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Das Fundament für den CDU-Wahlsieg legten erneut ältere Wähler.
Das Fundament für den CDU-Wahlsieg legten erneut ältere Wähler.(Foto: dpa)
Sonntag, 26. März 2017

Erste Analyse der Wahlforscher: Saarländer für Politikwechsel zu zufrieden

Zu regional und nur wenig bundespolitischer Einfluss: Der "Schulz-Effekt" zahlt sich im Saarland für die SPD nicht aus. Stattdessen stärken die Wähler die große Koalition - mit klarer Ansage, wer das Sagen haben soll.

Zufriedenheit kontra Wechselstimmung: Das hohe Ansehen von CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und die positive Leistungsbilanz der schwarz-roten Koalition haben die Landtagswahl im Saarland entschieden. Wie die Forschungsgruppe Wahlen in einer ersten Analyse ermittelte, konnte die SPD "bei einer Wahl mit regionalem Charakter und wenig bundespolitischem Einfluss (...) kaum vom Schulz-Faktor profitieren".

Die Euphorie nach der Nominierung von Martin Schulz zum Parteichef und Kanzlerkandidaten habe sich für die Saar-SPD nicht ausgezahlt. "Die wenigsten ihrer Wähler haben die SPD "nur wegen Martin Schulz" gewählt", bilanzierten die Wahlforscher. Denn die CDU habe "eine erstklassige Kandidatin" gehabt.

"Mit einer im Ministerpräsidenten-Vergleich herausragenden Leistungsbilanz - 80 Prozent attestieren ihr gute Arbeit - erzielt die Regierungschefin auf der +5/-5-Skala mit 2,4 einen Top-Imagewert", hieß es. 52 Prozent hätten sich Kramp-Karrenbauer und nur 36 Prozent ihre SPD-Herausfordererin Anke Rehlinger an der Spitze des kleinsten deutschen Flächenlandes gewünscht. Auch sei die Aussicht auf eine andere Koalition als Schwarz-Rot für viele unattraktiv gewesen: 48 Prozent fanden das CDU/SPD-Bündnis gut, aber nur 33 Prozent Rot-Rot und 24 Prozent Rot-Rot-Grün.

Linke und Grüne sind "auffällig blass"

Anders als vor fünf Jahren blieb Rot-Rot diesmal ohne Mehrheit. Die AfD habe zwar auch im Saarland einige Landtagsmandate geholt, "allerdings mit dem schwächsten Resultat in einem Flächenland seit Beginn ihres Höhenfluges im Jahr 2014", betonte die Mannheimer Forschungsgruppe. Neben den Kandidaten hätten CDU und SPD auch mit ihrem Ansehen als Landespartei gepunktet. Nach einem starken Imagezuwachs von plus 1,1 auf 2,1 seit 2012 liegt die CDU nun vor der SPD (von 1,6 auf 2,0). Linke (jetzt minus 0,1) und FDP (minus 0,5) verbesserten sich zwar, "bleiben aber genau wie die Grünen (minus 0,4) auffällig blass".

Die Saar-AfD, die sich für nur 14 Prozent der Befragten ausreichend von rechtsextremen Mitgliedern und Inhalten abgrenzt, habe ein noch schlechteres Ansehen als in allen anderen Bundesländern (minus 3,6). Wirtschaftlich sehen zwar die meisten Befragten im strukturschwachen Saarland weiterhin Probleme, doch für inzwischen 70 Prozent (2012: 51 Prozent) hat das Land im Südwesten den Wandel von Kohle und Stahl "gut hinbekommen". Dies wird politisch "am ehesten der CDU gutgeschrieben: In den Bereichen Wirtschaft, Finanzen oder Zukunftspolitik gilt sie als kompetenteste Partei."

Beim Thema Bildung und Schule sehen die Bürger laut Forschungsgruppe "den eindeutig größten Sachverstand bei der SPD, die zudem bei der sozialen Gerechtigkeit führt". Die Linke sei zwar "sachpolitisch blass" geblieben, hatte aber mit dem früheren saarländischen SPD-Regierungschef Oskar Lafontaine weiterhin ein Zugpferd.

Das Fundament für den CDU-Wahlsieg legten erneut ältere Wähler: Bei allen unter 60-Jährigen nur unterdurchschnittlich, holte die Partei in der Generation 60 plus mit 49 Prozent ihr mit Abstand bestes Ergebnis. Bei den über 60-jährigen Frauen lag die CDU sogar bei 56 Prozent. Die SPD legte bei Arbeitern sowie arbeitslosen Wählern zu, die Linke hatte hier starke Verluste zu verzeichnen.

Quelle: n-tv.de

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