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Das Atomkraftwerk Tihange liegt 70 Kilometer westlich von Aachen, in der Nähe von Lüttich.
Das Atomkraftwerk Tihange liegt 70 Kilometer westlich von Aachen, in der Nähe von Lüttich.(Foto: picture alliance / dpa)

Staatsanwalt dementiert Terrorspur: Sicherheitsmann in Belgien ermordet

Haben islamistische Terroristen versucht, in Belgien an Nuklearmaterial zu gelangen oder einen Anschlag auf ein Atomkraftwerk zu verüben? Es gibt Indizien, die in diese Richtung deuten.

Im belgischen Justizbezirk Charleroi ist am Donnerstagabend ein Mann getötet worden, der als Sicherheitsangestellter in belgischen Atomanlagen gearbeitet hatte. Ursprünglich hatte die belgische Zeitung "La Dernière Heure" berichtet, dem Mann sei sein Dienstausweis gestohlen worden. Das wurde später von der Staatsanwaltschaft dementiert.

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Der Diebstahl bereite den Ermittlungsbehörden ernsthaft Sorge, hatte "La Dernière Heure" geschrieben, denn mit dem Ausweis erhalte man Zugang zu den Atomanlagen. In welchem Kernkraftwerk genau der Mann beschäftigt war, teilte das Blatt nicht mit. In Belgien gibt es zwei Atomkraftwerke, Tihange westlich von Aachen und Doel an der Grenze zu den Niederlanden.

Der Nachrichtenagentur Belga zufolge arbeitete der Mann allerdings gar nicht in einem Atomkraftwerk, sondern an einem Institut in Fleurus bei Charleroi, das sich mit medizinischen Anwendungen von Radioaktivität befasst.

Die Stadt Charleroi liegt rund 45 Autominuten von Tihange entfernt. Khalid El Bakraoui, der Selbstmordattentäter aus der Brüsseler U-Bahn, soll in Charleroi für die Pariser Terrorgruppe ein Haus gemietet haben.

Die belgischen Atomkraftwerke gelten als potenzielles Ziel von Terroristen. Bereits am Donnerstag hatte "La Dernière Heure" berichtet, dass zwei der Selbstmordattentäter von Brüssel, Ibrahim und Khalid El Bakraoui, eine Kamera vor dem Haus des Direktors des belgischen Atom-Forschungs- und Entwicklungsprogramms installiert hatten. Sie entfernten die Kamera kurz nach den Anschlägen von Paris, bei denen am 13. November 130 Menschen getötet worden waren. Das zehnstündige Video sei im Dezember bei einem der Verdächtigen der Pariser Anschläge, Mohamed Bakkali, sichergestellt worden.

Die Zeitung spekulierte, dass die Brüder einen Anschlag auf Belgiens Atomkraftwerke geplant haben könnten. Sie hätten sich aber möglicherweise umentschieden, nachdem mehrere mutmaßliche Islamisten, darunter Salah Abdeslam, festgenommen worden waren. Abdeslam gilt als Hauptverdächtiger der Anschläge von Paris und war offenbar auch an der Planung der Brüsseler Anschläge beteiligt.

Unmittelbar nach den Anschlägen vom vergangenen Dienstag mit mindestens 31 Toten und 270 Verletzten war das Personal in den belgischen Kernkraftwerken auf ein Minimum reduziert worden. Die belgische Atomaufsichtsbehörde AFCN erklärte die Maßnahme damit, notfalls die Anlagen schneller evakuieren zu können. Hinweise darauf, dass Terroristen Atomkraftwerke im Visier hätten, gebe es nicht, sagte ein AFCN-Sprecher am Mittwoch.

Beunruhigende Berichte über mögliche Terrorpläne gegen belgische Atomkraftwerke gab es schon früher. Im Oktober 2014 kam heraus, dass Ilyass Boughalab, ein belgischer Salafist, drei Jahre lang in Doel gearbeitet hatte. In seiner Freizeit warb der Mann für den Dschihad. Als die Geschichte bekannt wurde, lebte Boughalab schon nicht mehr: Er war 2012 nach Syrien gereist, wo er weniger Monate später getötet wurde.

Quelle: n-tv.de

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