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Familienministern schlägt 32-Stunden-Modell vor: Schwesig fordert "Vollzeit für Eltern"

Einem Beruf nachzugehen und dabei Kinder zu haben, soll künftig kein Kunststück mehr sein. Das sieht die neue Familienministerin als ihr großes Thema an. Ihr erster Vorschlag: Eltern sollen weniger arbeiten können, ohne offiziell in die Teilzeit zu rutschen. Nachfragen beantwortete sie nur sehr wolkig.

Die 39 Jahre alte Manuela Schwesig ist selbst Mutter eines Sohnes im Schulalter.
Die 39 Jahre alte Manuela Schwesig ist selbst Mutter eines Sohnes im Schulalter.(Foto: REUTERS)

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig wünscht sich eine kürzere Regelarbeitszeit für Eltern. So sollen Mütter und Väter nach ihrer Vorstellung die Möglichkeit bekommen, ihre Arbeitszeit von 40 auf 32 Stunden zu reduzieren, ohne dass die geringere Stundenzahl als Teilzeit zählt.

Was der SPD-Ministerin vorschwebt, beschreibt sie in einem Interview mit dem Berliner "Tagesspiegel": "Vollzeit sollten für Eltern mit kleinen Kindern nicht 40, sondern zum Beispiel 32 Stunden sein." In der Vereinbarkeit von Kindern und Beruf sieht Schwesig den Schwerpunkt ihrer Familienpolitik. Dabei hoffe sie auf eine schlagkräftige Zusammenarbeit mit dem von ihrer Parteikollegin Andrea Nahles geführten Arbeitsministerium. "Die neue Arbeitsministerin und die neue Familienministerin haben das gleiche Ziel und werden an einem Strang ziehen," sagte Schwesig.

Konkret ausgearbeitet ist das Projekt noch nicht, wie eine Nachfrage von n-tv.de im Familienministerium ergab. Schwesig bezeichnete ihre Pläne als "Vision". Fragen zur Verknüpfung der "Elternvollzeit" mit dem ElterngeldPlus beantwortete sie nicht. Auch schriftliche Fragen zu einem Lohnausgleich, ließ sie ohne Antwort.

Der Vorschlag der Familienministerin könnte damit zu tun haben, dass es bisher kein gesetzlich verbrieftes Rückkehrrecht von temporärer Teilzeit in die Vollzeit gibt. Dieses einzuführen, gehört allerdings zu den Absichten der Großen Koalition. Mit Hinblick auf finanzielle Einbußen durch die Reduzierung der Arbeitsstunden verweist Schwesig auf das sogenannte "Elterngeld Plus", das im Koalitionsvertrag steht. Es sieht vor, dass Eltern finanziell unterstützt werden, wenn sie wegen Kindern ihre Arbeitszeit reduzieren. Viele Frauen machten die Erfahrung, "dass sie mit Teilzeit nicht nur finanzielle Nachteile erleiden, sondern in eine berufliche Sackgasse einbiegen. Bislang hatten sie oft keine Chance, wieder in Vollzeit zurückzukehren." Wie genau Schwesigs Vorstellung einer Eltern-Vollzeit mit dem "Elterngeld Plus" verknüpft werden soll, führte die Ministerin nicht aus.

Knackpunkt Praxis

Einen Schlüssel sieht Schwesig auch in der Unternehmenskultur. "Wir werden an die Unternehmen Forderungen stellen. Es kann nicht sein, dass die Unternehmen sich beklagen, dass sie keine Fachkräfte haben, dann aber nicht bereit sind, auf Fachkräfte unter den Eltern mehr Rücksicht zu nehmen." Arbeitgeber müssten auf die Bedürfnisse junger Familien flexibel reagieren.

Schwesig selbst ist Mutter eines Sohnes im Schulalter und pendelt nun zwischen ihrem Wohnort Schwerin und dem neuen Arbeitsort Berlin. In ihrem Fall mache es auch ihr Ehemann möglich, dass sie ihr Ministeramt ausfüllen könne, erklärte die Politikerin. Doch der Wunsch vieler Väter, "nicht nur zum Gutenachtkuss nach Hause zu kommen", werde in der Arbeitswelt noch belächelt.

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Quelle: n-tv.de

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