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Dass Großbritanniens Atomwaffen in Schottland lagern, könnte ein Problem werden, sollte das Land sich abspalten.
Dass Großbritanniens Atomwaffen in Schottland lagern, könnte ein Problem werden, sollte das Land sich abspalten.(Foto: picture alliance / dpa)

Abspaltung als Sicherheitsrisiko?: Schottland-Referendum schafft Atomproblem

Alle britischen Atomwaffen sind in Schottland - auf U-Booten. Erklärt sich der hohe Norden im kommenden Monat für unabhängig, müssen die Sprengköpfe über kurz oder lang weg. Londons internationale Partner werden langsam unruhig.

Am 18. September stimmen bis zu 4,2 Millionen Einwohner Schottlands darüber ob, ob die nördlichste britische Region von 2016 an unabhängig sein wird. Großbritannien würde das nicht nur in Einwohnerzahl, Fläche und Wirtschaftsleistung schmerzlich verkleinern. Die schottische Unabhängigkeit würde vor allem massive militärische Probleme für die Streitkräfte Ihrer Majestät aufwerfen. So groß, dass wichtige Nato-Partner schon jetzt die Stirn runzeln.

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Vor allem das erklärte Ziel der Unabhängigkeitspartei SNP, die britischen Atomwaffen zu verbannen, bereitet Sorge. Die sind derzeit nämlich allesamt auf U-Booten in Schottland stationiert. Britischen Militärangaben zufolge befindet sich der Großteil der Waffen in der Marinebasis Faslane an der schottischen Westküste - dem wichtigsten Stützpunkt der britischen Seestreitkräfte im Norden der Insel. Der aus Schottland stammende frühere Nato-Generalsekretär George Robertson nannte ein Votum für die Unabhängigkeit seiner Heimat "katastrophal" für die westliche Sicherheit.

Das frühere konservative Regierungsmitglied Michael Forsyth erklärte, eine Unabhängigkeit Schottlands könne zur nuklearen Entwaffnung Großbritanniens führen. Andere Experten sehen es dagegen als durchaus machbar an, die Sprengköpfe aus Schottland in englisches oder walisisches Gebiet zu verlagern. William Walker, Professor für internationale Angelegenheit an der Universität St. Andrews, sieht kaum alternative Standorte in England und Wales - allein die Suche danach dürfte zum Milliardengrab werden.

Wird Frankreich Europas einzige Atommacht?

Für Frankreich sei die Absicht Schottlands, die 160 Atomsprengköpfe loszuwerden, mit einigem Unwohlsein verbunden, sagte Walker. "In Paris verspürt man überhaupt keine Lust darauf, dass Frankreich Europas einzige Atommacht wird." Des Weiteren sei zu befürchten, dass Staaten, die nach einem ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat trachten, in diesem Streben bestärkt werden, wenn Großbritannien dezimiert wird.

Andererseits müsste auch ein unabhängiges Schottland Interesse daran haben, dass die Verteidigungsfähigkeit seines großen Nachbarn erhalten bleibt. Schottland, sollte es unabhängig werden, will Nato-Mitglied werden und muss zumindest den großen Rahmen der Bündnispolitik mittragen - also auch die Tatsache, dass mit Großbritannien eine Atommacht ihr Nachbar ist.

Schottland selbst dürfte sich - das hat Ministerpräsident Alex Salmond mehrmals betont - militärisch eher in Richtung nordische Staaten wie Schweden oder Norwegen orientieren. Eine Mitgliedschaft in der regionalen Verteidigungs-Allianz NORDEFCO wäre eine mögliche Option, meint Colin Fleming von der Universität Edinburgh in einem Beitrag für die Denkfabrik Chatham House.

US-Präsident Barack Obama hatte bereits im Juni mit der Schottlandfrage beschäftigt. Großbritannien möge doch "ein starker, robuster, geeinter und effektiver Partner bleiben", sagte der Präsident zum Referendum. Im Umkehrschluss: Sollte Schottland die britische Union verlassen, hätten all diese Attribute nicht mehr uneingeschränkt Gültigkeit.

Quelle: n-tv.de

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