal und Bastion sowie Eleron-3-Drohnen auf die felsigen Inseln an, auf denen derzeit etwa 20.000 Russen wohnen. Angesichts der Verstärkung von Nato-Truppen nahe der russischen Grenze würden auch die Truppen im Westlichen Militärbezirk aufgestockt, sagte der Verteidigungsminister. Schoigu sprach von Panzern und Kampfflugzeugen sowie von Hubschraubern.

Der frühere Marinechef Viktor Krawtschenko schätzt die Bauzeit einer möglichen Basis auf den Kurilen auf zwei bis drei Jahre. Zudem sollten dort Radaranlagen stationiert werden. "Wir werden alles bemerken, was sich auf dem Meer Richtung Russland bewegt", sagte der Admiral. Der Sicherheitsexperte Franz Klinzewitsch meinte, die Überlegungen stünden auch im Zusammenhang mit dem nordkoreanischen Raketenprogramm. "Russland will gewappnet sein", sagte er.

Der Chef des Verteidigungsausschusses in der Staatsduma, Wladimir Komojedow, sprach sich ebenfalls für den Bau einer Marinebasis aus. "Der Stützpunkt ist nötig. Unsere Küsten müssen geschützt werden", sagte der frühere Marinechef. Die zu erwartenden Proteste Japans könnten nichts an der Entscheidung ändern. "Unsere Grenzen müssen undurchdringlich werden. Hier hat die Auflösung der Sowjetunion viele Löcher gerissen - es wird Zeit, sie zu stopfen", sagte Komojedow.

Quelle: n-tv.de

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