Dienstag, 19. Februar 2008
UNICEF-Skandal: Spendensiegel futsch?
Dem UN-Kinderhilfswerk UNICEF soll das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen (DZI) aberkannt werden. Das berichten der Bonner "Generalanzeiger" und der Berliner "Tagesspiegel" sowie der Hörfunksender WDR 2. Der kommissarische UNICEF-Vorsitzende Reinhard Schlagintweit wollte die Berichte nicht bestätigen. Er kündigte aber für Mittwoch eine gemeinsame Presseinformation von UNICEF und DZI an.
Dem Kinderhilfswerk wird vorgeworfen, in der Vergangenheit mit Spendengeldern nicht ordnungsgemäß umgegangen zu sein. Die Vorsitzende Heide Simonis und der Geschäftsführer Dietrich Garlichs waren zurückgetreten. Das Spendensiegel soll der Orientierung von Menschen dienen, die gemeinnützige Organisationen mit Geld unterstützen wollen.
UNICEF Deutschland will bei einer Mitgliederversammlung am 10. April einen neuen Vorsitzenden wählen. Dabei sei "eine gewisse Rangfolge von Kandidaten" erstellt worden, sagte der derzeitige Vorsitzende Reinhard Schlagintweit. "Es ist aber zu früh, um Namen zu nennen." Der zurückgetretene Geschäftsführer Dietrich Garlichs gab wie erwartet alle UNICEF-Aufgaben mit sofortiger Wirkung ab.
Garlichs hatte die Verantwortung für die seit Monaten schwelende Vertrauenskrise nach Verschwendungsvorwürfen gegen UNICEF übernommen und war zurückgetreten. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft nun wegen des Anfangsverdachts der Untreue. Wegen fehlender Transparenz hatte zuvor die Vorstandsvorsitzende Heide Simonis ihr Amt niedergelegt.
Die Krise bei UNICEF wirkte sich einer Forsa-Umfrage zufolge negativ auf die Spendenbereitschaft der Deutschen aus. Demnach will mehr als ein Viertel der Befragten (27 Prozent) künftig weniger für wohltätige Zwecke ausgeben. 44 Prozent wollen ebenso viel spenden wie bisher, 27 Prozent gaben an, sie würden ohnehin nicht spenden.
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