Politik

Zweifel am Sinn des Afghanistan-Kriegs: US-Diplomat tritt zurück

Aus Protest gegen den Einsatz der USA in Afghanistan legt ein in dem Land eingesetzter ranghoher US-Diplomat seinen Posten nieder. Derweil nehmen die gezielten Attacken der Taliban auf US-Soldaten zu.

"Ich hege Zweifel und habe Vorbehalte gegen unsere gegenwärtige und für die Zukunft geplante Strategie", schreibt Matthew Hoh.
"Ich hege Zweifel und habe Vorbehalte gegen unsere gegenwärtige und für die Zukunft geplante Strategie", schreibt Matthew Hoh.(Foto: REUTERS)

Der 36-jährige Matthew Hoh sei der erste US-Diplomat, dessen Rücktritt wegen des bereits seit acht Jahren währenden Afghanistan-Kriegs bekannt werde, berichtete die "Washington Post". Er war demnach der höchste Vertreter des US-Außenministeriums in der afghanischen Provinz Sabul im Südosten des Landes. In einem Brief an seine Vorgesetzten in Washington schrieb Hoh demnach Mitte September, er habe "das Verständnis über und das Vertrauen in die strategischen Ziele der Präsenz der USA in Afghanistan verloren".

"Zweifel und Vorbehalte"

"Der Grund für meinen Rücktritt liegt aber nicht in der Art, wie wir diesen Krieg führen, sondern in der Frage, warum und mit welchem Ziel wir ihn führen."
"Der Grund für meinen Rücktritt liegt aber nicht in der Art, wie wir diesen Krieg führen, sondern in der Frage, warum und mit welchem Ziel wir ihn führen."(Foto: AP)

"Ich hege Zweifel und habe Vorbehalte gegen unsere gegenwärtige und für die Zukunft geplante Strategie", zitierte die Zeitung aus dem Brief des Diplomaten und ehemaligen Marineinfanteristen. "Der Grund für meinen Rücktritt liegt aber nicht in der Art, wie wir diesen Krieg führen, sondern in der Frage, warum und mit welchem Ziel wir ihn führen." Der "Washington Post" zufolge sorgte das Rücktrittsgesuch bis ins Weiße Haus für Aufregung. Einen Wechsel auf einen Posten in der US-Botschaft in Kabul habe Hoh abgelehnt und sei dann nach Washington zu einem Gespräch mit dem US-Sonderbeauftragten für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, gereist.

"Wir haben diesen Brief sehr ernst genommen, weil er ein guter Diplomat war", sagte Holbrooke der Zeitung. Es sei ihm zunächst gelungen, Hoh zum Bleiben zu überreden. Dann habe der Diplomat aber seine Meinung geändert, sein Rücktritt wurde vergangenen Mittwoch gültig. Es wäre "nicht das Richtige" gewesen, zu bleiben, sagte Hoh der "Washington Post". Hoh hatte zuvor als Soldat für das US-Verteidigungsministerium und als Zivilist im Irak gearbeitet.

Afghanen lehnen US-Präsenz ab

"Ich bin nicht irgendein pazifistischer, Haschisch-rauchender Hippie, der will, dass alle sich lieben. Ich will, dass die Menschen in Iowa, Arkansas oder Arizona ihre Kongressabgeordneten anrufen und sagen: 'Hör' mal, ich finde, das ist nicht richtig.'"
"Ich bin nicht irgendein pazifistischer, Haschisch-rauchender Hippie, der will, dass alle sich lieben. Ich will, dass die Menschen in Iowa, Arkansas oder Arizona ihre Kongressabgeordneten anrufen und sagen: 'Hör' mal, ich finde, das ist nicht richtig.'"(Foto: REUTERS)

In dem Brief beklagte Hoh, viele Afghanen würden die Waffen gegen die US-Soldaten vor allem wegen deren Präsenz in Afghanistan richten, und weil Washington eine Regierung unterstütze, die allgemein als korrupt angesehen werde. Zwar habe die USA eine Verantwortung, dass es in Afghanistan zu keinem "Blutbad" komme. Irgendwann müsse das Land aber sich selbst überlassen werden.

In der "Washington Post" kündigte Hoh an, sich öffentlich gegen den Einsatz aussprechen zu wollen: "Ich bin nicht irgendein pazifistischer, Haschisch-rauchender Hippie, der will, dass alle sich lieben. Ich will, dass die Menschen in Iowa, Arkansas oder Arizona ihre Kongressabgeordneten anrufen und sagen: 'Hör' mal, ich finde, das ist nicht richtig.'"

Mehr Anschläge auf US-Soldaten

Unterdessen nehmen die Taliban in Afghanistan offenbar verstärkt US-Soldaten ins Visier. Nach Regierungsangaben aus Washington sind im Oktober so viele amerikanische Soldaten getötet worden wie in keinem anderen Monat seit Beginn des Afghanistankriegs vor acht Jahren.

Im Süden Afghanistans wurden acht US-Soldaten bei Bombenanschlägen getötet. Gestern waren bei zwei Hubschrauberunglücken elf US-Soldaten ums Leben gekommen. Damit stieg die Zahl der getöteten US-Soldaten in Afghanistan nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums im Oktober auf bislang 53. Im August waren 51 US-Soldaten am Hindukusch gestorben, was der bisherige Höchststand war.

US-Präsident Barack Obama will in nächster Zeit über eine Truppenaufstockung in Afghanistan entscheiden, sich dabei nach eigenen Angaben aber nicht drängen lassen. Allerdings gerät Obama in der Frage der Truppenaufstockung zunehmend unter Druck. Sein Befehlshaber in Afghanistan, General Stanley McChrystal, fordert eine Verstärkung der 65.000 US-Soldaten um mindestens 40.000 weitere Soldaten.

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Quelle: n-tv.de

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