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Polizisten vor dem Bataclan
Polizisten vor dem Bataclan(Foto: picture alliance / dpa)

Bataclan-Mörder namentlich bekannt?: Vater und Bruder von Attentäter verhaftet

In der Nacht nach der Pariser Terrorserie mit insgesamt 129 Toten arbeiten die Behörden auf Hochtouren: Im Verwandtenkreis des französischen Attentäters gibt es Festnahmen, zudem verdichten sich die Hinweise darauf, dass mindestens zwei der Terroristen über Griechenland einreisten.

Die Ermittler decken immer weitere Details über die Identität der Attentäter der Pariser Terrorserie auf. Der Vater und der Bruder eines der Selbstmordattentäter seien in Polizeigewahrsam genommen worden, schreibt die französische Zeitung "Le Figaro", "Le Monde" liefert sogar den Namen des mutmaßlichen Massenmörders: Ismael Omar Mostefai. Indes verdichten sich die Hinweis darauf, dass zwei der mutmaßlichen Angreifer über Griechenland in die Europäische Union eingereist sein könnten. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters aus Insiderkreisen. Die Ermittlungen laufen.

Mostefai bereits früher straffällig

Derweil versuchen die Pariser, die gesamte Tragweite der Terrorserie zu erfassen. Die Zahl der Todesopfer ist auf 129 gestiegen, alleine 89 davon wurden in der Konzerthalle Bataclan ermordet. Wie der Pariser Staatsanwalt François Molins am Abend mitteilte, gibt es 352 Verletzte, davon seien 99 akute Notfälle.

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Molins berichtete zudem, dass lediglich sieben Angreifer ums Leben gekommen seien und nicht wie bisher angenommen acht. Einer der Angreifer ist anhand seiner Fingerabdrücke identifiziert worden: Es handelt sich Medienberichten zufolge um den 1985 im Süden von Paris geborenen Ismael Omar Mostefai, der in den vergangenen Jahren acht Mal wegen gewöhnlicher Straftaten verurteilt worden und den Behörden wegen seiner Radikalisierung aufgefallen sei. Einem Reuters-Bericht zufolge stammte er aus dem Pariser Vorort Courcouronnes im Süden der französischen Hauptstadt.

Nicht weit entfernt nahmen die Behörden am späten Samstagabend Mostefais Vater und Bruder fest. Außerdem wurden die Wohnungen der beiden Männer durchsucht, wie aus Ermittlerkreisen verlautete. Bei dem Vorgehen der Sicherheitskräfte in den Gemeinden Bondoufle nahe Paris und Romilly-sur-Seine in der Champagne waren auch Spezialeinheiten der französischen Polizei im Einsatz. Im familiären Umfeld des von den französischen Behörden identifizierten Attentäters wurden zudem weitere Menschen festgenommen.

Syrischer und ägyptischer Pass gefunden

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Nahe der Leiche eines anderen Selbstmordattentäters sei ein syrischer Pass gefunden worden, sagte Staatsanwalt Molins. Der Besitzer, ein 1990 in Syrien geborener Mann, sei den französischen Behörden nicht bekannt. Das griechische Ministerium für Bürgerschutz teilte mit, der Inhaber des Passes sei "am 3. Oktober nach den Regelungen der EU auf der Insel Leros als Flüchtling registriert worden". Durch welche Länder die Person durch Europa weitergereist ist, wisse Athen nicht.

Ein weiterer Pass in der Nähe der Anschlagsorte rund um das Stadion weist angeblich einen ägyptischen Staatsbürger aus. Ob die Inhaber der Pässe allerdings zu den Opfern oder Tätern gehören, ist damit nicht schlussendlich geklärt. Auch bei den Mordanschlägen auf Charlie Hebdo im Januar war bei einem der Attentäter ein auffällig offensichtlich vergessener Pass gefunden worden, was Spekulationen um eine Fälschung befeuerte.

Schwarzer Polo und schwarzer Seat

Die Angreifer seien bei den Anschlägen offenbar in "drei Teams" vorgegangen, sagte Molins. Das Bataclan wurde von drei mit Kalaschnikow-Schnellfeuergewehren und Sprengstoffgürteln bewaffneten Männern attackiert, die in einem "schwarzen Polo" mit belgischem Kennzeichen vorgefahren seien. Davor war die Rede von vier Angreifern im Bataclan gewesen. Als zweites Tatfahrzeug wurde ein schwarzer Seat identifiziert.

Im Zusammenhang mit dem belgischen Polo ist Anti-Terror-Ermittlern im Brüsseler Stadtteil Molenbeek offenbar ein Fahndungserfolg geglückt. Bei Razzien in mehreren Wohnungen haben sie unter anderem eine Person festgenommen, die am Freitagabend mit einem Mietauto in der französischen Hauptstadt war. Das bestätigte Belgiens Premier Charles Michel.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Brüssel haben die Pariser Behörden in vier konkreten Fällen um Amtshilfe gebeten. Im Brüsseler Stadtteil Molenbeek durchsuchten schwer bewaffnete Polizisten mehrere Wohnungen, wie ein Sprecher von Justizminister Koen Geens sagte. Mehrere Menschen wurden festgenommen. Molenbeek war nach Anschlägen schon häufiger Schauplatz von Polizei-Razzien, etwa nach einem Anschlag auf einen Thalys-Hochgeschwindigkeitszug im August. Der Stadtteil gilt als Hochburg von Islamisten.

Quelle: n-tv.de

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