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Verdächtige "neutralisiert": Tote und sieben Festnahmen bei Großeinsatz

Der Anti-Terror-Einsatz im Norden von Paris wird zum Nervenkrieg und endet erst nach Stunden. Seine Bilanz: Mehrere Tote und einige Verletzte. Sieben Verdächtige werden festgenommen. Noch ist unklar: Wer sind die Festgenommenen?

Fünf Tage nach den Anschlägen von Paris haben die französischen Behörden bei einem mehrstündigen Anti-Terror-Einsatz in Saint-Denis weiter nach Verdächtigen und Hintermännern gesucht. Am Mittag erklärten die Einsatzkräfte die Aktion für beendet. Die Sicherung des Gebiets in der Innenstadt von Saint-Denis werde aber fortgesetzt, sagte ein Polizist. Ein Sprecher der französischen Regierung sagte allerdings, dass alle Verdächtigen "neutralisiert" worden seien. An dem Einsatz waren auch Soldaten beteiligt.

Sicherheitskräfte führen einen kaum bekleideten Mann ab.
Sicherheitskräfte führen einen kaum bekleideten Mann ab.(Foto: REUTERS)

Innenminister Bernard Cazeneuve bestätigte nach dem Einsatz, der um 4.30 Uhr begann, dass es zwei Tote gegeben habe. So sprengte sich eine Frau bei der Erstürmung der Wohnung in die Luft. Außerdem wurde dem Staatsanwalt zufolge in der Wohnung ein toter "Terrorist" gefunden, der von "Projektilen und Granaten" getroffen wurde. Noch ist unklar, ob auch eine dritte Person ums Leben kam, wie Medien berichteten. Mehrere Polizisten wurden bei der Schießerei verletzt.

Insgesamt gab es bei dem Anti-Terror-Einsatz sieben Festnahmen, drei davon in der Wohnung. Die Festgenommenen werden verhört. Über ihre Identität gibt es noch keine Informationen. Die Sicherheitskräfte waren den Verdächtigen durch die Auswertung von Telefondaten auf die Schliche gekommen.

Suche nach mutmaßlichem Drahtzieher

Der Zugriff richtete sich gegen den Islamisten Abdelhamid Abaaoud, der als Drahtzieher der Anschläge vom Freitag mit 129 Todesopfern gesucht wird. Ob er sich tatsächlich in der Wohnung befand, ist allerdings noch unklar. Der Pariser Staatsanwalt François Molins bestätigte nach dem Einsatz nur, dass Abaaoud das Ziel des Einsatzes war. Dieser ist der meistgesuchte Islamist Belgiens. Er hat marokkanische Wurzeln und lebte früher in der Brüsseler Islamistenhochburg Molenbeek, zuletzt soll er sich in Syrien aufgehalten und für die Terrormiliz Islamischer Staat gekämpft haben.

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Die Verdächtigen in der Wohnung von Saint-Denis planten einem Insider zufolge einen weiteren Anschlag in der französischen Hauptstadt. Dieser sollte im Geschäftsviertel La Defense stattfinden, sagt eine mit den Ermittlungen vertraute Person. Eine offizielle Bestätigung dafür fehlt indes noch.

Staatsanwalt Molins will sich im Verlauf des Nachmittags noch einmal zu dem Einsatz äußern. Innenminister Bernard Cazeneuve lobte die Sondereinheiten der Polizei für ihren Einsatz. Die Beamten hätten "extrem mutig eingegriffen". Staatspräsident François Hollande sagte vor dem französischen Städtetag, der Polizeieinsatz habe zur Aufgabe gehabt, die Terroristen zu "neutralisieren", die im Zusammenhang mit den Verbrechen von Freitag stünden. Erneut erklärte er, dass sich Frankreich "im Krieg" gegen die Terroristen des Islamischen Staat befinde. Das Land werde aber nicht zurückweichen und weiter an seiner Art zu Leben festhalten.

Einsatz seit frühen Morgenstunden

Unter den Festgenommenen ist offenbar auch der Mieter der Wohnung. Der Mann gab an, er habe auf Bitte eines Freundes "zwei seiner Kumpel" aus Belgien beherbergt. Diese wollten angeblich "nur Wasser und beten". Er habe einen Gefallen tun wollen und nicht gewusst, dass es "Terroristen" waren.

Mittlerweile betreuen Psychologen mehrere Dutzend traumatisierte Anwohner. Insgesamt seien etwa 60 bis 80 Bewohner aus der unmittelbaren Nachbarschaft des gestürmten Hauses auf psychotherapeutische Hilfe angewiesen, sagte Jean-Marc Agostinucci vom Französischen Roten Kreuz. "Der Lärm der Explosionen und Schüsse hat sie zutiefst verstört."

Der Einsatz spielte sich in einem Viertel im Zentrum des nördlichen Pariser Vororts ab, das nur etwa eineinhalb Kilometer vom Stade de France entfernt liegt. Dort hatten sich am Freitag als Teil der blutigen Terrorwelle mit 129 Toten drei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt.

Unter Hochdruck suchen die Behörden außerdem nach einem weiteren mutmaßlichen Angreifer, dem 26-jährigen Salah Abdeslam. Ein von den Ermittlern ausgewertetes Video deutet zudem auf einen weiteren flüchtigen Attentäter hin, wie am Dienstagabend bekannt wurde.

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Quelle: n-tv.de

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