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Warten auf das Ende der Sendung: Steinbrück, Jauch und Sarrazin.
Warten auf das Ende der Sendung: Steinbrück, Jauch und Sarrazin.(Foto: dpa)

Von Bullshit zu Beitrag: Sarrazin langweilt Jauch

von Jan Gänger

Thilo Sarrazin ist zurück. Bei Günther Jauch beginnt er die Werbetour für sein neues Buch über den Euro. Eigentlich soll die geballte Wucht von Peer Steinbrück den Provokateur bremsen. Doch dann erledigt Sarrazin das lieber selbst.

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Die Spannung steigt. Kurz vor dem Erscheinen seines neuen Buchs "Europa braucht den Euro nicht" trifft Thilo Sarrazin in Günther Jauchs Talkshow auf den ehemaligen Finanzminister Peer Steinbrück. Die Hoffnung: Deutschlands bekanntester Populist und Hobby-Genetiker prügelt auf den ungeliebten Euro ein, zieht ein oder zwei Nazi-Vergleiche, während der potenzielle Kanzlerkandidat der SPD verzweifelt die Gemeinschaftswährung verteidigt und sich dabei um Kopf und Kanzlerkandidatur redet. Klingt nach einem unterhaltsamen Abend.

Doch der blieb aus. Dabei hatte sich die Redaktion redlich bemüht, den Auftritt zu skandalisieren. Jauch verlas Äußerungen empörter Politiker, die meinten, mit Sarrazin solle man nicht diskutieren. Schon gar nicht in öffentlich-rechtlichen Talkshows. Vor dem Studio reckte ein Häuflein wackerer Demonstranten Plakate in die Höhe, die Sarrazin schmähten.

Dann gab Günter Jauch den Ring frei zur ersten Runde. Und es passierte - nichts. Sarrazin sprach dem Euro jegliche ökonomische Vorteile für Deutschland ab, Steinbrück wies auf die integrative Kraft der Gemeinschaftswährung hin. Wer erwartet hatte, dies sei das Abtasten zweier leidenschaftlicher Streiter, der Auftakt zum großen Schlagabtausch, der irrte gewaltig.

Selbst eine wohl gezielte Provokationsgranate zündete nicht. Jauch zitierte einen Satz aus Sarrazins Buch, demzufolge Befürworter gemeinsamer europäischer Staatsanleihen von dem "sehr deutschen Reflex" getrieben seien, "wonach die Buße für Holocaust und Weltkrieg erst endgültig getan ist, wenn wir alle unsere Belange, auch unser Geld, in europäische Hände gelegt haben".

Wie bitte? Der Euro und die Rettungspakete als Sühne für den Holocaust? Steinbrück sprach von Geschichtsklitterung, Jauch fragte nach, Sarrazin wechselte das Thema.

"Der kann hier den größten Bullshit erzählen"

Die Sendung plätscherte wieder vor sich hin. Sogar Steinbrück wirkte bald unzufrieden, sowohl mit seinem Gegner als auch mit der Leistung des Ringrichters. Da war er in den Ring geklettert, um gegen Rocky zu boxen und traf stattdessen auf Axel Schulz! Als Steinbrück sich bei Jauch beschwerte: "Der kann hier den größten Bullshit erzählen, und Sie senden den nächsten Beitrag", versprach es kurzzeitig, spannend zu werden. Wurde es aber nicht. Denn dann wurde der nächste Beitrag eingespielt.

Ganz unverrichteter Dinge wollte jedoch auch Jauch nicht nach Hause gehen und fragte Sarrazin knallhart, ob Deutschland die Eurozone verlassen solle oder nicht. Der wollte sich allerdings nicht festlegen. Die Sehnsucht nach dem Ende der Sendung wurde größer, je näher der Abspann rückte.

Das ging wohl nicht nur dem Zuschauer so. Moderator Jauch konnte oder wollte nicht verbergen, wie sehr er sich bei der Lektüre des Buches gelangweilt hatte. Oder, wie er es ausdrückte: Sarrazins Buch sei nicht "Harry Potter". Das mag sein. Aber ein wenig Budenzauber hätte dem Auftakt dieser Promo-Tour vielleicht etwas Leben einhauchen können.

Ob das Buch genauso dröge und überflüssig ist, wie es die Sendung war, darf an dieser Stelle übrigens noch nicht verraten werden. Der Verlag verbietet, dass Rezensionen vor Dienstag veröffentlicht werden. Ein PR-Trick, klar. Der künstlich Spannung erzeugen soll.

Quelle: n-tv.de

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