Politik

Kiesewetters Tod in Heilbronn: Sahen Verfassungsschützer Mord?

Unterlagen des US-Militärgeheimdienstes DIA legen den Verdacht nahe, dass Verfassungsschützer in der Nähe waren, als in Heilbronn eine Polizistin mutmaßlich von der Zwickauer Neonazi-Bande ermordet wurde. Den Islamistenjägern war offenbar klar, dass dabei Rechtsextreme am Werk waren.

Kiesewetter wurde 2007 durch einen Kopfschuss ermordet.
Kiesewetter wurde 2007 durch einen Kopfschuss ermordet.(Foto: dpa)

Verfassungsschützer waren möglicherweise in der Nähe des Tatortes, als die Ermittler finden zweite Tatwaffe vor vier Jahren ermordet und ihr Kollege schwer verletzt wurde. Dies berichtet der "Stern" unter Berufung auf einen geheimen Observationsbericht des amerikanischen Militärgeheimdienstes DIA.

Demnach observierte am 25.April 2007 eine Spezialeinheit, das "Special Investigation Team Stuttgart" zwei mutmaßliche Islamisten, die in einer Filiale der Santander Bank in der Innenstadt von Heilbronn 2,3 Millionen Euro einzahlten. An der Observation sollen laut US-Bericht auch zwei Verfassungsschützer aus Baden-Württemberg oder Bayern beteiligt gewesen sein.

Nachdem sie die Bank verlassen hatten, fuhren die beiden Zielpersonen zur Theresienwiese. Dort wurde die Observation wegen eines "Zwischenfalls mit Schusswaffen" abgebrochen. In diesen Zwischenfall soll laut Protokoll auch ein Beamter aus Baden-Württemberg verwickelt gewesen sein. Wörtlich heißt es in dem Bericht der Amerikaner: "Schießerei, in die BW Ops Offizier mit Rechtsextremen und regulärer Polizeistreife vor Ort verwickelt waren."

Schüsse an der Theresienwiese

Bei dem Polizistenmord auf der Heilbronner Theresienwiese wurden mutmaßlich von den Neonazis Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos die aus Thüringen stammende Beamtin Michèle Kiesewetter erschossen und ihr Kollege schwer verletzt.

Bei den durch DIA und Verfassungsschutz eigentlich Observierten soll es sich laut "Stern" um einen Unbekannten und den Ludwigshafener Deutschtürken Mevlüt K. handeln, der nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes den Terrroristen "Gotteskrieger" als Familienersatz in der Türkei die Zünder besorgt haben soll. Er soll zugleich ein Kontaktmann des türkischen Geheimdiensts gewesen sein und untergetaucht sein. Die drei Mitglieder der Gruppe waren im September 2007 im Sauerland verhaftet und 2010 verurteilt worden.

Verfassungsschützer dementieren

Die Landesämter für Verfassungsschutz in Bayern und Baden-Württemberg dementierten den Bericht. "Mitarbeiter des Landesamtes waren nicht Teilnehmer einer angeblich vom US-Militärgeheimdienst 'Defense Intelligence Agency' am 25. April 2007 in Heilbronn durchgeführten Observation und auch nicht Zeugen des Mordes an der Polizistin Michèle Kiesewetter auf der Theresienwiese", hieß es aus Stuttgart. Das Innenministerium in München erklärte, zum fraglichen Zeitpunkt sei kein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes in der Nähe des Tatorts gewesen.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz teilte mit: "Zum Zeitpunkt des Mordes an der Polizistin Michèle Kiesewetter am 25. April 2007 auf der Theresienwiese in Heilbronn war keine Observation des BfV vor Ort." Ein Sprecher der Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe sagte, man habe ebenfalls "keinerlei Anhaltspunkte" dafür, dass zum Tatzeitpunkt US-Agenten oder Verfassungsschützer am Tatort gewesen seien. Der US-Geheimdienst DIA ließ eine Anfrage zunächst unbeantwortet, ebenso der frühere Innenminister Baden-Württembergs, Heribert Rech.

Polizisten, die jahrelang versucht haben, den Überfall auf die beiden Polizisten aufzuklären, wiesen zudem darauf hin, dass am Tatort nur zwei Projektilteile und zwei Hülsen gefunden worden waren. Sie stammten von Geschossen aus den beiden Pistolen, mit denen auf Kiesewetter und A. gefeuert worden war: einer Tokarew TT 33 und einer "Radom" VIS 35. An eine "Schießerei" glauben sie daher nicht.

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Quelle: n-tv.de

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