Politik
Barack Obama reagiert auf die angespannte Lage in Afghanistan.
Barack Obama reagiert auf die angespannte Lage in Afghanistan.(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 06. Juli 2016

"Prekäre Lage" am Hindukusch: USA verlangsamen Abzug aus Afghanistan

Eigentlich war es Barack Obamas Plan, ganz aus Afghanistan abzuziehen. Schon 2015 distanzierte er sich davon. Nun verlangsamt der US-Präsident den Abzug ein weiteres Mal. Zu schwierig sei die Sicherheitslage, sagt er.

Angesichts einer angespannten Sicherheitslage lassen die USA mehr Soldaten länger in Afghanistan als geplant. Anstatt die Truppenstärke auf 5500 abzusenken, sollen 2017 nun 8400 Soldaten im Land bleiben. Das sagte US-Präsident Barack Obama einen Tag vor seiner Abreise zum Nato-Gipfel in Warschau. Derzeit sind etwa 9800 US-Soldaten in dem asiatischen Land. "Die Sicherheitslage bleibt prekär", sagte Obama. Deswegen folge er dem Rat der militärischen Führung, die Truppenzahl auf einem höheren Niveau zu halten.

"Die afghanischen Kräfte sind nicht so stark wie sie sein müssten. Die Taliban bleiben bedrohlich, sie haben bei einigen Gelegenheiten Boden gut gemacht", sagte Obama. Er verwies auf fortgesetzte Attacken und Anschläge.Obama sagte, die jetzige Entscheidung sei auch eine Botschaft an die radikalen Islamisten. Die USA und die internationale Gemeinschaft blieben der afghanischen Regierung weiter verpflichtet.

Im Januar 2017 endet Obamas Amtszeit. Die jetzige Anpassung versetze seinen Nachfolger in die Lage, auf dieser Grundlage gut selber entscheiden zu können, sagte der Präsident.

Kein kleiner Schritt

Bereits im Oktober 2015 waren die USA von ihrer ursprünglichen Strategie für Afghanistan abgerückt: Sie stoppten den geplanten kompletten Abzug eigener Truppen. Bereits damals war als Grund eine prekäre Sicherheitslage angegeben worden. Die Amerikaner sind seit 2001 in Afghanistan. "Wir kämpfen in Afghanistan nicht mehr in einem großen Bodenkrieg", sagte Obama.

Für den Friedensnobelpreisträger Obama ist diese neuerliche Anpassung der Strategie kein kleiner Schritt. Er hatte früh angekündigt, alle Truppen aus Afghanistan und auch aus dem Irak zurückzuholen. Es war eines seiner wichtigsten Wahlversprechen. Die USA kostete der Einsatz bisher viele hundert Milliarden Dollar.

Quelle: n-tv.de

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