Politik
August 2012: Die rechtspopulistische Gruppierung "Pro Deutschland" protestiert in Berlin in der Nähe der As-Sahaba-Moschee. Auf den Schildern sind durchgestrichene Moscheen zu sehen.
August 2012: Die rechtspopulistische Gruppierung "Pro Deutschland" protestiert in Berlin in der Nähe der As-Sahaba-Moschee. Auf den Schildern sind durchgestrichene Moscheen zu sehen.(Foto: dapd)

Mehrheit der Deutschen hält Islam für eine Bedrohung: Umfrage löst Besorgnis aus

Von einem "strukturellen islamfeindlichen Boden" spricht der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Mazyek. Er reagiert damit auf eine Bertelsmann-Studie, der zufolge 51 Prozent der Deutschen den Islam für eine Bedrohung halten. Aber die Befragung zeigt auch, dass viel religiöse Vielfalt als Bereicherung empfinden.

Die meisten Deutschen sehen ihr Leben durch die Vielfalt der Religionen bereichert. In einer Umfrage der Bertelsmann Stiftung sagten aber auch 51 Prozent, sie sähen im Islam eine Bedrohung. In Ostdeutschland, wo es kaum Muslime gibt, sind es sogar 57 Prozent, heißt es im "Religionsmonitor" der Stiftung.

Die Spitze des Minarett der Yavus Sultan Selim Moschee (l.) mit dem Halbmond und das Kreuz auf der Kirchturmspitze der Liebfrauenkirche in Mannheim.
Die Spitze des Minarett der Yavus Sultan Selim Moschee (l.) mit dem Halbmond und das Kreuz auf der Kirchturmspitze der Liebfrauenkirche in Mannheim.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, sieht die schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Es gebe in Deutschland "einen strukturellen islamfeindlichen Boden", sagte er. Seit Jahren werde nicht ausreichend zwischen Islam und Extremismus unterschieden, kritisierte er. "Das führt zu Beklommenheit, die wiederum zu Angst und Fremdheit gegenüber der Religion führt, in einer Gesellschaft, die längst - und das deutet ja auch die Umfrage an - multi-kulturell und interreligiös ausgerichtet ist."

Die Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, sieht in dem Votum vor allem Unkenntnis in Bezug auf den Islam: "Die Studie nährt den Eindruck, dass viele Menschen in Deutschland ein verzerrtes Bild vom Islam in unserem Land haben", sagte er der "Welt". Vielfach würden Muslime in Deutschland mit "Phänomenen des muslimischen Extremismus aus anderen Weltgegenden oder mit der kleinen Minderheit der Salafisten und ihrer Sympathisanten" identifiziert. Dagegen helfe nur beharrliche Überzeugungsarbeit, sagte Schneider.

Der frühere Bundespräsident Christian Wulff hatte 2010 mit seiner Äußerung, der Islam gehöre zu Deutschland, eine heftige Debatte ausgelöst. Die Studie zeigt nun: Die Hälfte der Bundesbürger lehnt die Aussage ab, dass der Islam in die westliche Welt passe. Das Judentum halten 19 Prozent der fast 2000 Befragten in Deutschland für eine Bedrohung. In die repräsentative Studie zur gesellschaftlichen Bedeutung von Religion und Werten flossen die Antworten von 14.000 Menschen in Deutschland sowie in zwölf anderen Ländern auf 100 Fragen ein.

Mehrheit sieht in Vielfalt Ursache für Konflikte

85 Prozent der Befragten bejahten, dass man allen Religionen gegenüber offen sein sollte. Und 60 Prozent empfinden die wachsende religiöse Vielfalt als eine Bereicherung. Allerdings erkennen fast zwei Drittel (64 Prozent) in der Vielfalt auch eine Ursache für Konflikte.

Liz Mohn, die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, betonte: "Religion ist ein wesentlicher Faktor für das Denken und Handeln der Menschen, denn sie gibt Orientierung und Sinn." Man solle aber nicht vergessen, dass unterschiedliche Religionen, wenn sie aufeinanderstoßen, auch Konfliktpotenzial besitzen.

Eine negative Einstellung zu Islam oder Christentum ist - wenig überraschend - stark abhängig von der Region. So fühlen sich die Menschen auch in Spanien (60 Prozent), den USA (42 Prozent), der Schweiz (50 Prozent) und Israel (76 Prozent) vom Islam bedroht; deutlich weniger stark dagegen die in Südkorea (16 Prozent) oder Indien (30 Prozent). Auf der anderen Seite nehmen 32 Prozent der Befragten in der Türkei und 27 Prozent der Israelis das Christentum als Bedrohung wahr.

Über die Konfessionen hinweg belegt die Befragung eine große Zustimmung zur Demokratie und zur Trennung von Religion und Politik. In Deutschland halten 88 Prozent der Christen, 79 Prozent der Muslime und 80 Prozent der Konfessionslosen die demokratische Regierungsform für gut. Dass Homosexuelle die Möglichkeit haben sollten, zu heiraten, finden 70 Prozent der Katholiken gut. Unter den Muslimen ist die Zustimmung mit 48 Prozent deutlich geringer.

Quelle: n-tv.de

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