Merkel hofft auf dritte AmtszeitWahlbeteiligung höher als vor vier Jahren

Während die Parteien noch zittern, meldet der Bundeswahlleiter eine vergleichsweise hohe Wahlbeteiligung. Auch an der Landtagswahl Hessen nehmen offenbar deutlich mehr Menschen teil als 2009. Vor allem zwei Parteien zittern: Eine könnte aus dem Bundestag fliegen, die andere hofft auf den Einzug.
Bei der Bundestagswahl zeichnet sich bislang eine höhere Wahlbeteiligung ab als vor vier Jahren. Bis 14.00 Uhr hätten 41,4 Prozent aller Wahlberechtigten ihre Stimmen abgegeben, teilte der Bundeswahlleiter am Nachmittag mit. Die Stimmen der Briefwähler sind dabei noch nicht berücksichtigt.
Bei der letzten Bundestagswahl 2009 lag die Wahlbeteiligung bis 14.00 Uhr bei 36,1 Prozent. Damals betrug die Wahlbeteiligung am Ende des Tages 70,8 Prozent - so niedrig wie bei keiner Bundestagswahl zuvor. Rund 61,8 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, Erst- und Zweitstimme abzugeben. Noch bis 18.00 Uhr sind die Wahllokale geöffnet.
Bundeswahlleiter Roderich Egeler hatte noch am Vormittag dazu aufgerufen, wählen zu gehen: "Mit Ihrer Stimmabgabe machen Sie von einem wesentlichen Grundrecht unserer Demokratie Gebrauch."
Hohe Beteiligung auch in Hessen
Auch an der gleichzeitig stattfindenden Landtagswahl in Hessen nehmen offenbar vergleichsweise viele Wähler teil. Bis 14.00 Uhr lag die Wahlbeteiligung hier bei 40 Prozent. In Hessen wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Schwarz-Gelb und Rot-Grün erwartet.
Das Büro des Landeswahlleiters erklärte die hohe Wahlbeteiligung mit dem Wahldoppeltermin in diesem Jahr. 2009 hatten bei der hessischen Landtagswahl im Januar bis 14.00 Uhr nur 29,7 Prozent der Stimmberechtigten gewählt. Bei der Bundestagswahl 2009 dagegen machte in Hessen bis nachmittags 40,5 Prozent der Wähler ihr Kreuz.
Steinbrück will "an Deck" bleiben
Bundespräsident Joachim Gauck wählte am Sonntagmorgen in Berlin. Gegen 9.30 Uhr kam er gemeinsam mit Bundeswahlleiter Egeler in die Erich-Kästner-Grundschule im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Mit dabei war auch Gaucks Lebensgefährtin Daniela Schadt. Alle drei warfen vor den Augen zahlreicher Medienvertreter ihre Stimmzettel in die Wahlurne.
Bundeskanzlerin Angela Merkel gab ihre Stimme um 13.30 Uhr in ihrem Wahllokal in der Humboldt-Universität im Berliner Bezirk Mitte ab. Sie kam zu Fuß und in Begleitung ihres Ehemanns Joachim Sauer. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück wählte in seinem Wohnort Bonn. Er kam zusammen mit seiner Ehefrau Gertrud.
Auch bei einem schlechten Wahlergebnis seiner Partei auf Bundesebene will Steinbrück weiter eine führende Rolle in der SPD spielen. "Ich bleibe an Deck der SPD, unabhängig davon, wie die Wahl ausgeht. Ich werde weiterhin Verantwortung übernehmen. Wie das genau aussehen wird, hängt vom Wahlausgang ab", sagte Steinbrück der "Bild am Sonntag".
Klar seien für ihn zwei Dinge: "Ich will Bundeskanzler einer rot-grünen Regierung werden. Und: Für das Kabinett einer großen Koalition stehe ich nicht zur Verfügung."
AfD und FDP zittern
Der Ausgang der Bundestagswahl ist völlig offen. Als sicher gilt, dass die Union erneut als stärkste Fraktion in den Bundestag einziehen wird. Ob sie jedoch weiterhin zusammen mit der FDP regieren kann, ist ungewiss.
Mit Spannung wird nicht nur das Abschneiden der FDP erwartet, sondern auch das der AfD. Die eurokritische Partei war in allen Umfragen unter der Fünf-Prozent-Hürde geblieben. Führende AfD-Politiker hatten sich im Wahlkampf jedoch sicher gezeigt, dass ihre Partei in den Bundestag einzieht. Eine hohe Wahlbeteiligung könnte der AfD nutzen. Die Linke kann sicher sein, dass sie im nächsten Bundestag vertreten sein wird.
Unterm Strich gelten als wahrscheinlichste Koalitionsmöglichkeiten entweder die Fortsetzung von Schwarz-Gelb oder eine Große Koalition. Für Rot-Grün dürfte es nicht reichen. Rot-Rot-Grün scheidet aus, weil SPD und Grüne eine Koalition mit der Linkspartei ausgeschlossen haben. Insofern ist wahrscheinlich, dass CDU-Chefin Merkel Bundeskanzlerin bleibt.
Punkt 18.00 Uhr strahlen die TV-Sender ihre Prognosen aus, kurz darauf folgen die ersten Hochrechnungen. Das vorläufige amtliche Endergebnis wird in der Nacht zum Montag erwartet. Voraussichtlich am 9. Oktober stellt der Bundeswahlausschuss dann das endgültige Ergebnis fest. Spätestens am 22. Oktober muss der neu gewählte Bundestag erstmals zusammentreten. In der zweiten Sitzung wählen die Abgeordneten den Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin.