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UN-Experten appellieren an Politiker härter gegen Verschmutzung und Verschwendung von Trinkwasserressourcen vorzugehen.
UN-Experten appellieren an Politiker härter gegen Verschmutzung und Verschwendung von Trinkwasserressourcen vorzugehen.(Foto: picture alliance / dpa)

UN-Bericht warnt vor Wassermangel: Täglich sterben 1000 Kinder an Dreckwasser

Der Anstieg der Weltbevölkerung, fehlende Reformen und eine übermäßige Nutzung der Trinkwasserressourcen stellen laut UN-Wasserbericht die größten Hindernisse im Kampf gegen die Wasserknappheit dar. Zudem seien die Wasserkosten viel zu günstig.

Die Verschwendung von Trinkwasser nimmt nach Angaben der UNO bedrohliche Ausmaße an. Es gebe zwar genügend Wasser, um die Bedürfnisse der Weltbevölkerung zu befriedigen, erklärten die Vereinten Nationen in ihrem veröffentlichten Wasserbericht. Es seien aber "einschneidende Änderungen bei der Nutzung, Verwaltung und Aufteilung" der Ressource nötig.

Bis 2030 kann die Lücke zwischen Bedarf und natürlicher Neubildung von Grundwasser auf 40 Prozent steigen.
Bis 2030 kann die Lücke zwischen Bedarf und natürlicher Neubildung von Grundwasser auf 40 Prozent steigen.(Foto: picture alliance / dpa)

Sollten Reformen ausbleiben, drohe eine Trinkwasser-Knappheit, die vor allem Länder mit heißem und trockenem Klima hart treffen werde. Bis zum Jahr 2030 könne die Lücke zwischen dem Bedarf und der natürlichen Neubildung von Grundwasser auf 40 Prozent anwachsen, schrieben die Experten der UN-Wetterorganisation WMO.

Der Anstieg der Weltbevölkerung von derzeit 7,3 Milliarden Menschen auf voraussichtlich 9,1 Milliarden im Jahr 2050 sei eines der drängendsten Probleme, heißt es in dem Bericht. Der weltweite Bedarf an Wasser werde dadurch um 55 Prozent ansteigen, unter anderem durch die landwirtschaftliche Produktion, die bereits heute für 70 Prozent des Wasserverbrauchs verantwortlich ist. Hinzu kommen der Klimawandel und die Verstädterung.

748 Millionen ohne sauberes Trinkwasser

In ihrem Jahresbericht listen die UN-Experten zahlreiche Missstände auf, etwa die Wasserverschmutzung durch Pestizide, industrielle Produktion oder die Einleitung ungeklärter Abwässer. Zudem kritisieren sie die übermäßige Ausbeutung der Wasservorräte für die Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen. Jeden Tag sterben demnach fast 1000 Kinder unter fünf Jahren an Durchfallerkrankungen, verursacht durch verschmutztes Trinkwasser, fehlende Toiletten und mangelnde Hygiene.

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung entnimmt ihr Trinkwasser dem Bericht zufolge dem Grundwasser. Etwa 20 Prozent dieser kostbaren Vorräte seien durch eine übermäßige Nutzung bedroht. In Teilen Chinas, Indiens und der USA sowie Regionen im Nahen Osten seien die Grundwasservorräte auf nicht nachhaltige Weise angezapft worden, um die Bedürfnisse der Bevölkerung zu decken, bemängelte der Hauptautor des UN-Berichts, Richard Connor. Angesichts der schwindenden Grundwasserressourcen sei dies ein "kurzsichtiges Vorgehen".

Laut dem UN-Bericht haben 748 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, 2,5 Milliarden Menschen leben demnach ohne Kanalisation. Die UN-Experten riefen die Politik auf, härter gegen die Verschwendung und Verschmutzung von Wasser vorzugehen sowie Anreize für innovative Lösungen zu geben. "Die derzeitigen Wasserkosten sind im Allgemeinen viel zu niedrig, um eine Verschwendung durch reiche Haushalte oder die Industrie zu verhindern", heißt es in dem Bericht. Ein verantwortungsvoller Umgang könne aber auch erreicht werden, indem das Problembewusstsein geschärft werde.

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Quelle: n-tv.de

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