Politik
Wer sind die republikanischen Wähler der Zukunft?
Wer sind die republikanischen Wähler der Zukunft?(Foto: AP)

Obamas bunte Brandmauer hält: Republikaner haben ein Wähler-Problem

Von Sebastian Schöbel

Frauen, ethnische Minderheiten und junge Wähler: Barack Obama hat seine Wiederwahl auch einer starken Stammwählerschaft zu verdanken. Die wächst im Gleichschritt mit dem demografischen Wandel der USA. Das stellt die Republikaner vor eine große Herausforderung. Denn ihre Basis schrumpft - und Mehrheiten rücken sehr bald in weite Ferne.

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Sechs Milliarden Dollar hat der US-Wahlkampf gekostet. Mindestens. Verändert hat sich die politische Landschaft in den USA nach fast zweijährigem Dauerfeuer aus Werbespots, automatischen Telefonanrufen und Wahlkampf allerdings kaum: Die Demokraten verteidigen das Weiße Haus und den Senat, die Republikaner halten das Abgeordnetenhaus. So wenig Neues für so viel Geld gilt in anderen Branchen schon mal als Betrug - doch in diesem Fall trügt der Schein: Die Wahl 2012 hat den Weg bereitet für eine dramatische Verschiebung in der politischen Landschaft der USA.

Zumindest für die republikanische Partei. Denn die "Grand Old Party", wie sie auch genannt wird, sieht sich nach Barack Obamas Sieg einem dem größten Richtungswechsel ihrer jüngeren Geschichte gegenüber. Erneut sind sie im Kampf um das höchste Amt im Land gescheitert, und es sieht so aus, als sei ihr Wählerpotenzial schlicht erschöpft. Ihr bisheriges Fundament aus weißen, zumeist männlichen Konservativen wird immer kleiner. Ändern die Republikaner nicht bald den Kurs, droht der Partei von Bürgerkriegsikone Abraham Lincoln, Weltkriegsheld Dwight D. Eisenhower und Kommunikationsgenie Ronald Reagan der Abstieg in die politische Bedeutungslosigkeit.

Die Macht der Minderheit

Mit deutlichem Abstand gewann Obama in diesem Jahr erneut die Mehrheit bei Afro-Amerikanern, Latinos und Asiaten. Fast geschlossen, mit 93 Prozent, stand die schwarze Gemeinde hinter dem ersten schwarzen Präsidenten der USA, ähnlich wie schon vor vier Jahren. Sie bilden inzwischen einen festen Block, auf den sich die Demokraten in den meisten Wahlen verlassen können.

Romney erzielte schlechte Werte bei den Frauen.
Romney erzielte schlechte Werte bei den Frauen.(Foto: REUTERS)

Noch wichtiger aber waren 2012 die Latinos. Sie gewann Obama mit einem gewaltigen Abstand vor Romney; sieben von zehn Latinos stimmten für den Präsidenten. Und das tat Romney vor allem in zwei kritischen "Swing States" weh: Florida und Colorado. "Das ist mit Sicherheit eine Lücke, der wir mehr Aufmerksamkeit schenken müssen", sagte ein republikanischer Wahlkampfmanager nach der Wahl der "New York Times".

Doch wie? Sicher nicht mit dem Vorschlag, illegal eingewanderte Latinos könnten sich doch "selbst deportieren", wie Romney während des Vorwahlkampfes ins Gespräch brachte (und später behutsam abzumildern versuchte). Gleiches gilt für das aggressive Gerede von stärkeren Grenzanlagen im Süden, das rechte Gruppen immer wieder gerne anstimmen, angefeuert von kontroversen Populisten wie Sheriff Joe Arpaio aus Arizona.

Latinos fordern Aufmerksamkeit

Auch die Ablehnung von Obamas "Dream Act", mit dem qualifizierten Einwanderern der Weg zur Staatsbürgerschaft geebnet werden soll, hat die Konservativen bei der am schnellsten wachsenden Minderheit des Landes nicht gerade beliebter gemacht. Laut der aktuellen Volkszählung waren Latinos zwischen 2010 und 2011 für gut die Hälfte des Bevölkerungswachstums verantwortlich. 52 Millionen von ihnen leben bereits in den USA. Keine Partei mit Regierungsambitionen kann es sich leisten, diese Gruppe zu verprellen. Die Republikaner "müssen ihre Beziehung zu unserer Gemeinschaft reparieren", erklärte kürzlich eine Sprecherin der Dienstleistergesellschaft SEIU. "Sonst können sie sich von uns verabschieden."

Die Latinos sind wohl jetzt schon eine entscheidende Gruppe.
Die Latinos sind wohl jetzt schon eine entscheidende Gruppe.(Foto: REUTERS)

Ein Verlust der Latino-Wähler wäre vielleicht noch zu verschmerzen, wenn die Republikaner nicht auch noch ein Frauenproblem hätten. Auch die wählten, wie schon 2008, mehrheitlich demokratisch. 55 Prozent von ihnen stimmten für Obama, nur 44 Prozent für Romney.

"Legale Vergewaltigung"

Grund dürften nicht nur frauenfeindliche Aussagen einzelner Kandidaten während des Wahlkampfes gewesen sein. So wie zum Beispiel von Todd Akin, der Frauen die Fähigkeit andichten wollte, eine Schwangerschaft durch Vergewaltigung biologisch abwehren zu können (und sein Senatsrennen verlor). Auch der von einigen Republikanern mit religiösem Eifer betriebene Kampf gegen Abtreibung schreckt immer mehr weibliche Wähler ab. Ein Sturm der Entrüstung brach zum Beispiel los, als Konservative kürzlich in einigen Bundesstaaten medizinisch unnötige Ultraschalluntersuchungen für Schwangere durchzusetzen versuchten, um sie von einer Abtreibung abzuhalten.

Frauen und Minderheiten, das sind die größten Problemgruppen für die Republikaner. Diese Probleme nicht zu lösen, könnte ihnen in den kommenden Jahren den Weg zur Macht versperren.

Identitätssuche bis 2016

Und genau das stellt die Partei vor eine große Zerreißprobe. Noch hat nämlich der ultra-konservative Flügel ein gewichtiges Wort mitzureden, wie Kandidat Romney während des Vorwahlkampfes am eigenen Leib zu spüren bekam. Der früher moderate Romney musste deutlich nach rechts rücken, um die Kernwählerschaft der Republikaner anzusprechen und gegen Eiferer wie Rick Santorum bestehen zu können. Damit wiederum lieferte er den Demokraten genug Material, um ihn als Lakaien einer extremistischen Minderheit darzustellen - und ihm die Jagd auf Stimmen von Latinos und Frauen zu erschweren.

Bis 2016 werden die Republikaner wohl nicht um eine gehörige Portion Selbstreflexion herumkommen. Die erste Hürde ist dabei nicht unbedingt die drohende Auseinandersetzung wegen des Staatsdefizits Ende des Jahres. Es ist vielmehr das Thema Einwanderungsreform. Obama hatte sie bereits für seine erste Amtszeit angekündigt, nun könnte er sie noch vor den nächsten Kongresswahlen in zwei Jahren in Angriff nehmen. Dann wird sich zeigen, wie viel Wert die Republikaner auf ihre politische Zukunft legen.

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Quelle: n-tv.de