Demo in BerlinTürken leugnen Völkermord
In Berlin haben mehr als 2.000 türkische Nationalisten dagegen demonstriert, dass der Völkermord an den Armeniern ein Völkermord war.
In Berlin haben mehr als 2.000 türkische Nationalisten dagegen demonstriert, dass der Völkermord an den Armeniern ein Völkermord war. Die Veranstalter bestreiten, dass es zwischen 1915 und 1923 im Osmanischen Reich einen Völkermord an den Armeniern gab.
Sie verlangen unter anderem die Rücknahme einer Bundestags-Resolution vom vergangenen Jahr. Das Parlament hatte damals die Türkei einstimmig zum offenen Dialog über die Massaker an den Armeniern aufgefordert. Die Resolution führte seinerzeit zu Verstimmungen zwischen Deutschland und der Türkei.
Bei den Massakern an den Armeniern waren nach unabhängiger Schätzung zwischen einer und 1,5 Millionen Menschen ums Leben gekommen.
Erst am Freitag hatte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg die ursprünglich von der Polizei verbotene Demonstration unter strengen Auflagen zugelassen. So durfe weder auf Transparenten noch in Ansprachen der Genozid an den Armeniern als Lüge bezeichnet werden. Polizeibeamte ließen sich Plakate und Transparente zeigen.
Auch die Türkei bestreitet, dass es einen Völkermord an den Armeniern gab. Sie räumt lediglich ein, dass tausende Armenier von Soldaten des Osmanischen Reiches getötet wurden. Dabei macht sie geltend, dass Armenier und ihre russischen Verbündeten auch Massaker an Türken und Kurden verübt hätten.
Immer wieder kommt es in der Türkei zu Prozessen gegen Personen, die die offizielle Darstellung der türkischen Regierung bestreiten. Internationales Aufsehen erregte ein Verfahren gegen den Schriftsteller Orhan Pamuk, das im Januar schließlich eingestellt wurde. Pamuk war wegen angeblicher "Herabwürdigung des Türkentums" angeklagt. Er hatte in einem Interview die von der Türkei bestrittenen Massaker an den Armeniern im Ersten Weltkrieg thematisiert und dabei von "einer Million ermordeter Armenier" gesprochen. Ein ähnliches Verfahren läuft derzeit gegen fünf Journalisten.