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Das syrische Regime greift derzeit nicht nur Rebellenstellungen in Aleppo an (Bild), sondern geht laut einem UN-Bericht auch brutal gegen Teile der Zivilbevölkerung vor.
Das syrische Regime greift derzeit nicht nur Rebellenstellungen in Aleppo an (Bild), sondern geht laut einem UN-Bericht auch brutal gegen Teile der Zivilbevölkerung vor.(Foto: REUTERS)

Selbst Kinder werden hingerichtet: UN prangert Gräuel an Häftlingen in Syrien an

Insassen, darunter Kinder, werden gefoltert, totgeprügelt oder hingerichtet. Andere sterben wegen der unmenschlichen Bedingungen in den syrischen Gefängnissen. Ein UN-Bericht wird dem Regime die "Vernichtung" von Teilen der Bevölkerung vor.

Ermittler der Vereinten Nationen haben die syrische Regierung für die Tötung zahlloser Insassen in den Gefängnissen des Landes verantwortlich gemacht. Seit Beginn des Syrien-Konflikts vor fast fünf Jahren habe es in den Gefängnissen "Todesfälle in einem massiven Ausmaß" gegeben, erklärte die UN-Ermittlungskommission für Syrien in Genf. Mit der "Vernichtung" von Teilen der Bevölkerung begehe die Regierung in Damaskus Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

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Den Erkenntnissen der UN-Ermittler zufolge werden in den Gefängnissen der syrischen Behörden Männer, Frauen und sogar Kinder hingerichtet, zu Tode gefoltert oder unter so erbärmlichen Bedingungen festgehalten, dass sie daran zugrunde gehen. Es sei klar, dass die Regierungsbehörden darüber informiert seien, was sich in den Haftanstalten abspiele und dass es dort zahllose Todesfälle gebe, befanden die Experten. Ziel der staatlichen Politik sei es, "die Zivilbevölkerung anzugreifen".

Der Bericht (hier als PDF) basiert auf 621 Befragungen von Betroffenen. Mehr als 200 der befragten früheren Häftlinge waren selbst Zeugen des Todes von Mitgefangenen. Nahezu alle Überlebenden seien während ihrer Haft Opfer "unvorstellbarer Misshandlungen" geworden, sagte Kommissionschef Paulo Pinheiro.

Wasser nur in der Toilette

Die Überlebenden berichteten, wie Zellengenossen in der Zelle oder beim Verhör totgeprügelt wurden, an Folterwunden oder wegen nicht behandelter Erkrankungen starben. Andere Häftlinge starben laut Bericht an den Folgen "unmenschlicher Lebensbedingungen" in völlig überfüllten und unhygienischen Zellen mit nicht ausreichender Versorgung mit Essen und Wasser. Viele Überlebende berichteten, sie hätten aus der Toilette trinken müssen, um überhaupt Wasser zu bekommen.

Neben der Tötung von Häftlingen sei die syrische Regierung auch für weitere Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich, darunter Mord, Vergewaltigung, Folter und Verschleppungen, erklärten die UN-Ermittler. Seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs im März 2011 wurden rund 260.000 Menschen getötet. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist auf der Flucht.

Quelle: n-tv.de

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