Politik
Präsident sein ist manchmal ein ziemlich einsamer Job: Donald Trump.
Präsident sein ist manchmal ein ziemlich einsamer Job: Donald Trump.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 02. Februar 2017

Angriff auf Al-Kaida im Jemen: Trumps erster Militäreinsatz geht schief

Vergangenes Wochenende autorisiert Donald Trump seine erste Militäroperation: Beim Angriff auf ein Al-Kaida-Camp im Jemen sterben mehrere Zivilisten - auch Kinder. Der Präsident wertet den Einsatz dennoch als Erfolg. US-Militärs sollen das anders sehen.

Das US-Militär hat angekündigt, die Hintergründe einer fehlgeschlagenen Operation im Jemen gegen Stellungen des radikal-islamischen Terrornetzwerkes Al-Kaida zu prüfen. Konkret gehe es um die Frage, ob der erste von US-Präsident Donald Trump autorisierte Militäreinsatz noch mehr zivile Opfer gefordert hat als bisher bekannt. Bei dem nächtlichen Angriff am vergangenen Wochenende in der Provinz Al-Baida waren nach örtlichen Angaben 30 Menschen getötet worden - darunter acht Kinder und acht Frauen. Auch ein Soldat der US-Navy Seals, William "Ryan" Owens, kam bei dem Einsatz ums Leben.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Militärkreise berichtet, wird intern aber auch die schlechte Vorbereitung des Einsatzes für die hohe Zahl der zivilen Opfer verantwortlich gemacht. Demnach habe Trump die Aktion "ohne ausreichende Information, Bodenunterstützung und angemessene Sicherheitsvorkehrungen" genehmigt. In der Folge hätten sich die Soldaten der Navy Seals bei ihrem Einsatz vor einem stärker gesicherten Al-Kaida-Lager wiedergefunden als zunächst angenommen.

Drei Militärs berichteten laut Reuters, dass die Stellung sowohl durch Landminen als auch Scharfschützen gesichert gewesen sei. Zudem hätten sich mehr Al-Kaida-Kämpfer in dem Camp befunden als erwartet - und sie seien auch schwerer bewaffnet gewesen. Trump hatte bereits im Wahlkampf angekündigt, den Druck auf militante Gruppen weltweit erhöhen zu wollen. Wie die "New York Times" berichtet, soll er schnell davon überzeugt gewesen sein, dass das zu erwartende Ergebnis im besagten Fall es wert ist, Risiken einzugehen.

Militärführung bedauert zivile Opfer

Im Jemen kontrolliert Al-Kaida weite Gebiete.
Im Jemen kontrolliert Al-Kaida weite Gebiete.(Foto: Reuters)

Der Präsident hatte noch am Sonntag erklärt, dass die Operation erfolgreich verlaufen sei und "wichtige Geheimdienstinformationen" gesichert werden konnten, "die den Vereinigten Staaten dabei helfen werden, Terrorattacken gegen US-Bürger und Menschen auf der ganzen Welt zu verhindern". Bei früheren ähnlichen Einsätzen in Syrien, Somalia und dem Irak konnten nach US-Angaben wichtige Informationen über Logistik, Rekrutierung und Finanzierungswege von Al-Kaida gewonnen werden.

Nichtsdestotrotz erklärte das Zentralkommando der US-Streitkräfte am Mittwochabend, man bedauere, dass auch Zivilisten in das "heftige Gefecht" verwickelt worden seien. Gleichzeitig räumte die Behörde ein, dass unter den Opfern auch Kinder sein könnten. Eine genaue Zahl wurde nicht genannt. Man werde prüfen, ob es weitere "bisher nicht erfasste zivile Verluste" gegeben hat. Bestätigt ist bisher, dass auch 14 Kämpfer der Al-Kaida getötet worden sind. Unter den Opfern soll aber auch die achtjährige Tochter des 2011 bei einem Drohnenangriff getöteten US-amerikanischen Extremisten Anwar al-Awlaki sein.

Einsatz noch unter Obama abgesegnet?

Von einem voreilig genehmigten Militäreinsatz kann laut Zentralkommando dennoch keine Rede sein. "Wir bitten nur dann um die Autorisierung einer Operation, wenn wir glauben, dass sie eine gute Chance auf Erfolg hat", sagte der Sprecher der Behörde. "Jede Operation, bei der Einsatzkräfte am Boden agieren, birgt von Natur aus Risiken." Zudem mische das Terrornetzwerk bei Kämpfen um Stellungen regelmäßig Frauen und Kinder unter die eigenen Reihen. "Das macht Fälle wie diesen so besonders tragisch."

Die Al-Kaida-Stellung im jemenitischen Al-Baida soll mehreren Quellen zufolge bereits vor dem Machtwechsel im Weißen Haus zum militärischen Ziel erklärt worden sein. Auch die Planung und Prüfung sei bereits im Januar vom damaligen Verteidigungsminister Ashton Carter abgesegnet worden. Die Administration von Präsident Barack Obama habe jedoch gezögert, einen Angriff zu autorisieren - weshalb die endgültige Entscheidung darüber laut "New York Times" schließlich der Nachfolgeregierung überlassen wurde.

Quelle: n-tv.de

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