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"Die europäische Migrationspolitik ist völlig gescheitert. Alles ist ganz furchtbar": Dimitri Medwedjew geht davon aus, dass Europa die Flüchtlinge "eingeladen" hat.
"Die europäische Migrationspolitik ist völlig gescheitert. Alles ist ganz furchtbar": Dimitri Medwedjew geht davon aus, dass Europa die Flüchtlinge "eingeladen" hat.(Foto: REUTERS)

Kritik an Kanzlerin: Russland warnt vor einem "neuen Weltkrieg"

Russland dringt auf Frieden in Syrien - zumindest rhetorisch. Vor dem Treffen der Syrien-Kontaktgruppe in München warnt Ministerpräsident Medwedjew vor einem neuen Weltkrieg. Die europäische Flüchtlingspolitik bezeichnet er als "einfach dumm".

Der russische Regierungschef Dmitri Medwedew hat vor einem "Weltkrieg" im Falle der Entsendung westlicher oder arabischer Bodentruppen nach Syrien gewarnt. Entsprechende Vorschläge kamen zuletzt aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Die Syrien-Kontaktgruppe tagt am Abend in München - immerhin wird geredet, würden Optimisten sagen.
Die Syrien-Kontaktgruppe tagt am Abend in München - immerhin wird geredet, würden Optimisten sagen.(Foto: dpa)

Bodentruppen würden den Krieg in Syrien nur auf unabsehbare Zeit verlängern, sagte er dem "Handelsblatt". Auch angesichts der vielen verschiedenen Kriegsparteien in Syrien sprach sich Medwedew für Verhandlungen als alleinige Möglichkeit zur Beendigung des Konflikts aus. Und verband das mit einer scharfen Warnung: "Alle Seiten müssten gezwungen werden, am Verhandlungstisch Platz zu nehmen, anstatt einen neuen Weltkrieg auszulösen."

Stattdessen müssten jetzt vor allem Amerikaner und Russen massiv Druck auf alle Kriegsparteien ausüben, um eine Verhandlungslösung für einen Waffenstillstand zu erreichen. Der Premier warnte eindringlich: "Die Amerikaner und unsere arabischen Partner müssen es sich gut überlegen: Wollen sie einen permanenten Krieg?", mahnt der Regierungschef. Ein solcher Krieg sei nicht zu gewinnen. "So etwas ist jedoch unmöglich, besonders in der arabischen Welt. Dort kämpfen alle gegen alle", sagte Medwedjew, der die russische Delegation auf der Münchner Sicherheitskonferenz an diesem Wochenende anführt.

"Migrationspolitik völlig gescheitert"

Im Gespräch mit dem "Handelsblatt" erhob Medwedjew zugleich auch schwere Vorwürfe gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Europäische Union. "Die europäische Migrationspolitik ist völlig gescheitert. Alles ist ganz furchtbar", zitierte die Zeitung aus ihrer Freitagsausgabe. Es sei doch "einfach dumm, die europäischen Türen breit zu öffnen und alle einzuladen, die zu euch kommen wollten."

Im Gegensatz zum friedlichen Zusammenleben von Muslimen und Christen in Russland sei diese Integration in Europa gescheitert, erklärte Medwedjew. Viele Flüchtlinge kämen wegen der hohen Unterstützungszahlungen nach Deutschland, andere als Terroristen, behauptete er. Denn unter den Kriegsflüchtlingen seien auch "Hunderte oder sogar Tausende Schurken", die Zeitbomben seien. Es sei fast unmöglich, diese Terroristen unter der Masse der Flüchtenden zu identifizieren.

Öl ins Feuer der Angst

Russland führe auch deshalb einen Luftkrieg in Syrien, damit nicht "irgendwann zombierte Killer nach Moskau oder in andere Städte zurückkehren" und dort Anschläge verübten, begründete der russische Ministerpräsident die Strategie des Kremls im Syrien-Konflikt.

Am Abend kam in München die Syrien-Kontaktgruppe zusammen, um über Wege zur Annäherung der verfeindeten Parteien zu beraten. Vor allem Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten in Syrien zum Einsatz von Bodentruppen aufgerufen und dazu die USA um eine Führungsrolle gebeten.

Unmittelbar vor den Syrien-Verhandlungen in München forderte die syrische Opposition die Regierung von Machthaber Baschar al-Assad und deren Unterstützer eindringlich zu einem Ende der Gewalt auf. Die Angriffe auf Wohnviertel, Schulen und Krankenstationen müssten aufhören, sagte der Chef des Hohen Verhandlungskomitees der Regimegegner (HNC), Riad Hidschab, am Abend in München. Mit Blick auf die russischen Bombardements in der Region Aleppo sprach er von einer "nie gekannten Eskalation".

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Quelle: n-tv.de

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