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Chronologie der Ereignisse: So lief die Silvesternacht von Köln ab

Erst nach Mitternacht sickert die Information an die Einsatzkräfte der Polizei Köln durch, dass es offenbar sexuelle Übergriffe gegeben hat. Das ganze Ausmaß der Ereignisse wird erst am Neujahrstag deutlich.

Vier Tage nach Neujahr ringt die Stadt Köln um Erklärungen: Wie konnte es passieren, dass die Lage an der Domplatte und rund um den Hauptbahnhof derart eskalierte und Dutzende Frauen brutal begrabscht wurden, ohne dass ihnen die Polizei helfen konnte? Langsam entfaltet der Vorfall seine ganzen Sprengkraft. Auf einer Pressekonferenz gab die Polizeiführung der Stadt am Dienstag erste Einblicke, wie alles ablief.

Am Neujahrsmorgen gab die Polizei noch einen Bericht zur Silvesternacht heraus, in dem die Lage als "entspannt" beschrieben wurde. Aus heutiger Sicht war das voreilig und mehr als peinlich. Polizeipräsident Albers sagte dazu: "Diese erste Auskunft war falsch. Als uns klar wurde, dass es diese schweren Straftaten gab, haben wir das zurückgenommen."

Stattdessen passierte Folgendes, wie der Leitende Polizeidirektor Michael Timm schilderte:

  • Gegen 21 Uhr versammeln sich auf dem Domplatz an der großen Treppe 400 bis 500 junge Männer. "Zu diesem Zeitpunkt wurde reichlich Alkohol konsumiert und unkontrolliert Feuerwerk abgeschossen", so Timm.
  • Gegen 23 Uhr ist die Menschenansammlung auf rund 1000 Personen angewachsen. Es handelt sich "ausschließlich um junge Männer". Noch mehr Feuerwerk wird abgeschossen, es kommt zu "konkreten Gefährdungssituationen".
  • Die Polizei beschließt, die Treppe zu räumen, da auch Feuerwerk auf Passanten unterhalb der Treppe abgefeuert wird. Timm: "Die Personen wurden als enthemmt und unbeeindruckt von polizeilichen Maßnahmen geschildert."
  • Die Räumung nimmt einige Zeit in Anspruch und gestaltet sich nach Aussage des Polizeidirektors äußerst schwierig.
  • Die Domtreppe wird gesperrt. Die 1000 Männer verteilen sich in kleineren Gruppen in die nähere Umgebung.
  • Trotzdem ist die Räumung nach Aussage von Michael Timm nicht der Auslöser für die Belästigungen. "Das begann schon vorher, wurde aber durch die Räumung nicht beendet."
  • Gegen 1 Uhr morgens erhält die Polizei erste Hinweise auf Übergriffe. Von sexuellen Straftaten ist noch nicht die Rede.
  • Die Lage ist unübersichtlich, der Domplatz und der Bahnhof sind voller Menschen. Polizisten geleiten einzelne Frauen zum Eingang des Bahnhofs. Dort ist die Bundespolizei zuständig, die die Opfer in Empfang nimmt.
  • Erst im Laufe der Nacht und des Neujahrsmorgens wird das Ausmaß sichtbar, als immer mehr Anzeigen wegen sexueller Übergriffe bei der Polizei eingehen.

Bisher sind mehr als 90 Anzeigen bei der Polizei Köln eingegangen. Zu den Tätern gibt es kaum konkrete Erkenntnisse. Eine Sonderkommission Neujahr soll nun aus den Aussagen der Opfer und dem wenigen verfügbaren Amateurvideomaterial mögliche Täter identifizieren.

Quelle: n-tv.de

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