Politik
Seine Nebeneinkünfte legte Steinbrück offen, folgt er diesem Beispiel, was die Namen der Geldgeber des Peerblogs betrifft?
Seine Nebeneinkünfte legte Steinbrück offen, folgt er diesem Beispiel, was die Namen der Geldgeber des Peerblogs betrifft?(Foto: AP)

Cyberkrieg gegen Steinbrück: Team M3DU5A legt Peerblog lahm

Von Christian Rothenberg

Wer steckt wirklich hinter dem Peerblog? SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück sieht "nichts Anrüchiges", doch der Streit um seine angeblich unabhängige Unterstützer-Seite eskaliert. Hacker legen den umstrittenen Blog und die Webseite der SPD-Bundestagsfraktion lahm. Und die Internetaktivisten drohen bereits mit den nächsten Attacken.

Die Twitter-Seite vom Team M3DU5A.
Die Twitter-Seite vom Team M3DU5A.(Foto: screenshot/ Twitter)

Er ist jetzt seit vier Monaten Kanzlerkandidat der SPD, Peer Steinbrück kennt das inzwischen. Wenn der Ärger erst einmal ausgebrochen ist, wird es so schnell auch nicht wieder ruhig. Dabei hat er diesmal gar nichts gesagt, was für einen klassischen Eklat hätte sorgen können. Steinbrück will dem umstrittenen Peerblog zwar sein okay gegeben haben, die Geldgeber kenne er aber nicht.

Tatsächlich macht die Webseite nur Ärger, seitdem sie am vergangenen Wochenende ins Netz gestellt worden ist. Zu Groß sind die Zweifel, dass der frühere "Focus"-Redakteur Karl-Heinz Steinkühler und seine Kollegen wirklich unabhängig agieren. Und dass die sechsstellige Summe zur Finanzierung des Blogs, der nach Vorbild des US-Wahlkampfs für den Kanzlerkandidaten, aber unabhängig von der SPD bloggen will, nicht von den Genossen selbst gestemmt wird.

Beim Streit um den Peerblog bleibt es inzwischen nicht nur bei kritischen Worten: Am Mittwochabend und am Donnerstagmorgen legten Hacker sowohl den Peerblog als auch die Webseite der SPD-Bundestagsfraktion für einige Stunden lahm. Zu dem DDoS-Angriff (siehe Kasten) bekannte sich kurze Zeit später das Team M3DU5A. "Wir sind dafür verantwortlich, dass der Blog offline ist", gaben die Internetaktivisten über Twitter bekannt.

Was ist ein DDoS-Angriff?

Bei einem Denial-of-Service-Angriff werden Internetseiten mit Datenabfragen überflutet, bis sie überlastet sind und nicht mehr funktionieren. In Deutschland  können solche Attacken mit bis zu drei Jahren Haft oder einer Geldstrafe geahndet werden.

Die Begründung folgte ebenfalls über Twitter: "Gerüchten zu Folge wird der Blog von Parteigeldern finanziert, geht gar nicht. Wir machen das was wir wollen, und für uns reicht ein Gerücht!" Das Team M3DU5A, das auch Sympathien für Anonymous äußert, hat offenbar noch mehr Aktionen geplant, auch gegen die bisher unbekannten Unterstützer des Blogs. "Die Unternehmer werde sicher auch Webseiten haben :) Wir nehmen alle Beteildigten (sic) solange es geht vom Netz." Das Hackerkollektiv hatte in der Vergangenheit unter anderem die Seiten des Berliner Kaufhauses KaDeWe sowie des Salafisten Pierre Vogel vorübergehend unerreichbar gemacht.

Wer sind die Geldgeber?

Auch der Bundestag beschäftigt sich mit der Rechtmäßigkeit des umstrittenen Internet-Blogs, der angeblich von fünf anonymen Unternehmern gesponsert wird. Sollte die Verwaltung den Verdacht der verdeckten Finanzierung bejahen, müsste Bundestagspräsident Norbert Lammert über mögliche Sanktionen entscheiden. Konstantin von Notz, der Netzexperte der Grünen, forderte, Steinbrück müsse die Unterstützernamen offenlegen. Wenn es sich tatsächlich um einen sechsstelligen Betrag handele, den der Blog koste, sei das eine "ganz erhebliche Einflussnahme" auf den Wahlkampf. Auch Parteienrechtler Hans Herbert von Arnim rät Steinbrück, infolge des hohen politischen Drucks die Geldgeber zu nennen.

Doch der Mann, der die Sozialdemokraten im Herbst zurück auf die Regierungsbank führen will, verteidigte das Portal. "Ich kann daran nicht ansatzweise etwas Anrüchiges erkennen", sagte Steinbrück zu "Spiegel Online". Der Prüfung durch die Bundestagsverwaltung sehe er gelassen entgegen.

Quelle: n-tv.de

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