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Ein Kämpfer der Separatisten bei Gefechten um den Donezker Flughafen.
Ein Kämpfer der Separatisten bei Gefechten um den Donezker Flughafen.(Foto: AP)

Ukraine und Zweiter Weltkrieg: Tusk warnt vor Situation wie 1939

Vor genau 75 Jahren überfiel Deutschland Polen und löste den verheerenden Zweiten Weltkrieg aus. Bei einer Gedenkveranstaltung zieht Polens Premier Tusk eine Parallele zur heutigen Situation in der Ukraine. Auch Intellektuelle sehen Gemeinsamkeiten.

Der polnische Regierungschef Donald Tusk hat auf einer Gedenkfeier zum deutschen Überfall auf Polen vor genau 75 Jahren eine Stärkung der Nato gefordert. "Wir Europäer müssen aus dem tragischen polnischen September und den Jahren des Zweiten Weltkriegs eine Lehre ziehen, die kein naiver Optimismus sein darf", sagte Tusk auf der Westerplatte bei Danzig (Gdansk). Dort hatte es im September 1939 die ersten Kämpfe des Zweiten Weltkriegs gegeben, bei denen Deutschland das Nachbarland überfiel.

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Jetzt sei keine Zeit für schöne Worte. "Wenn wir heute auf die Tragödie der Ukrainer blicken, auf den Krieg im Osten unseres Kontinents, dann wissen wir, dass der September 1939 sich nicht wiederholen darf", sagte Tusk weiter.

"Heute ist noch Zeit, denen Einhalt zu gebieten, für die Gewalt zum Arsenal ihres Handelns gehört", so der designierte EU-Ratspräsident. Das Schlagwort "nie wieder Krieg" dürfe kein Manifest der Schwachen sein. Ebenfalls auf der Westerplatte nehmen Bundespräsident Joachim Gauck und sein polnischer Amtskollege Bronislaw Komorowski an der Zentralen Gedenkfeier am 75. Jahrestag des Kriegsbeginns teil.

"Gestern Danzig, heute Donezk"

Polnische Intellektuelle und Künstler riefen in einem offenen Brief zu einem Kurswechsel der europäischen Russlandpolitik auf. In dem in der "Gazeta Wyborcza" veröffentlichten Aufruf "Gestern Danzig, heute Donezk" warnten unter anderem der ehemalige Außenminister Wladyslaw Bartoszewski, der Regisseur Andrzej Wajda und die Schriftsteller Andrzej Stasiuk und Olga Tokarczuk vor Zugeständnissen an Russland.

Nach dem Versagen der Appeasement-Politik gegen Hitler sollte sich die egoistische Politik der Europäer nie wiederholen, hieß es in dem Schreiben. "Aber die gegenwärtige Lage in der Ukraine erinnert an 1939. Ein aggressives Russland hat die Krim besetzt, die Teil des Staatsgebiets des kleineren Nachbarn Ukraine ist. Militär und Spezialtruppen von Präsident Putin sind im Osten des Landes im Einsatz."

Die Ukraine benötige humanitäre und wirtschaftliche Hilfe, nicht symbolische Unterstützung. "Wir wissen eines: Wer heute Politik nach dem Motto 'business as usual' betreibt, riskiert den Tod Tausender Ukrainer und Russen, weitere Hunderttausende Flüchtlinge und den Angriff von Putins Imperialismus auf das nächste Land."

Derweil kommen vor dem Hintergrund erbitterter Kämpfe in der Ostukraine in der weißrussischen Hauptstadt Minsk die Mitglieder der Ukraine-Kontaktgruppe zusammen. Knapp zwei Wochen nach dem letzten Gespräch der Vertreter Moskaus und Kiews und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) soll dieses Mal auch ein Angehöriger der Führung der Separatisten zu den Verhandlungen stoßen.

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Quelle: n-tv.de

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