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In Zentrum von Donezk kommt es vermehrt zu Häuserkämpfen.
In Zentrum von Donezk kommt es vermehrt zu Häuserkämpfen.(Foto: dpa)

Moskau fordert Beweise von USA: Ukrainische Armee kesselt Rebellen ein

Die ukrainischen Streitkräfte erzielen offenbar einen strategischen Vorteil über die prorussischen Rebellen. Diese seien faktisch in den beiden Städten Donezk und Lugansk eingeschlossen, berichtet die Armee.

In der Ostukraine hat die Armee die prorussischen Rebellen nach eigenen Angaben weitgehend in ihren beiden Hochburgen Donezk und Lugansk eingeschlossen. Positionen außerhalb der Städte - etwa in Dörfern und Vororten - seien von den Separatisten verlassen worden, teilte das Militär mit. Dadurch sei die Angriffsposition der eigenen Truppen gestärkt worden. Rund um die Städte sei faktisch ein Ring aus Panzerfahrzeugen zusammengezogen worden.

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Die Kämpfe im Süden und im Nordwesten von Donezk hätten die ganze Nacht über angehalten. Auch am Vormittag sei wieder Artilleriefeuer zu hören gewesen. Durch Schäden an Dutzenden von Umspannstationen sei in mindestens einem Stadtviertel der Millionenstadt der Strom ausgefallen.

Auch die wichtigste Wasserzuleitung wurde erneut beschädigt. Bereits am Mittwoch fiel bei der Stadt Gorlowka eine Pumpstation an einer gesprengten Brücke aus. "Die Wasservorräte für anderthalb Millionen Einwohner von Donezk und Makejewka reichen nur für wenige Tage", hieß es in einer Mitteilung der Gebietsverwaltung.

Weitere Informationen finden Sie im Liveticker.

Derweil hat Russland die Ukraine und USA zur Veröffentlichung ihrer Beweise aufgefordert. Es gebe bisher keinen einzigen Beleg für die behauptete Beteiligung der prorussischen Separatisten am Absturz der Boeing, kritisierte Vize-Verteidigungsminister Anatoli Antonow in Moskau. Beim Absturz der Boeing 777-200 im Separatistengebiet starben am Donnerstag vor einer Woche fast 300 Menschen. Es gebe zwar immer wieder eine Bezugnahme auf Erkenntnisse der US-Geheimdienste und auf Satellitenfotos, die einen Raketenstart von dem Konfliktgebiet aus belegen sollen, sagte Antonow. "Aber wo sind diese Beweise?

Tsunami-Experten helfen den Niederländern

An der Absturzstelle werden noch immer die Überreste Dutzender Vermisster vermutet.
An der Absturzstelle werden noch immer die Überreste Dutzender Vermisster vermutet.(Foto: imago/Hollandse Hoogte)

Malaysia und Neuseeland wollen die Niederlande bei der Identifizierung der Opfer von Flug MH17 unterstützen und entsenden gerichtsmedizinische Experten in das Land. Zudem werden DNA-Proben von Familien der Opfer in die Niederlande geschickt. Vor allem die neuseeländischen Experten haben Erfahrung bei der Opferidentifizierung nach dem Tsunami in Thailand 2004 und dem Erdbeben in Christchurch 2011 gesammelt.

Am Nachmittag werden weitere Absturzopfer in die Niederlande überführt. Transportflugzeuge sollen die Särge in Charkiw abholen und gegen 16.00 Uhr in Eindhoven landen. Bis Freitag sollen die übrigen bislang geborgenen Leichen folgen.

Rund 100 Leichen fehlen noch

Unklarheit herrscht jedoch noch immer darüber, wie viele Opfer aus dem Trümmerfeld geholt wurden. Die bislang geborgenen Leichen waren in einem Sonderzug aus dem Rebellengebiet nach Charkiw gebracht worden, das von der Kiewer Regierung kontrolliert wird. Laut der Sprecherin des US-Außenministeriums, Marie Harf, fehlen noch die Leichen von rund 100 Insassen.

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Der niederländische Sicherheitsrat forderte dringend sicheren Zugang für Spezialisten zu der Absturzstelle bei dem Ort Grabowo, der von Aufständischen kontrolliert wird. "Zur Zeit gibt es keine Garantie für die Sicherheit der Experten", hieß es. Eigentlich wollten Kiew wie auch die Separatisten im Umkreis der Absturzstelle die Waffen schweigen lassen.

Auch die Untersuchung der Flugschreiber in Großbritannien geht weiter. Erste Ergebnisse erwartet der niederländische Rat in einigen Wochen. An der Auswertung sind nach Angaben aus Moskau auch russische Spezialisten beteiligt. In der Ukraine überprüfte der Geheimdienst SBU den Funkverkehr zwischen Fluglotsen am Boden und den MH17-Piloten. Moskau warnte vor einer möglichen Verfälschung des Materials.

Rebellenchef weist Bericht zurück

Zudem wies ein Kommandeur der Separatisten einen Bericht zurück, nach dem die prorussischen Kräfte im Besitz des Flugabwehrsystems "Buk" gewesen seien. "Ich habe keine Kenntnis davon, dass die Aufständischen eine solche Waffe besitzen", sagte Alexander Chodakowski im Interview des russischen Staatsfernsehsenders Russia Today. Er bestätigte, dass er mit einem Journalisten eines westlichen Mediums zwar verschiedene Möglichkeiten für den Abschuss der malaysischen Passagiermaschine MH17 durchgesprochen habe. In dem Gespräch habe es allerdings einen "roten Faden" gegeben mit der Aussage, dass er den "Buk"-Einsatz nicht bezeugen könne, betonte Chodakowski.

Andere Separatistenführer teilten erneut mit, dass die prorussischen Kräfte kein solches Waffensystem genutzt hätten. Die Separatisten hatten sich aber bereits im Juni damit gebrüstet, ein ukrainisches "Buk"-System erbeutet zu haben. Allerdings erklärten sie nach dem Abschuss der Boeing 777-200 am vergangenen Donnerstag, dass die Anlage nicht funktionstüchtig gewesen sei.

Quelle: n-tv.de

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