Politik
Der vietnamesische Botschafter in Berlin musste sich vorm Auswärtigen Amt wegen der angeblichen Entführung verantworten.
Der vietnamesische Botschafter in Berlin musste sich vorm Auswärtigen Amt wegen der angeblichen Entführung verantworten.
Mittwoch, 02. August 2017

Bundesregierung warnt Hanoi: Vietnam entführt Ex-Funktionär aus Berlin

Der vietnamesische Geheimdienst entführt in Berlin einen Landsmann, um ihm in der Heimat den Prozess zu machen. Für die Bundesregierung ist das ein Verstoß gegen deutsches Recht. Der 51-Jährige hatte zudem einen Asylantrag gestellt.

Das Auswärtige Amt hat den vietnamesischen Geheimdienst beschuldigt, einen ehemaligen Parteifunktionär mitten in Berlin entführt und in seine Heimat verschleppt zu haben. Die Bundesregierung forderte deshalb den Vertreter des vietnamesischen Nachrichtendienstes an der Botschaft in Berlin auf, Deutschland innerhalb von 48 Stunden zu verlassen.

"Wir sind sicher, dass Stellen des vietnamesischen Staates in den letzten Tagen hier Handlungen vorgenommen haben, die nur mit Begriffen des Strafrechts qualifiziert werden können - Menschenraub, Entführung", sagte Martin Schäfer, der Sprecher des Auswärtigen Amtes.

Bei der Entführung auf deutschem Boden handele es sich um einen präzedenzlosen und eklatanten Verstoß gegen deutsches Recht und gegen das Völkerrecht. "Ein derartiger Vorgang hat das Potenzial, die Beziehungen zwischen Deutschland und der Volksrepublik Vietnam massiv negativ zu beeinflussen", so Schäfer.

Polizei und Staatsanwaltschaft in Berlin untersuchen, ob der 51-jährige Trinh Xuan Thanh - ein Geschäftsmann und ehemaliger Funktionär von Vietnams Kommunistischer Partei (KP) - sowie eine weitere Person am 23. Juli im Tiergarten gewaltsam in ein Auto gezerrt wurden.

Vietnam drohen Konsequenzen

Nach Angaben der vietnamesischen Polizei wurde Thanh am Montag in seiner Heimat verhaftet. Demzufolge stellte er sich selbst den Behörden. Eine Version, der die Bundesregierung aber keinen Glauben schenkt. Schäfer sagte, es gebe "keine ernsthaften Zweifel" an der Beteiligung der vietnamesischen Nachrichtendienste und der Botschaft in Berlin an der Entführung.

Die Bundesregierung hat den vietnamesischen Botschafter zu Gesprächen einbestellt und behält sich vor, "gegebenenfalls weitere Konsequenzen auf politischer, wirtschaftlicher sowie entwicklungspolitischer Ebene zu ziehen". Dem Botschafter sei "unmissverständlich" zu verstehen gegeben worden, dass die Bundesregierung verlange, dass der Mann "unverzüglich" nach Deutschland zurückreisen könne, sagte Schäfer.

Thanh wird zur Last gelegt, als Chef einer Tochterfirma des staatlichen Öl- und Gaskonzerns PetroVietnam für Verluste von umgerechnet etwa 125 Millionen Euro verantwortlich zu sein. Er hatte in Deutschland Asyl beantragt. Das Verfahren lief noch. Auch über ein Auslieferungsersuchen Vietnams sei noch nicht entschieden worden, sagte Schäfer.

Quelle: n-tv.de

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