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2006 wurde Alexis Tsipras mit 26 Jahren Stadtrat Athens, 2012 griechischer Oppositionsführer. Ende Januar könnte der Syriza-Chef die nächste Stufe erklimmen.
2006 wurde Alexis Tsipras mit 26 Jahren Stadtrat Athens, 2012 griechischer Oppositionsführer. Ende Januar könnte der Syriza-Chef die nächste Stufe erklimmen.(Foto: REUTERS)

"Sind keine Bedrohung für Europa": So denkt Alexis Tsipras

Syriza-Chef Alexis Tsipras könnte in drei Wochen der neue starke Mann Griechenlands werden. Nun spricht der Linke über seine Pläne zur Rettung des Krisenlandes - und wettert dabei heftig gegen "die Märchen" der deutschen Bundesregierung.

Seit zweieinhalb Jahren treibt er die griechische Regierung vor sich her. In knapp drei Wochen könnte es sein, dass Alexis Tsipras die Seiten wechselt. Umfragen zufolge hat der Parteichef der sozialistischen Syriza gute Chancen, neuer griechischer Regierungschef zu werden. Tsipras verspricht ein Ende der Sparpolitik. Was er wirklich vorhat? Das hat der 40-Jährige nun in einem Gastbeitrag für die deutsche "Huffington Post" aufgeschrieben.

"Die Sackgasse in Griechenland ist auch eine Sackgasse des heutigen Europas", schreibt Tsipras. Der Linken-Chef sieht gute Chancen, dass sich die Griechen bei den Neuwahlen am 25. Januar gegen die gescheiterte Sparpolitik aussprechen. Davon verspricht er sich ein Zeichen für alle Menschen in Europa. "Wenn die Menschen es wollen, wenn sie es wagen, wenn sie ihre Ängste überwinden, dann können sich die Dinge verändern."

Die deutsche Bundesregierung ist angesichts der Griechenland-Wahl alarmiert. Aus Regierungskreisen heißt es plötzlich sogar, dass ein Ausscheiden des Krisenlandes aus der Eurozone möglich sei. Die Syriza will mit der Sparpolitik brechen, Teile der Partei plädieren sogar offen für den Euro-Austritt. Kann man mit diesen Leuten überhaupt zusammenarbeiten? Nicht um jeden Preis, das ist jedenfalls die Botschaft der Großen Koalition.

Tsipras beruft sich auf Antigone

Tsipras hält wenig von den Warnungen und Drohkulissen. Eine kleine Minderheit "um die konservative Führung der deutschen Regierung" bestehe darauf, "die Ammenmärchen und Geschichten" vom Austritt Griechenlands weiterzuerzählen. "Syriza ist kein Ungeheuer und keine große Bedrohung für Europa, sondern die Stimme der Vernunft", sagt er. "Es ist der Weckruf, der Europa aus seiner Lethargie und seinem Schlaf reißen wird."

Im Gegensatz zu Noch-Regierungschef Andonis Samaras, der die bisherige Sparpolitik fortsetzen möchte, will Tsipras das Land mit seinem "Thessaloniki Programm" reformieren - "ohne Rücksicht auf unsere Verhandlungen mit unseren Geberländern".

Die Euro-Schuldenkrise ist für den Linken kein griechisches, sondern ein europäisches Problem. Den Euro könne man jedoch nicht retten, wenn "die öffentlichen Schulden außer Kontrolle geraten sind". Der größte Teil der Schulden müsse daher abgeschrieben werden, "ein Moratorium muss für ihre Rückzahlung ausgerufen werden und eine Wachstumsklausel muss erlassen werden, auf deren Basis die verbleibenden Schulden sinnvoll getilgt werden". Notwendig seien Rückzahlungsbedingungen, "die nicht dazu führen, ein Land in der Rezession zu ersticken und die die Menschen nicht in die Verzweiflung und Armut treiben".

Aus seiner Sicht gibt es nicht nur für Griechenland zwei gegensätzliche Strategien für die Zukunft Europas. Tsipras stellt sich gegen die Sichtweise des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble, wonach "die Gesetze und Prinzipien, auf die man sich geeinigt hat", weiter durchgesetzt werden, "egal ob sie funktionieren. Der 40-Jährige beruft sich dagegen auf eine andere Strategie. Er beruft sich auf den Satz von EZB-Chef Mario Dragi. Man müsse das tun, "was immer nötig ist, um den Euro zu retten". Viel näher erläutert Tsipras dies leider nicht. Er argumentiert nur historisch, wenn er sagt: "Weil Griechenland das Land des Sophokles war, der uns mit 'Antigone' gelehrt hat, dass es Momente gibt, in denen das höhere Gesetz die Gerechtigkeit ist."

Quelle: n-tv.de

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