Politik
Dieses Foto vom 21. Juli soll die Folgen eines Beschusses mit Raketenwerfern  zeigen, die aus Russland an die Separatisten geliefert worden sein sollen.
Dieses Foto vom 21. Juli soll die Folgen eines Beschusses mit Raketenwerfern zeigen, die aus Russland an die Separatisten geliefert worden sein sollen.

Satellitenbilder als Beweise: Schießt Russland wirklich auf die Ukraine?

Von Hubertus Volmer

Die US-Regierung legt Fotos vor, die beweisen sollen, dass Russland nicht nur Kriegsgerät an die Separatisten in der Ukraine liefert, sondern auch aktiv in den Krieg eingreift. Wie stichhaltig sind die Beweise?

Neu ist der Vorwurf nicht: Russland liefert Raketenwerfer und andere schwere Waffen an die prorussischen Milizen und nimmt die Ukraine auch selbst unter Feuer. Am Sonntag hat die US-Regierung diese Anschuldigungen mit insgesamt vier Satellitenbildern untermauert. Die Aufnahmen wurden zwischen dem 21. und dem 26. Juli gemacht und am Sonntag vom Büro des US-Geheimdienstkoordinators und dem US-Außenministerium an Journalisten gegeben.

Einleitend wird in dem Papier ein hoher Anspruch formuliert: "Die folgenden Bilder beweisen, dass russische Kräfte über die Grenze auf ukrainisches Militär geschossen haben und dass von Russland unterstützte Separatisten schwere Artillerie eingesetzt haben, die ihnen von Russland zur Verfügung gestellt wurde".

Veröffentlicht wurden die Bilder von US-Medien - sie sind weder auf der Webseite des US-Außenministeriums noch auf der des Geheimdienstkoordinators zu finden. Das State Department weist lediglich auf ein Telefonat von US-Außenminister John Kerry mit seinem Kollegen Sergej Lawrow hin. Darin habe Kerry den russischen Außenminister aufgefordert, den Zustrom schwerer Waffen in die Ukraine sowie den Beschuss der Ukraine aus Russland zu stoppen. Unter der entsprechenden Presseerklärung findet sich der Hinweis, für mehr Informationen solle man dem US-Botschafter in Kiew, Geoffrey Pyatt, auf Twitter folgen.

Pyatt hat auf seinem Twitter-Account tatsächlich alle vier Satellitenbilder gepostet. Allerdings waren die Bilder zu diesem Zeitpunkt bereits von US-Medien veröffentlicht worden. Erst am Montag veröffentlichte die US-Botschaft in Kiew das Papier mit den Satellitenbildern ohne weiteren Kommentar.

Den Bildunterschriften zufolge zeigt eine der Satellitenaufnahmen verkohlte Erde auf der russischen Seite der Grenze, die darauf hindeute, dass dort Raketenwerfer eingesetzt worden seien. Auf der ukrainischen Seite der Grenze könne man die entsprechenden Einschläge erkennen - an einem Ort, in dessen Nähe sich ukrainische Militäreinheiten befunden hätten.

Ein weiteres Bild zeigt den Angaben zufolge russische Panzerartillerie in Russland, die auf ukrainische Militäreinheiten jenseits der Grenze gerichtet sei. Das Muster von Einschlagkratern in der Nähe dieser Einheiten weise auf Beschuss von diesem Typ Panzerartillerie hin. Die Aufnahmen stammen nicht von amerikanischen Spionagesatelliten oder Drohnen, sondern von dem Privatunternehmen DigitalGlobe.

Bereits seit ein paar Tagen werfen Vertreter der US-Regierung Moskau vor, Waffen an die Separatisten in der Ukraine zu liefern und von Russland aus auf die Ukraine zu feuern. "Einheiten in Russland, auf russischem Territorium, schießen in die Ukraine, um ukrainisches Militär zu treffen", sagte beispielsweise Botschafter Pyatt am Freitag bei CNN.

Eine Glaubensfrage

Ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums wies die Vorwürfe am Sonntag zurück. Es gebe auf russischer Seite in der Nähe der Grenze zur Ukraine keine verborgenen militärischen Aktivitäten. Stattdessen gebe es eine hohe Konzentration ukrainischer Soldaten an der Grenze und regelmäßigen Beschuss russischer Siedlungen, "die unsere Bürger dort bereits getötet und verletzt haben".

Hintergrund der Debatte um den russischen Anteil am Krieg in der Ostukraine ist der Abschuss der malaysischen Passagiermaschine am 17. Juli, bei dem 298 Menschen ums Leben gekommen sind. Die US-Regierung behauptet nicht, Flug MH17 sei von russischen Kräften abgeschossen worden. Allerdings argumentieren die USA, dass es den Abschuss nicht gegeben hätte, wenn Russland die Milizen in der Ukraine nicht unterstützen würde. "Wir wissen, dass es ein SA-11 System (auch bekannt als Buk-M1-Batterie, Anm.d.Red.) war, das sich in den Händen der Separatisten befand, das die malaysische Maschine zum Absturz gebracht hat", sagte ein Sprecher des Weißen Hauses am Freitag. "Und wir wissen, dass Russland daran beteiligt war, Separatisten an diesem System auszubilden." Daher sei Russland für den Abschuss verantwortlich. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte dagegen bereits am 21. Juli erklärt, ohne die Militäroperation der ukrainischen Armee wäre "diese Tragödie" nicht passiert.

In der Nähe der Absturzstelle wurde am Montag erneut gekämpft, niederländische Gerichtsmediziner konnte das Gebiet daher nicht betreten. Wer die Verantwortung für den Abschuss trägt, wird daher vorläufig eine Glaubensfrage bleiben - genau wie die Frage, ob die amerikanischen Satellitenbilder als "Beweise" zu werten sind.

Quelle: n-tv.de

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