Politik

Auch deutsche Standorte sollen neu ausgerüstet werden: US-Regierung will Atomwaffen modernisieren

Mit enormem finanziellem Aufwand erneuern die USA ihre Atomwaffen, auch in Deutschland. Die hierzulande gelagerten Waffen werden offenbar ab 2019 zu präzisen Lenkwaffen umgerüstet. Experten kritisieren das Vorhaben - sie sehen darin eine Gefahr.

Bild eines Tests mit B61-Bomben in den USA.
Bild eines Tests mit B61-Bomben in den USA.(Foto: REUTERS)

Die USA erwägen einem Medienbericht zufolge die Stationierung neuartiger Atomwaffen in Deutschland. In einem Bericht der Nationalen Nuklearen Sicherheitsbehörde an den US-Kongress behalte sich die Behörde vor, Waffen mit neuen Fähigkeiten zu bauen, wenn die Sicherheit und Zuverlässigkeit der Sprengköpfe erhöht werden könne. Das berichtet das Magazin "Der Spiegel". Dies dürfte dazu führen, dass die in der Bundesrepublik gelagerten freifallenden Atombomben des Typs B61 zu präzisen Lenkwaffen umgerüstet würden, heißt es weiter. Ab dem Jahr 2019 sollen die neuen B61-12-Bomben hergestellt werden.

Die USA modernisieren derzeit mit Milliardenaufwand ihre Atomwaffen. Die Bundesregierung hatte jedoch bislang stets mitgeteilt, bei der Modernisierung gehe es nicht darum, neue Waffen oder neue militärische Fähigkeiten zu schaffen. Dies entspreche den Vorgaben von US-Präsident Barack Obama. Dem "Spiegel" zufolge plant die US-Regierung einen finanziellen Aufwand von 60 Milliarden Euro innerhalb der nächsten 25 Jahre für die Modernisierung. Forscher, die das Vorhaben kritisierten, sprechen von einer weitaus höheren Summe. In dem Bericht heißt es weiter, die Experten kritisierten vor allem die Modernisierung der B61-Fliegerbomben, wie sie auch in Deutschland stationiert sind. Sie seien militärisch nutzlos und könnten von Russland als Bedrohung eingestuft werden.

Die USA stationieren seit den fünfziger Jahren Atomwaffen in der Bundesrepublik; am Standort Büchel in der Eifel lagern nach unbestätigten Schätzungen bis zu 20 Bomben. Die scheidende schwarz-gelbe Bundesregierung hatte 2009 in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, sich für den Abzug der letzten Atomwaffen aus Deutschland einzusetzen.

Die Grünen werteten die US-Modernisierungspläne als Rückschlag für die Bundesregierung. Der anvisierte Abzug aller Atomwaffen drohe "zu einem leeren Versprechen zu werden", kritisierte die Grünen-Verteidigungsexpertin Agnieszka Brugger. Es sei "peinlich", dass die Bundesregierung offenbar nichts von den US-Plänen wisse. "Union und SPD müssen in den Koalitionsverhandlungen zu ihren bisherigen Ankündigungen stehen und sich mit Nachdruck für ein atomwaffenfreies Deutschland einsetzen", forderte die Abgeordnete.

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Quelle: n-tv.de

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