Politik
Angriff auf Merkel über Hoeneß.
Angriff auf Merkel über Hoeneß.
Freitag, 23. August 2013

Der Wahlkampf erreicht die Bundesligastadien: SPD zieht die Anti-Hoeneß-Karte

Von Christian Rothenberg

Die Genossen verzweifeln, ihre Kampagne will bisher nicht so recht zünden. Daher soll die Wahl nun auf einem anderen Weg gewonnen werden. Vor Fußballstadien will die SPD am Wochenende Postkarten verteilen. Vor allem die Fans des FC Bayern dürften sich über das Motiv nicht gerade freuen.

Nach Bekanntwerden der Steuer-Affäre taten einige BVB-Fans ihre Abneigung gegen den Bayern-Präsidenten kund.
Nach Bekanntwerden der Steuer-Affäre taten einige BVB-Fans ihre Abneigung gegen den Bayern-Präsidenten kund.(Foto: picture alliance / dpa)

Im Wahlkampf-Schlussspurt setzt die SPD auf Fußballfans. Beim Heimspiel von Borussia Dortmund gegen Werder Bremen und in Hannover, wo Schalke 04 spielt, will die Partei an diesem Wochenende bis zu 100.000 Postkarten verteilen. Das Motiv zeigt Kanzlerin Angela Merkel beim Handschlag mit Uli Hoeneß. "Glückwunsch Uli! Wir Steuern das schon", steht in Anspielung auf die Steueraffäre des Bayern-Präsidenten auf der von dem Grafikdesigner Klaus Staeck entworfenen Karte.

Als Kanzler einer rot-grünen Koalition will Peer Steinbrück Steuerbetrug und Steuerdumping bekämpfen. Allein durch Steuerhinterziehung verliere Deutschland jährlich geschätzt rund 30 Milliarden Euro. Der Kanzlerkandidat hatte zuletzt erklärt, er halte es für merkwürdig, dass Hoeneß als angeklagter Steuersünder weiterhin dem Aufsichtsrat des FC Bayern angehört, er müsse sein Amt "mindestens ruhen lassen". Auch Kanzlerin Merkel kritisierte Hoeneß zuletzt. Doch das hält die SPD nicht davon ab, mit der Postkarten-Initiative ihren Fokus auf das Thema Steuerbetrug zu verstärken.

Gag ohne Effekt?

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Bei CDU und FDP sorgt der Anti-Hoeneß-Kampagne für Empörung. Der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki forderte Steinbrück auf, die Aktion zu stoppen. Er hätte nie gedacht, dass dieser sich auf ein solch niedriges Niveau begeben würde. Die Postkarte sei "an Geschmacklosigkeit nicht mehr zu überbieten. Sie ist erbärmlich und zeigt die Verzweiflung der SPD im Hinblick auf desaströse Umfragewerte." CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt bezeichnete die Aktion als "antibayerischen Wahlkampf". Dass die SPD "Aggressionen gegen den FC Bayern schüren will, zeigt die heillose Panik der Genossen". In Fan-Foren von Borussia Dortmund wird über die Postkarten kontrovers diskutiert. "Das ist für mich Stimmungsmache auf unterstem Niveau", schreibt ein BVB-Anhänger auf schwatzgelb.de.

Ob die Anti-Hoeneß-Nummer den Sozialdemokraten hilft? "Es ist ein Gag. Die Karte hat ihren Sinn schon erfüllt, weil darüber geredet wird", sagt der Politikwissenschaftler Gero Neugebauer n-tv.de. Einen nachhaltig positiven Effekt für Steinbrücks Wahlchancen sieht er eher nicht. "Es ist nicht zu erkennen, dass die Karten von der SPD kommen. Außerdem berührt das Thema das Alltagsleben der SPD-Wähler nicht." Zuletzt hatte bereits der Ökonom Clemens Fuest davor gewarnt, die Steuerpolitik zu einem großen Wahlkampfthema zu machen. Die Bekämpfung von Steuerbetrug tangiere zwar die Ehrlichkeitswünsche der Menschen. Allerdings könne keine Regierung eine Welt ohne Steuerbetrug schaffen. Politiker sollten "den Menschen nicht vorgaukeln, dass man mit ein paar Neuregelungen Milliardenbeiträge einnehmen kann", sagte Fuest dem "Tagesspiegel".

"Wenn sie einen Arsch in der Hosen haben"

In der SPD ist man sich offenbar auch nicht ganz sicher über den Erfolg der Anti-Hoeneß-Karten. Bei der Aktion, so betont man im Willy-Brandt-Haus, handle es sich nicht um eine SPD-Kampagne. Die Karten würden vom Parteinachwuchs, den Jusos, verteilt. Ein Parteilogo befinde sich darauf nicht. Juso-Chef Sascha Vogt verteidigt die Postkarten gegenüber der "Süddeutschen Zeitung": "Steuerhinterziehung ist ein krimineller Akt, den man ironisch aufgreifen kann. Hoeneß ist ein prominentes Beispiel."

Kubicki sieht das anders. Er hält die Kampagne für überzogen und gibt der SPD einen wohl nicht ganz ernst gemeinten Ratschlag. Aus seiner Sicht müsse die Aktion anders aufgezogen werden. "Wenn sie einen Arsch in der Hosen haben", so der Liberale, würden die Jusos die Karten in München vor dem nächsten Bayern-Heimspiel verteilen.

Quelle: n-tv.de

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