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Wird unterstützt und bekämpft: Das Tor-Projekt.
Wird unterstützt und bekämpft: Das Tor-Projekt.(Foto: Screenshot n-tv.de / torproject.org)

1,8 Millionen US-Dollar Förderung: USA unterstützen Tor-Projekt, NSA hackt es

In Zahlen des Tor-Projekts kommt die Paradoxie der US-Überwachungsaktivitäten ans Licht. Zwei US-Ministerien finanzieren demnach über 50 Prozent des Dienstes, den die NSA als "stinkend" bezeichnet - weil Zielpersonen im Netz anonym bleiben.

Das Tor-Projekt hat ein Ziel, das US-Geheimdiensten nicht gefällt: Anonymisierung im Internet. Dafür hat die gemeinnützige Organisation im vergangenen Jahr 1,8 Millionen US-Dollar an Zuwendungen aus Geldtöpfen der Vereinigten Staaten erhalten. Das geht aus dem Jahresbericht des Tor-Projekts hervor. Demnach bezieht der Dienst mehr als die Hälfte seiner Einnahmen über Umwege von staatlichen Stellen in den USA.

830.000 Dollar kommen indirekt aus dem Verteidigungs- und 882.000 aus dem Außenministerium. Die Mittel aus dem Außenressort etwa bezieht Tor in Höhe von 555.000 Dollar über die Organisation Internews, die sich mit Pressefreiheit befasst. Durch die Finanzierung aus staatlichen Quellen sah sich das Projekt im vergangenen Jahr Verdächtigungen ausgesetzt, dass es Hintertüren für Schnüffelei der US-Geheimdienste einbauen könnte. Tor-Gründer Roger Dingledee dementierte dies mehrfach. Im Jahr 2012 kamen bei 1,7 Millionen Dollar sogar rund 60 Prozent der Einnahmen aus Washington.

"Tor stinkt"

Paradoxerweise finanzieren die USA also eines der populärsten Anonymisierungswerkzeuge im Netz - das die National Security Agency Berichten zufolge zugleich versucht, zu knacken. In Dokumenten des Whistleblowers Edward Snowden etwa ist eine NSA-Präsentation mit dem Titel "Tor stinkt" zu finden, worin der Geheimdienst zugibt, nie alle, sondern nur einen kleinen Teil der Tor-Nutzer identifizieren zu können. Zudem sei es bislang nicht gelungen, eine bestimmte Person zu erfassen, heißt es. Das Dokument stammt aus dem Juni 2012.

Tor leitet Nutzeranfragen und Datenpakete verschlüsselt über eine Vielzahl von Servern weiter, um so die Herkunft und das Ziel so wenig nachvollziehbar wie möglich zu machen. Verschiedene Bürgerrechtsorganisationen wie etwa die Electronic Frontier Foundation EFF empfehlen die Verwendung des Dienstes. Der Tor-Browser basiert auf Firefox und ist für Windows, Mac und Linux verfügbar.

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Quelle: n-tv.de

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