Politik
Manuela Schwesig lebt mit ihrem Ehemann Stefan und ihren beiden Kindern in Schwerin.
Manuela Schwesig lebt mit ihrem Ehemann Stefan und ihren beiden Kindern in Schwerin.(Foto: imago/foto2press)
Dienstag, 05. September 2017

Gleiche Bildung für alle?: Schwesigs Schulwahl sorgt für Ärger

In Mecklenburg-Vorpommern geht der Sohn von Ministerpräsidentin Schwesig künftig auf eine Privatschule - des kürzeren Schulwegs wegen. Nach Ansicht der Linken beweist die SPD-Frau damit lediglich, dass Bildungschancen vom Einkommen abhängen.

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es Kritik an Ministerpräsidentin Manuela Schwesig für ihre Entscheidung, ihren älteren Sohn zum neuen Schuljahr auf eine Privatschule zu schicken. Die Linke im Schweriner Landtag wirft ihr vor, damit die Mängel und Lücken im staatlichen Schulsystem zu offenbaren. Über Jahre hinweg seien öffentliche Schulen in Mecklenburg-Vorpommern kaputt gespart und Schulleitungen ans Gängelband gelegt worden, sagte Linken-Fraktionschefin Simone Oldenburg.

Video

Schwesig hatte den Schulwechsel im NDR mit der Nähe zur Wohnung der Familie und dem damit kurzen Schulweg begründet. Die Schule in freier Trägerschaft liege am Rande der Schweriner Innenstadt, erklärte die Ministerpräsidentin. Das Schulgeld dort beträgt monatlich 200 Euro, kann laut Schulleitung aber für Kinder aus sozial schwachen Familien ermäßigt werden.

Für die Linke ein weiterer Kritikpunkt: Anderen Familien, die nicht das Schulgeld aufbringen könnten, bleibe für ihre Kinder nur die örtlich zuständige Schule mit oft deutlich längeren Wegen, erklärte Oldenburg. Damit bestimme entgegen dem Versprechen der SPD das Einkommen der Eltern doch über die Bildungschancen und -wege der Kinder.

Kritik an Schwesig kam auch von der Schulleitungsvereinigung des Landes. Deren Vorsitzende Heike Walter sagte, es stelle sich die Frage, ob die Ministerpräsidentin doch kein Vertrauen in die öffentlichen Schulen habe. Schwesigs Entscheidung habe einen "bitteren Beigeschmack", zitierte der NDR Walter.

"Debatte an den Haaren herbeigezogen"

In Mecklenburg-Vorpommern hat sich der Anteil der Schüler an Privatschulen in den zurückliegenden zehn Jahren auf etwa elf Prozent verdreifacht. Nur in Bayern liegt der Anteil noch höher.

Landesbildungsministerin Birgit Hesse von der SPD sieht in dem Trend keinen Grund zur Besorgnis. Die landesweit 75 Schulen in freier Trägerschaft seien Bestandteil des Schulsystems und eine sinnvolle Ergänzung. Doch räumte sie ein, dass die Schulstruktur in der Landeshauptstadt Schwerin Defizite aufweise. "Darüber werden wir mit dem Oberbürgermeister reden müssen", sagte Hesse.

Der Linken warf die Ministerin vor, das Thema für sich zu instrumentalisieren. Entgegen der Darstellung der Opposition gebe die Landesregierung von Jahr zu Jahr mehr Geld für die Schulen aus, sagte Hesse. "Die Debatte ist an den Haaren herbeigezogen und es ist geschmacklos, Kinder mit hineinzuziehen."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen