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(Foto: AP)

Athens neuer Finanzminister: Tsipras schickt Spargegner nach Brüssel

Brüssel kann sich auf unbequeme Gespräche mit der neuen Athener Regierung gefasst machen. Ministerpräsident Tsipras macht mit Giannis Varoufakis einen Mann zum Finanzminister, der für einen rauen Umgangston bekannt ist.

Der frisch gekürte griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras beruft sein Kabinett - und setzt mit zwei Personalien direkt ein Zeichen Richtung Brüssel. Den zentralen Posten des Finanzministers übernimmt der entschiedene Spargegner Giannis Varoufakis. Er soll für das Kabinett die Verhandlungen über die finanzielle Zukunft des Landes führen - gemeinsam mit dem stellvertretenden Regierungschef Giannis Dragasakis.

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Auf den 53-jährigen Varoufakis, der neben der griechischen auch die australische Staatsbürgerschaft hat, kommen nun schwierige Gespräche mit den internationalen Geldgebern zu. Ein Schuldenerlass sowie eine Abmilderung der Sparauflagen gehören zu den wichtigsten Zielen von Tsipras' Regierung.

Was Varoufakis selbst erwartet, hatte er vor der Wahl in einem Interview mit der französischen Zeitung "La Tribune" deutlich gemacht: "Was auch immer Deutschland tut oder sagt, zahlen wird es auf jeden Fall." An anderer Stelle hatte er gesagt, dass er keinen Austritt seines Landes aus dem Euro wolle.

Markige Sprüche im eigenen Blog

Giannis Varoufakis gilt als "Popstar" der Ökonomie. Der 53 Jahre alte gebürtige Athener ist viel in der Welt herum gekommen. Als Wirtschaftsprofessor hat er unter anderem in Sydney und Glasgow gelehrt. Zuletzt war er an der Universität von Texas in Austin angestellt.

Der kahlrasierte Varoufakis treibt viel Sport und präsentierte sich schon in der Vergangenheit im Fernsehen oft breit grinsend. Er gilt als streitsüchtig und ist dafür bekannt, seine Gesprächspartner gern zu provozieren. Eine seiner bekanntesten Aussagen: "Wenn es in Griechenland kein Wirtschaftswachstum gibt, werden die Kreditgeber keinen Cent sehen."

Im Internet betreibt Varoufakis seit Jahren ein populäres englischsprachiges Blog. Als Finanzminister werde er in Zukunft weniger bloggen, ließ er seine Leser nun wissen. Aufhören will er damit aber nicht.

Dragasakis - das Gegenstück zu Varoufakis

Neben Varoufakis dürfte Giannis Dragasakis die Zukunft des Landes maßgeblich mitbestimmen. Als stellvertretender Regierungschef hat er die Aufsicht über den gesamten Bereich Finanzen und Wirtschaft und wird auch an den Verhandlungen mit den Geldgebern teilnehmen. Auch er gilt als scharfer Kritiker der Sparpolitik der vergangenen Monate.

Der 1947 auf Kreta geborene Ökonom ist dennoch das genaue Gegenstück zu dem draufgängerischen Varoufakis. In seinen eher seltenen Interviews und Fernsehauftritten gibt sich Dragasakis überlegt und höflich. Es wird erwartet, dass er sich in den Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern zunächst eher im Hintergrund halten wird. Seine politische Laufbahn startete der grauhaarige Wirtschaftsexperte vor rund 50 Jahren in der Kommunistischen Partei.

Eurogruppe will hart bleiben

Dragasakis bringt als einziger im neuen griechischen Kabinett Erfahrung als Regierungsmitglied mit. 1989 war er stellvertretender Wirtschaftsminister in einer überparteilichen Übergangsregierung des konservativen Ministerpräsidenten Xenophon Zolotas. Dragasakis engagierte sich über Jahre in verschiedenen Vorgängerbewegungen der heutigen Linkspartei Syriza.

Bereits am Freitag wird Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem in Athen erwartet, um erste Gespräche zu führen. Die Euro-Finanzminister hatten am Montag keine Bereitschaft zu einem Schuldenerlass erkennen lassen. Berlin signalisierte aber Offenheit für weitere Unterstützung nach dem im Februar auslaufenden Rettungsprogramm.

Tsipras' linksgerichtete Syriza bildet eine Regierungskoalition mit der rechtspopulistischen Partei Unabhängige Griechen (Anel). Deren Chef Kammenos, der im vorherigen Parlament im Verteidigungsausschuss saß, wird nun neuer Verteidigungsminister. Auch Kammenos hatte im Wahlkampf ein Ende der Sparpolitik zum beherrschenden Thema gemacht.

Quelle: n-tv.de

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