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Moral keine deutsche Errungenschaft: Soldatin stellt sich Islamkritikern entgegen

Mit einem leidenschaftlichen Plädoyer sorgt ein weiblicher Unteroffizier der Bundeswehr im Internet für Aufsehen: Die Übergriffe auf Frauen in der Kölner Silvesternacht, sagt sie, hätten weder etwas mit dem Islam noch mit Nordafrika zu tun.

Welche Lehren muss Deutschland aus den Vorfällen in der Kölner Silvesternacht ziehen? In der teils sehr hitzig geführten Debatte um die Konsequenzen der sexuellen Übergriffe auf Frauen meldet sich nun eine Bundeswehrsoldatin zu Wort, die mit ihrem Lebenslauf eine ganz eigene Perspektive beisteuern kann.

Nariman Reinke, Bundeswehr-Soldatin mit marokkanischen Wurzeln, hier bei einem Gespräch mit der Presse.
Nariman Reinke, Bundeswehr-Soldatin mit marokkanischen Wurzeln, hier bei einem Gespräch mit der Presse.(Foto: dpa)

In einer im Internet veröffentlichten Stellungnahme hält Hauptfeldwebel Nariman Reinke Islamkritikern ein leidenschaftliches Plädoyer gegen Vorurteile und Fremdenangst entgegen: Für die Vorfälle gebe es weder eine marokko- noch islamspezifische Entschuldigung oder Erklärung, schreibt die muslimische Soldatin, deren Eltern vor 52 Jahren als Gastarbeiter aus Marokko nach Deutschland kamen. "Vergewaltigung ist auch in Marokko strafbar, und die Entehrung einer Frau ist für Muslime eine sehr schwerwiegende und schlimme Tat", betonte Reinke.

Ihr Plädoyer gegen Vorurteile und Fremdenangst veröffentlichte sie auf der Facebook-Seite ihres Vereins "Deutscher.Soldat. e.V.", der von Bundeswehrangehörigen aus Migrantenfamilien gegründet wurde. Der Beitrag wurde tausendfach geteilt und kommentiert.

"Stolz, Deutsche zu sein"

"Moral ist keine deutsche Errungenschaft, bei der man nochmal nachfragen müsste, ob sie schon bei uns Zugewanderten verfügbar ist", erklärte die Bundeswehrsoldatin. "Alle Flüchtlinge, mit denen ich gesprochen habe sind genauso erschüttert, wie ganz Deutschland. Insbesondere, weil sie durchaus wissen, dass eine der Folgen von Köln ist, dass sie nun alle misstrauisch angeschaut werden."

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Sie sei "stolz, Deutsche zu sein", heißt es in dem Kommentar der 36-jährigen Berufssoldatin weiter. "Ganz besonders stolz war ich, als ich die Begrüßung der Flüchtlinge in München gesehen habe. Das war eine Feierstunde unserer Verfassung und der humanistischen Errungenschaften auf denen sie fußt. Auch das 'Wir schaffen das' der Kanzlerin finde ich gut und richtig."

Deutschlands Wertsystem "Heuchelei"?

Reinke kommt aus Hannover und ist derzeit beim Bataillon Elektronische Kampfführung im rheinland-pfälzischen Daun stationiert. "Es ist ganz schrecklich, dass der Islam nun für Köln verantwortlich gemacht wird", erklärte die Soldatin ihre Sichtweise. "Entweder wir sind der Meinung, dass der Schutz von Verfolgten richtig ist oder wir sind es nicht. Alles hinzuschmeißen, weil ein Tausendstel der Flüchtlinge kriminell geworden ist, würde unser Wertesystem als Heuchelei entlarven."

Ihrer Überzeugung nach ist die Entscheidung, Flüchtlinge aufzunehmen, trotz der Vorfälle in Köln richtig. "Wer weiß denn, wie viele Flüchtlinge in der Silvesternacht dabei waren? Und was hat deren Anzahl mit unseren eigenen Werten zu tun?" Schlimm sei es, erklärte Reinke, die Themen Kriminalität und Flüchtlinge zu vermischen und dabei auch den Islam mitverantwortlich zu machen.

In der Silvesternacht waren am Kölner Hauptbahnhof Frauen von Männergruppen umzingelt, sexuell bedrängt und bestohlen worden. Unter den mutmaßlichen Tätern sollen viele Männer nordafrikanischer und arabischer Herkunft gewesen sein. Neben ihrer privaten Tätigkeit als Vizechefin des Vereins ist Reinke auch in der "Kommission zur Fragen der Migration und Teilhabe" des niedersächsischen Landtags vertreten.

"Viele Flüchtlinge werden in Deutschland bleiben und Kinder haben", hielt Reinke in ihrem Plädoyer abschließend fest. "Sorgen wir gemeinsam dafür, dass auch sie eine deutsche Heimat haben, in die sie sich einbringen und auf die sie stolz sein können."

Quelle: n-tv.de

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