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Stammeskrieger in Ramadi: Zusammen mit den irakischen Truppen wollen sie die ISIS zurückdrängen.
Stammeskrieger in Ramadi: Zusammen mit den irakischen Truppen wollen sie die ISIS zurückdrängen.(Foto: REUTERS)
Sonntag, 05. Januar 2014

Al-Kaida-Ableger erobert Falludscha: USA besorgt über Erfolge der Islamisten

Im Westirak gewinnen sunnitische Aufständische an Boden. Falludscha sollen sie bereits eingenommen haben. Die USA wollen nun Stammeskrieger unterstützen, die die Islamisten vertreiben sollen. Selbst eingreifen will Washington nicht.

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Die USA sind besorgt über die Entwicklung in der westirakischen Provinz Al-Anbar. Die "Barbarei" der Kämpfer der Al-Kaida-nahen Organisation Islamischer Staat im Irak und in Syrien (ISIS) gegen Zivilisten sei für alle sichtbar, teilte eine Sprecherin des Außenministeriums in Washington am Samstag (Ortszeit) mit.

Zugleich zeigte sich das US-Außenamt beunruhigt über die Versuche der ISIS, "ihre Herrschaft in Syrien wie im Irak durchzusetzen". Man arbeite mit der Regierung in Bagdad zusammen, um eine offen angekündigte Revolte irakischer Stammesführer gegen ISIS "mit allen möglichen Mitteln" zu unterstützen. Iraks Ministerpräsident Nuri al-Maliki kündigte am Samstag an, "alle Terrorgruppen" würden besiegt werden.

US-Außenminister John Kerry zeigte sich "sehr, sehr besorgt" über die ISIS. Es sei jedoch Sache der Iraker selbst, die Islamisten zurückzuschlagen: "Wir erwägen nicht, wieder einen Stiefel auf den Boden zu setzen, das ist ihr Kampf."

Die westirakische Stadt Falludscha wird mittlerweile offensichtlich von der ISIS kontrolliert. "Alles ist ausgestorben wie in einer Geisterstadt", sagte ein Bewohner des Ortes 70 Kilometer westlich von Bagdad am Samstag. Zahlreiche Bewohner flohen aus Angst vor einer erwarteten Schlacht zwischen den ISIS und Sicherheitskräften aus Falludscha. Die Straßen waren mit Patronenhülsen übersät. Die Stromversorgung war vollständig zusammengebrochen, Treibstoff für Generatoren gab es nicht. Nahezu alle Geschäfte waren geschlossen.

Kämpfe in Ramadi dauern an

In der Provinzhauptstadt Ramadi lieferten sich derweil Stammeskämpfer und lokale Polizeikräfte einen Kampf mit islamistischen Terroristen. Der Stammesführer Ahmed Abu Rischa sagte dem Fernsehsender Al-Arabija, man habe die ISIS "zu 90 Prozent" aus der Stadt vertrieben. Die Gefechte dauerten allerdings noch an. Regierungstruppen hatten bei Kämpfen in Ramadi am Freitag den lokalen ISIS-Kommandeur Abu Abdelrahman al-Bagdadi getötet.

Am Freitag waren bei Gefechten in der Provinz mehr als hundert Menschen getötet worden, darunter 62 Aufständische. Es war damit der verlustreichste Tag seit Jahren. Am Samstag wurden nach Angaben von Sicherheitskräften 65 Menschen getötet, darunter 55 ISIS-Kämpfer. Die Al-Kaida-Extremisten waren in der vergangenen Woche in mehrere Städte der westlichen Wüstenprovinz einmarschiert, nachdem sich die Armee zurückgezogen hatte.

Die westlich der Hauptstadt Bagdad gelegene Provinz Al-Anbar ist mehrheitlich sunnitisch bevölkert, während die Regierung in Bagdad und ihre Sicherheitskräfte schiitisch dominiert sind. Die Sunniten der Provinz fühlen sich von der Regierung diskriminiert. Zu Wochenbeginn hatten die Regierungstruppen Protestcamps unzufriedener Bürger in Ramadi und Falludscha gewaltsam aufgelöst. Das chaotische Vorgehen der Einheiten aus Bagdad hatte es der ISIS ermöglicht, in die Städte einzudringen.

Quelle: n-tv.de

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