Politik

Zeit fürs Reisen und SchreibenThümler nimmt den Hut

17.06.2005, 18:13 Uhr

Der niedersächsische CDU-Landtagsabgeordnete Thorsten Thümler tritt zurück. Das teilt der Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Oldenburger Land, Hans Hubmann, mit. Thümler zieht damit die Konsequenzen aus Ermittlungen der Justiz gegen ihn wegen Betrugsverdacht. Thümler soll sich Rabatte in Luxushotels erschlichen haben.

Der niedersächsische CDU-Landtagsabgeordnete Thorsten Thümler tritt zurück. Das teilt der Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Oldenburger Land, Hans Hubmann, mit. Thümler zieht damit die Konsequenzen aus Ermittlungen der Justiz gegen ihn wegen Betrugsverdacht. Thümler soll sich Rabatte in Luxushotels erschlichen haben. Dazu habe er sich als Reisejournalist ausgegeben und Texte anderer Autoren als Nachweis vorgelegt.

"Wir sehen einen Anfangsverdacht auf Betrug", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Oldenburg. CDU-Fraktionsgeschäftsführer Bernd Althusmann kündigte "lückenlose Aufklärung" an.

Landtagspräsident Jürgen Gansäuer untersucht, ob der 34-Jährige gegen das Abgeordnetengesetz verstoßen hat, weil er Nebentätigkeiten nicht korrekt angegeben hat. Der Abgeordnete aus Hude (Kreis Oldenburg) sitzt seit 2003 im Parlament in Hannover.

Thümler selbst erklärte der "Nordwest Zeitung", er versuche, eine Medien-und Marketingagentur aufzubauen.

Das Kempinski Grand Hotel in Heiligendamm (5-Sterne) bestätigte, dass Thümler vom 12. bis zum 13. Juni 2005 in Begleitung übernachtet habe. Er habe angegeben, Journalist zu sein und einen Presseausweis vorgelegt, sagte eine Sprecherin. Daraufhin bekam er Rabatt. Arbeitsnachweise habe er nicht vorgelegt. Thümler besitzt einen Presseausweis, weil er vor seiner Zeit als Abgeordneter auch für die Pressestelle des Bauernverbandes arbeitete.

Im Luxushotel Kurhaus Binz auf Rügen wurde man laut "Nordwest-Zeitung" allerdings misstrauisch und bat um Belege für Thümlers Tätigkeit. Auf Aufforderung der Hotelkette habe Thümler angeblich selbst verfasste Texte vorgelegt, die sich aber als Meldungen von Nachrichtenagenturen entpuppt hätten, sagte eine Sprecherin der Travel-Charme-Kette. Nachdem das Hotel daraufhin um namentlich gekennzeichnete Berichte bat, habe sich der Abgeordnete nicht mehr gemeldet.

Thümler fiel 2003 bereits dadurch auf, dass er die rechtsextremen Äußerungen des Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann verteidigte, der später aus der CDU-Fraktion ausgeschlossen wurde. Damals wurde der heute 34-Jährige zwar schwer gerügt, einen Parteiausschluss oder eine Mandatsniederlegung hatte der Fall aber nicht zur Folge.

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes (DJV), Michael Konken, warf Thümler Betrug vor. "Dieser Mensch muss von unserem Landesverband sofort herausgeschmissen werden", sagte Konken in einem dpa-Gespräch. Thümler ist seit mehreren Jahren Mitglied im DJV Brandenburg und wird dort als freier Journalist geführt.

Nach dem Bericht der "Nordwest Zeitung" fragte Thümler bei den Hotels per Fax unter dem Briefkopf "Norddeutsche Medien & Marketingagentur" nach, ob es Ermäßigungen geben könne. Unter der angegebenen Adresse gibt es aber keinerlei Klingel- oder Firmenschild der angeblichen Agentur Thümlers.