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Ein chemischer Sprengkopf, der 2004 von dänischen Soldaten in der Nähe von Basra gefunden wurde.
Ein chemischer Sprengkopf, der 2004 von dänischen Soldaten in der Nähe von Basra gefunden wurde.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

IS könnte Sarin erbeutet haben: USA vertuschten Chemiewaffenfunde im Irak

Um den Krieg im Irak zu rechtfertigen, haben die USA Chemiewaffen erfunden. Als sie dann im Irak Chemiewaffen fanden, hielten sie dies geheim. Jetzt könnten Restbestände der Kampfstoffe in die Hände der IS-Dschihadisten gefallen sein.

Nach dem Angriff gegen den Irak haben die USA in dem Land Chemiewaffen gefunden, dies jedoch geheim gehalten. Das berichtet die "New York Times" auf der Basis intensiver Recherchen. Der Zeitung zufolge waren mehrere US-Soldaten den Chemiewaffen ausgesetzt und erhielten wegen der Geheimhaltung nur unzureichende Behandlung.

In den Jahren nach der Invasion seien fast 5000 chemische Sprengköpfe, Granaten und Fliegerbomben gefunden worden. Bei mindestens sechs Vorfällen seien Soldaten von Stoffen wie Senfgas oder Sarin verletzt worden. Alle Waffen seien vor 1991 hergestellt worden; das Chemiewaffenprogramm des Irak bestand von 1979 bis 1991.

Die "New York Times" schreibt, sie habe 17 Soldaten und 7 irakische Polizisten gefunden, die den Kampfstoffen ausgesetzt waren. Vertreter der US-Regierung sagten der Zeitung, dass die tatsächliche Zahl etwas höher sei, jedoch der Geheimhaltung unterliege.

Die US-Regierung habe Informationen über die Chemiewaffen sogar vor betroffenen Soldaten und Militärärzten geheim gehalten. Dies habe dazu geführt, dass Opfer keine angemessene Behandlung und auch keine offizielle Anerkennung erhielten. "Ich fühlte mich mehr wie ein Meerschweinchen als wie ein verwundeter Soldat", sagte ein ehemaliger Sergeant, der 2007 Verbrennungen durch Senfgas erlitten hatte. Ihm wurde die Behandlung in einem Krankenhaus oder ein Transport zur Behandlung in die USA verweigert.

Die meisten Kampfstoffe wurden nordwestlich von Bagdad gefunden - in einer Region also, die seit Juni von der Terrormiliz Islamischer Staat kontrolliert wird. Die irakische Regierung teilte den Vereinten Nationen mit, dass etwa 2500 chemische Raketen im Chemiewaffen-Komplex al-Muthanna gewesen seien, als diese in die Hände der Dschihadisten gefallen sei.

Hinterlassenschaft des Westens

Noch 2010 entdeckten irakische Soldaten der "New York Times" zufolge Chemiewaffen, die offenbar von amerikanischen oder irakischen Truppen anderswo gefunden und nicht richtig gesichert worden waren. Die irakische Regierung habe geplant, al-Muthanna mit einem Betonpanzer zu sichern. Bevor diese Pläne ausgeführt worden seien, sei die Anlage von den Islamisten überrannt worden.

Die USA hatten ihren Krieg gegen den Irak unter anderem mit der Bedrohung durch irakische Chemiewaffen begründet. Im Februar 2003 führte der damalige US-Außenminister Colin Powell mit Hilfe einer Multimediashow vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen aus, wie umfangreich das irakische Arsenal an Massenvernichtungswaffen sei. Später kam heraus, dass der gesamte Vortrag eine Täuschung war. Powell entschuldigte sich 2005 dafür.

Die Lüge von 2003 war einer der Gründe, warum die USA die tatsächlich vorhandenen Chemiewaffen verheimlichten: Die gefundenen Waffen waren viel zu alt, um die Behauptungen der Regierung des damaligen Präsidenten George W. Bush untermauern zu können. Schlimmer noch: Zumindest ein Teil der Munition, an der US-Soldaten sich verletzt hatten, war offensichtlich in den USA entwickelt, in Europa hergestellt und im Irak in Anlagen abgefüllt worden, die westliche Firmen gebaut hatten. Zu dieser Zeit galt der irakische Machthaber Saddam Hussein im Westen noch nicht als skrupelloser Diktator, sondern als Partner. Dass er in den 1980er Jahren Chemiewaffen sowohl gegen den Iran als auch gegen die kurdische Zivilbevölkerung im Nordirak einsetzte, fand trotz tausender Toter international seinerzeit vergleichsweise geringe Beachtung.

Quelle: n-tv.de

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