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Erdogan (m.) mit seinen Ministern.
Erdogan (m.) mit seinen Ministern.(Foto: Reuters)

Anschläge erschüttern Ankara: Türkei beschuldigt Linksextreme

Die Lage in der Türkei ist angespannt. Kurz bevor PKK-Chef Öcalan Frieden mit dem alten Erzfeind ausrufen will, explodieren Sprengsätze in der Hauptstadt. Schnell macht die Regierung daraufhin deutlich, dass es keinen Grund gibt, den historischen Schritt zu stoppen.

Die türkische Regierung macht die linksextreme Gruppe DHKP-C für zwei Anschläge in der türkischen Hauptstadt Ankara verantwortlich. Vizepremier Bülent Arinc sagte, eine Untersuchung sei eingeleitet worden. Unbekannte hatten am Vorabend zwei Handgranaten auf einen Anbau des Justizministeriums geworfen, während weitere Angreifer gleichzeitig eine Panzerfaust auf das Hauptquartier der regierenden AK-Partei von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan abfeuerten. Verletzt wurde niemand.

Die Panzerfaust traf das AKP-Gebäude nach Presseberichten im siebten Stockwerk, in dem Erdogans Büro liegt. Vizepremier Arinc sagte, die Beweise ließen auf eine Täterschaft der Revolutionären Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C) schließen. Ein Bekennerschreiben der linksextremen Gruppe, die für die Errichtung eines kommunistischen Systems in der Türkei kämpft, lag zunächst nicht vor. Regierungschef Erdogan sagte während eines Besuches in Dänemark, es gebe handfeste Beweise im Zusammenhang mit den Anschlägen.

Türkei in "wichtiger Phase"

Am 1. Februar hatte sich ein kurz zuvor aus Deutschland eingereister Aktivist der DHKP-C im Eingangsbereich der US-Botschaft in Ankara in die Luft gesprengt und einen Wachmann mit in den Tod gerissen. Vorangegangen war eine Verhaftungswelle der türkischen Polizei gegen mutmaßliche Mitglieder und Unterstützer der in der Türkei und auch in Deutschland verbotenen Gruppe.

Die Anschläge am Dienstag sorgten für besonderes Aufsehen, da sich zwischen der Türkei und der kurdischen Rebellengruppe PKK nach Jahren des Konflikts Frieden anbahnt. Als für Ankara noch nicht klar war, wer hinter den Angriffen steckt, sagte Vizepremier Arinc darum, das Land befinde sich in einer "wichtigen Phase", deshalb sei mit Sabotage-Akten zu rechnen.

PKK-Chef Abdullah Öcalan will am Donnerstag einen einseitigen Waffenstillstand aufrufen und so den Weg für ein Ende des jahrzehntelangen Konflikts ebnen, bei dem in der Türkei mehr als 40.000 Menschen getötet wurden. Es bestand der Verdacht, die Anschläge könnten ein Versuch sein, den historischen Schritt Öcalans zu verhindern.

Quelle: n-tv.de

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