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Demonstranten setzen die saudische Botschaft in Teheran in Brand.
Demonstranten setzen die saudische Botschaft in Teheran in Brand.(Foto: dpa)

Iraner stürmen saudische Botschaft: Saudi-Arabien entfacht Sturm der Entrüstung

Die EU warnt vor den Folgen der 47 Exekutionen in Saudi-Arabien. Die Linke sieht Parallelen zur Terrormiliz IS. Der Iran droht dem sunnitischen Königreich. In mehreren Ländern der Region gibt es Proteste, in Teheran setzen Demonstranten Teile der saudischen Botschaft in Brand.

Die Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr in Saudi-Arabien hat internationale Kritik und Proteste hervorgerufen. Der Iran - der schiitische Rivale Saudi-Arabiens in der Region - verurteilte die Tötung des Regime-Kritikers scharf. Mehrere Demonstranten stürmten Augenzeugen zufolge die saudische Botschaft in Teheran und setzten Teile des Gebäudes in Brand. Die Feuerwehr war vor Ort, um den Brand zu löschen.

Auch die EU kritisierte das Vorgehen Riads: Der Fall habe das Potenzial, "sektiererische Spannungen, die bereits viel Schaden in der gesamten Region anrichten, mit gefährlichen Folgen weiter anzuheizen", erklärte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini.

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Das iranische Außenministerium drohte, Saudi-Arabien werde "einen hohen Preis" für die Exekution al-Nimrs zahlen. "Die saudiarabische Regierung unterstützt auf der einen Seite terroristische und extremistische Bewegungen und benutzt zugleich die Sprache der Repression und die Todesstrafe gegen ihre inneren Gegner", sagte ein Sprecher. Die studentische Bassidsch-Miliz rief für Sonntag zu einer Demonstration vor der saudiarabischen Botschaft in Teheran auf.

"Anstatt sich mit den (IS-) Terroristen zu beschäftigen, die die Region und die ganze Welt gefährden, lassen die Saudis eine Persönlichkeit wie al-Nimr hinrichten", sagte Irans Außenamtssprecher Dschaber Ansari. Die iranische Regierung bestellte den Vertreter des saudischen Botschafters ein.

Das saudiarabische Innenministerium bezeichnete die Kritik aus Teheran hingegen als "unverantwortlich". Das Außenministerium in Riad bestellte den iranischen Botschafter ein, um gegen den "aggressiven" Ton zu protestieren, wie die amtliche saudiarabische Nachrichtenagentur SPA meldete.

In Bahrain, dessen Regierung mit Riad verbündet ist, protestierten Dutzende Jugendliche der schiitischen Bevölkerungsmehrheit gegen die Exekutionen, die Polizei setzte Tränengas ein. In der den Schiiten heiligen irakischen Stadt Kerbela demonstrierten Hunderte Menschen gegen Saudi-Arabien. Auf Transparenten waren Drohungen gegen die sunnitischen Königshäuser in Riad und Bahrain zu lesen. Protestteilnehmer in Kerbela äußerten Empörung. Das Blut von Scheich al-Nimr sei nicht "vergebens" geflossen, sagte einer der Demonstranten: "Wir werden die Erde unter euren Füßen zittern lassen."

Der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi reagierte "trauig" und "geschockt". Die Meinungsfreiheit sei ein grundlegendes Menschenrecht. Sein Vorgänger Nuri al-Maliki sagte voraus, die Tötung Al-Nimrs werde zum Sturz der Regierung in Riad führen. Die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah sprach von einem "abscheulichen Verbrechen".

Bundesregierung "entsetzt"

Kritik an den Exekutionen wurde auch in Deutschland laut: "Entsetzt von Berichten über die jüngsten Exekutionen in Saudi-Arabien", erklärte der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Strässer (SPD), auf Twitter. Das Auswärtige Amt äußerte sich besorgt.

Die Opposition im Bundestag forderte ein Ende der strategischen Partnerschaft Deutschlands mit den Saudis. "Die Massenhinrichtungen à la IS durch die wahabitische Diktatur in Saudi Arabien gefährden den Frieden in der gesamten Region", sagte die Sprecherin für internationale Beziehungen der Linksfraktion, Sevim Dagdelen. Der außenpolitische Sprecher der Grünen, Omid Nouripour erklärte, die vollstreckten Todesurteile seien "der letzte Weckruf für die Bundesregierung, die "strategische Partnerschaft" mit einem Staat zu beenden, dessen Praktiken sich vom sogenannten Islamischen Staat kaum unterscheiden."

Auch Al-Kaida-Anführer hingerichtet

Das Königreich hatte am Samstag neben Al-Nimr 46 weitere Männer wegen Terrorismusvorwürfen exekutiert. Al-Nimr war wegen seiner Kritik an der Unterdrückung der religiösen Minderheit durch das sunnitische Königshaus eingesperrt worden. Der Aktivist war für seine Unterstützung friedlichen Protests bekannt. Inspiriert von den Protesten der arabischen Aufstände hatte der 55-jährige im von Schiiten bewohnten saudischen Osten ab 2011 Demonstrationen gegen die religiöse Diskriminierung organisiert.

Zu den Hingerichteten gehörte auch Fares al-Schuwail, der Medienberichten zufolge der oberste religiöse Anführer von Al-Kaida in Saudi-Arabien war. Anfang Dezember hatte der Al-Kaida-Ableger im Jemen mit "Blutvergießen" gedroht, sollte Riad verurteilte Dschihadisten hinrichten.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty hatte in der Vergangenheit kritisiert, Saudi-Arabien setze das Todesurteil auch als politisches Instrument gegen die schiitische Minderheit ein, die etwa 15 Prozent der Bevölkerung ausmacht. In dem überwiegend sunnitischen Land waren bereits in den vergangenen Monaten schiitische Geistliche und Aktivisten zum Tode verurteilt worden. Der bei Amnesty für den Nahen Osten zuständige Philip Luther erklärte, Riad nutze den "Deckmantel des Anti-Terrorkampfes".

Saudi-Arabien rechtfertigte die Exekutionen mit den terroristischen Taten der Betroffenen. Diese folgten "den Fußstapfen des Teufels. Durch ihre terroristischen Taten ist unschuldiges Blut vergossen worden mit dem Ziel, die Stabilität in diesem Land zu erschüttern", hieß es nach Angaben der staatlichen saudischen Nachrichtenagentur SPA in einer Stellungnahme des Innenministeriums in Riad.

Saudi-Arabien hatte 2015 laut Menschenrechtlern so viele Todesurteile vollstreckt wie seit 20 Jahren nicht mehr.

Quelle: n-tv.de

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