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Die Spannungen nehmen zu: In mehreren Städten gab es teilweise gewaltsame Proteste gegen die Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen in Saudi Arabien.
Die Spannungen nehmen zu: In mehreren Städten gab es teilweise gewaltsame Proteste gegen die Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen in Saudi Arabien.(Foto: REUTERS)

Weltmächte alarmiert: Sunnitische Länder kappen Draht zum Iran

Nach Saudi-Arabien brechen auch Bahrain und der Sudan ihre diplomatischen Beziehungen zum Iran ab. Die Vereinigten Arabischen Emirate reduzieren den Kontakt auf das Nötigste. Moskau will nun angeblich zwischen den Fronten vermitteln.

Nach den arabischen Golfmonarchien Saudi-Arabien und Bahrain hat auch der sunnitische Sudan die diplomatischen Beziehungen zum schiitischen Iran abgebrochen. Dies sei eine Reaktion auf die Angriffe auf die saudische Botschaft in der iranischen Hauptstadt Teheran sowie auf das Konsulat in der Pilgerstadt Maschad, erklärte das sudanesische Außenministerium.

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Zu den Ausschreitungen gegen die diplomatischen Vertretungen war es im mehrheitlich schiitischen Iran gekommen, nachdem das sunnitische Königreich Saudi-Arabien einen ranghohen schiitischen Geistlichen hinrichten ließ. Die Mehrheit der Sudanesen sind sunnitische Muslime.

Zudem haben die Vereinigten Arabischen Emirate Konsequenzen gezogen: Sie reduzierten ihr diplomatisches Personal im Iran auf ein Minimum und zogen ihre Botschafter ab. Zuvor hatte bereits Bahrain den diplomatischen Kontakt zum Iran gekappt: Alle iranischen Diplomaten müssten das Land binnen 48 Stunden verlassen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur BNA.

Saudi-Arabien friert Handel mit Iran ein

Saudi-Arabien kappt nach den Worten von Außenminister Adel al-Dschubeir nicht nur die diplomatischen Beziehungen mit dem Iran, sondern auch sämtliche Handelsbeziehungen. Außerdem werde der Flugverkehr zwischen beiden Staaten eingestellt, sagte Dschubeir in einem Reuters-Interview. Saudische Bürger dürften auch nicht mehr in den Iran reisen. Iranische Pilger seien allerdings nach wie vor willkommen, die heiligen Stätten in Mekka und Medina zu besuchen. Der Iran müsse sich wie ein normales Land verhalten und internationale Normen respektieren, bevor die Beziehungen zu dem Land wieder normalisiert werden könnten.

In Teheran gab es gegen die Hinrichtung von Nimr al-Nimr Proteste.
In Teheran gab es gegen die Hinrichtung von Nimr al-Nimr Proteste.(Foto: REUTERS)

Nach der Hinrichtung des schiitischen Geistlichen al-Nimr in Saudi-Arabien hatten im schiitisch geprägten Iran hunderte Menschen die saudiarabische Botschaft angegriffen und in Brand gesetzt. Die Regierung in Bahrain verurteilte die "feigen" Angriffe auf Riads Botschaft in Teheran und das saudiarabische Konsulat in Maschhad. Sie warf dem Iran eine "gefährliche Einmischung" in die internen Angelegenheiten der Staaten in der Region vor. Auch in Bahrain kam es zu Zusammenstößen zwischen schiitischen Demonstranten und der Polizei.

Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei hatte Riad nach der Hinrichtung des schiitischen Geistlichen vor der "Rache Gottes" gewarnt. An diesem Montag gingen in Teheran erneut tausende Menschen auf die Straße, um gegen Riad zu protestieren.

Russland will vermitteln

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Die Eskalation der Spannungen zwischen dem Iran und Saudi-Arabien ruft die Weltmächte auf den Plan. Nach den USA forderten auch China, Russland und Frankreich, die Krise umgehend mit diplomatischen Mitteln beizulegen. Aus Furcht vor einer weiteren Destabilisierung der gesamten Nahost-Region rief die Bundesregierung Riad und Teheran zum Dialog auf: "Die Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und Iran sind von grundlegender Bedeutung für die Lösung der Krisen in Syrien, im Jemen und für die Stabilität der gesamten Region", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Russland bot an, sich im Streit zwischen Riad und Teheran zu vermitteln. In Moskau erklärte ein nicht namentlich genannter Mitarbeiter des Außenministeriums der Agentur RIA, sein Land stehe als Vermittler zur Verfügung. In einer offiziellen Erklärung des Moskauer Außenministeriums wurden Teheran und Riad aufgerufen, "den Weg des Dialogs" einzuschlagen. Die russische Regierung sei bereit, derartige Bemühungen zu unterstützen, hieß es weiter. Moskau sei "tief besorgt über die neue Eskalation der Situation im Nahen Osten, die von den großen Regionalmächten Saudi-Arabien und Iran verursacht worden ist".

Bombenanschläge auf Moscheen

Die Spannungen in der Region verschärften sich weiter: Im Zentrum des Iraks wurden am Montagmorgen bei Bombenanschlägen auf zwei sunnitische Moscheen mehrere Menschen verletzt. Der Muezzin einer weiteren sunnitischen Moschee wurde nach Behördenangaben ermordet. Die irakische Regierung verurteilte die Angriffe als Versuch, "die nationale Einheit" zu gefährden.

Bei einer Schießerei in der saudiarabischen Geburtsstadt des hingerichteten schiitischen Geistlichen Scheich al-Nimr wurden in der Nacht zum Montag ein Zivilist getötet und ein Kind verletzt. Wer die Schüsse abfeuerte, war zunächst unklar.

Auswirkungen gab es auch auf die Aktienmärkte in der Golf-Region - sie verloren durchgängig kräftig um bis zu 2,5 Prozent. Der Ölpreis stiegt wegen der Spannungen zwischen den beiden Großproduzenten um fast zwei Prozent.

Die Beziehungen zwischen Riad und Teheran sind seit der islamischen Revolution im Iran 1979 angespannt. Das sunnitische Saudi-Arabien wirft dem schiitischen Iran immer wieder eine Einmischung in arabische Angelegenheiten vor. Beide Staaten verfolgen zudem gegensätzliche Interessen in der Region. Teheran unterstützt etwa im Gegensatz zu Riad in Syrien Machthaber Baschar al-Assad und im Jemen die schiitschen Huthi-Rebellen, die von einer von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition bekämpft werden.

Quelle: n-tv.de

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