Politik
Ein zweifelhaftes "Gütesiegel", gehalten von einem Pegida-Demonstranten.
Ein zweifelhaftes "Gütesiegel", gehalten von einem Pegida-Demonstranten.(Foto: dpa)

Rechtspopulistisch bis rechtsextrem: Studie: Pegida und AfD sind das Gleiche

"Fleisch vom gleichen Fleisch" seien Pegida und die Alternative für Deutschland, schlussfolgert Politikwissenschaftler Patzelt in einer neuen Studie. Für die Ausbreitung des Rechtspopulismus in Gestalt der AfD macht der Forscher die CDU verantwortlich.

Der Dresdner Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt hat davor gewarnt, das islamfeindliche Pegida-Bündnis als sächsisches Phänomen abzutun. Es sei Teil rechtspopulistischer Bestrebungen, die angesichts der Flüchtlingsproblematik bundesweit Zuspruch erführen, sagte er bei der Vorlage einer neuen Pegida-Studie. "Wir sollten begreifen, dass Pegida und AfD dasselbe sind. Fleisch vom gleichen Fleisch."

Video

Pegida als lokales oder regionales Phänomen zu sehen, hieße, es zu verharmlosen. "Es geht hier um viel gewaltigeres Geschiebe unterhalb der Oberfläche unserer politischen Strukturen. Es ist die Ausbreitung des Rechtspopulismus nach Deutschland", sagte Patzelt. In der Entwicklung der vergangenen Monate gebe es vor allem bei jüngeren "Pegidianern" zwar Radikalisierungstendenzen, was sich auch in den genutzten Internetdiensten zeige. Auch sei die Sprache in den Redebeiträgen rüder geworden und die Bereitschaft der Anhänger gesunken, Bürgerkriegsflüchtlinge und Asylbewerber aufzunehmen. Von einer allgemeinen Entwicklung hin zum Rechtsextremismus könne aber nur bedingt gesprochen werden, sagte Patzelt. Ein "Rechtsruck" sei nicht festzustellen.

20 Prozent bei Pegida rechtsradikal

Gleichwohl macht er in einer nicht repräsentativen Erhebung einen Anteil von mindestens 20 Prozent Rechtsradikalen und Rechtsextremisten unter den Pegida-Anhängern aus. Dieser Anteil habe sich über die Monate aber nicht wesentlich verändert. Viele "Pegidianer" hätten sich "bis zur inneren Kündigung gegenüber unserem Staatswesen verhärtet", sagte Patzelt. Mehr als 80 Prozent fühlten sich durch etablierte Parteien und Politiker nicht mehr vertreten. Auf etwa den gleichen Wert stieg die Zahl der Befragten, die angaben, die AfD wählen zu wollen.

"Die AfD ist in jene Repräsentationslücke eingedrungen, welche die etablierten Parteien am rechten Rand des politischen Spektrums haben entstehen lassen", sagte Patzelt. "Ausschließeritis und Abgrenzeritis" vor allem aufseiten der CDU sei für diese Entwicklung verantwortlich zu machen. "Erst seitdem die CDU ihre wichtige staatspolitische Rolle nicht mehr richtig erfüllt hat, ist jener Freiraum entstanden, in dem dann die AfD als rechtspopulistische Partei sich festsetzen konnte, ist jene Lücke entstanden, die dann Pegida unter den besonderen Dresdner Umständen auffüllen konnte."

Patzelts neuer Pegida-Studie liegen Befragungen von Demonstrationsteilnehmern zugrunde, die im Januar, April und Mai 2015 sowie im Januar 2016 mit weitgehend gleichen Fragebögen vorgenommen wurden. Der Vergleich der gesammelten Daten ergab demnach, dass die AfD zunehmend im Lager der islam- und ausländerfeindlichen Bewegung Fuß fasst.

Typische Pegidia-Anhänger sympathisieren der Untersuchung zufolge mit Russland, stehen den USA skeptisch gegenüber, sind globalisierungskritisch und halten Deutschland für sozial ungerecht. Zugleich bestätigte die neue Studie frühere Erkenntnisse, wonach Pegida-Demonstranten typischerweise Männer aus Dresden und Umgebung sind. Sie sind demnach für gewöhnlich verheiratet, älter, konfessionslos, habe eine gute praxisorientierte Bildung sowie ein durchschnittliches bis unterdurchschnittliches Einkommen. Patzelt hatte bereits im Februar und im Mai 2015 Untersuchungen zu Pegida in Dresden vorgelegt. Kritiker warfen ihm mangelnde Distanz zu dem Bündnis vor.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen