Politik
Recep Tayyip Erdogan zu Besuch im Weißen Haus am 16.Mai 2017.
Recep Tayyip Erdogan zu Besuch im Weißen Haus am 16.Mai 2017.(Foto: imago/ZUMA Press)
Montag, 09. Oktober 2017

Streit zwischen Nato-Partnern: USA und Türkei starten Visa-Blockade

Nach den USA verfügt die Türkei über die zweitgrößte Nato-Armee. Schon allein das wäre ein Grund, gute Beziehungen zu pflegen. Entgegen dieser Logik verfangen sich die Partner nun in einem Streit, der große Auswirkungen auf ihre Bevölkerungen haben dürfte.

Die US-Botschaft in der Türkei hat ihre Vergabe von Visa vorläufig gestoppt. Damit wird es türkischen Touristen und Geschäftsreisenden erheblich erschwert, in die Vereinigten Staaten zu reisen. Die Botschaft begründete den Schritt in einer veröffentlichten Erklärung damit, dass zunächst überprüft werden müsse, inwieweit die Regierung in Ankara sich der Sicherheit der US-Botschaft und ihres Personals verpflichtet fühle.

Hintergrund ist die Festnahme eines Botschaftsangestellten am 4. Oktober durch die türkischen Behörden. Der türkische Staatsbürger wird der Spionage verdächtigt und soll der Bewegung des in den USA lebenden Islam-Predigers Fetullah Gülen nahe stehen, dessen Bewegung die türkische Regierung für den Putschversuch im vergangenen Jahr verantwortlich macht. Die US-Regierung zeigte sich "tief besorgt" über die Festnahme und teilte mit, sie halte die Vorwürfe gegen ihren Mitarbeiter für "vollkommen unbegründet".

Auf die nun eingeleitete Visa-Blockade reagierte die Türkei umgehend, in dem sie eine nahezu wortgleiche Erklärung veröffentlichte und ihrerseits die Visavergabe an US-Bürger auf Eis legte. Der gegenseitige Stopp der Visavergabe belastet die ohnehin angespannten Beziehungen der beiden Nato-Staaten schwer. Außenminister Mevlut Cavusoglu sprach deswegen laut türkischen Medienberichten bereits am Samstag mit seinem US-Kollegen Rex Tillerson.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte Ende September den USA die Übergabe des seit Monaten inhaftierten amerikanischen Pastors Andrew Brunson im Austausch gegen Gülen in Aussicht gestellt. Auch US-Präsident Donald Trump hatte gefordert, Brunson freizulassen. Die Bundesregierung verlangt von der Türkei die Freilassung des "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel und anderer inhaftierter Deutscher, darunter der Menschenrechtler Peter Steudtner.

Quelle: n-tv.de

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