Politik
Bild der Eintracht: Merkel mit McAllister auf dem Parteitag der CDU Anfang Dezember.
Bild der Eintracht: Merkel mit McAllister auf dem Parteitag der CDU Anfang Dezember.(Foto: picture alliance / dpa)

David McAllister vor der Bewährungsprobe: Was wird aus Merkels letztem Mann?

Von Gudula Hörr

Er ist beliebt, bodenständig und gilt als der Kronprinz von Kanzlerin Merkel: Niedersachsens Ministerpräsident McAllister. Doch wie es ausschaut, wird er nicht mehr lange im Amt bleiben - zu groß ist das Siechtum der FDP. McAllisters Parteifreunde schmieden nun offenbar eifrig an Notfallplänen.

David McAllister ist ein kluger Politiker. Daher findet er auch die Worte, die man von einem Ministerpräsidenten vor einer Wahl erwartet: "Mein Platz ist in Niedersachsen", sagt er wenige Wochen vor der Abstimmung dort. "Nicht eine einzige Sekunde denke ich - und zwar weder öffentlich noch privat - darüber nach, was sonst passieren könnte. Vielmehr konzentriere ich mich ganz auf mein Ziel, auch nach dem 20. Januar Ministerpräsident zu bleiben."

McAllister gibt sich gerne volksnah.
McAllister gibt sich gerne volksnah.(Foto: dapd)

Etwas anderes hätte McAllister wohl auch kaum sagen können, ohne die Niedersachsen zu verprellen und seine Erfolgsaussichten zu schmälern. Der letzte CDU-Politiker, der zwischen Landtag und Berlin herumlavierte, war Norbert Röttgen – und es ist ihm bekanntermaßen nicht gut bekommen. Im Gegensatz zu Röttgen aber ist der joviale und bodenständige McAllister durchaus erfolgreich und beliebt. Seiner CDU wird - wovon andere Landesfürsten nur träumen können - mit 40 Prozent ein geradezu bombastisches Ergebnis in Umfragen vorhergesagt.

Allein, es nützt ihm wohl nichts. Schließlich liegt sein Koalitionspartner, die FDP, seit Monaten in Agonie. Nicht nur im Bund, auch in Niedersachsen dümpelt sie vor sich hin, ihren Spitzenkandidaten kennt kaum einer, Umfragen sehen sie derzeit bei 3 Prozent. Wenn sie ebenso wie Piraten und Linke den Einzug in den Landtag verpasst, könnte McAllister in die missliche Lage kommen, dass die CDU zwar stärkste Kraft wird, SPD und Grüne aber an die Macht kommen.

Für die CDU wäre ein solcher Absturz McAllisters mehr als bitter. Nach einem Jahrzehnt Merkel gibt es nur noch wenige Männer, die der Partei ein wenig Glanz verleihen. Die einst so jungen Wilden, die Hoffnungsträger, sind schon lange weg vom Fenster, Begeisterungsstürme entfacht kaum mehr einer.

Der Lichtblick der CDU

McAllister, der weltgewandte Sohn eines schottischen Soldaten und einer Deutschen, aber ist so einer. Als der 41-Jährige jüngst bei dem CDU-Parteitag in Hannover auftrat, beklatschte ihn seine Partei lautstark. Kein Wunder: Hat doch der Jurist, der über eine gehörige Portion Selbsthumor verfügt, bisher alle in ihn gesteckten Erwartungen erfüllt. Seitdem er im Juli 2010 Christian Wulff als Ministerpräsidenten in Niedersachsen beerbte, hat er es zu ungeheurer Popularität gebracht. Volksnah, unverkrampft, zeigt er sich als solider Arbeiter, der seiner Partei gelegentlich weit voraus ist. Als Schwarz-Gelb noch die Laufzeiten  der Atommeiler verlängerte, galt für den Vater zweier Töchter schon: "Jedes Jahr ohne Atomkraft ist ein gutes Jahr".

McAllister macht sowohl auf internationalem Parkett als auch auf Weihnachtsmärkten in der Provinz ein gutes Bild.
McAllister macht sowohl auf internationalem Parkett als auch auf Weihnachtsmärkten in der Provinz ein gutes Bild.(Foto: dapd)

Auch in der Affäre um Bundespräsident Wulff schlug McAllister den richtigen Ton an. Den schmalen Grat zwischen Distanz und Solidarität meisterte er ohne Peinlichkeiten. Kanzlerin Angela Merkel gegenüber zeigt er sich stets loyal -  eine der besten Voraussetzungen, um von ihr zu Höherem berufen zu werden. Merkel selbst schätzt ihn sehr, schon zwei Mal versuchte sie, McAllister als CDU-Generalsekretär anzuwerben. Kein Wunder, dass viele in dem Mann mit der doppelten Staatsbürgerschaft nun bereits Merkels Kronprinzen wittern. "Der Schotte, der dazu auserkoren ist, Deutschland zu führen", wie der britische "Telegraph" schreibt.

Doch was macht man mit einem Hoffnungsträger, der wegen des Siechtums der Liberalen die Wahl verlieren könnte? Der sich als einfacher Abgeordneter in Hannover dann mit landesweiten Krebsregistern und Arbeitsbedingungen auf Schlachthöfen beschäftigen müsste?

Offenbar schmieden McAllisters Parteifreunde bereits eifrig an Notfallplänen, um dieses Talent nicht in den Niederungen des norddeutschen Politikalltags untergehen zu lassen. So kursieren Gerüchte, McAllister könne im Falle des Falles zunächst Parteichef der niedersächsischen CDU bleiben und als Abgeordneter in den Landtag einziehen. Sollte dann Merkel die Bundestagswahl im September gewinnen, könnte sie ihn als Minister nach Berlin holen, die Stadt, in der er immerhin geboren ist und seine ersten Lebensjahre verbracht hat.

Gutes Netzwerk in Berlin

Ist McAllister so ehrgeizig, wie es sein bisheriger kometenhafter Aufstieg nahelegt, wird ihm wohl kaum eine andere Wahl bleiben - allen Treueschwüren zum Trotz, die er nun pflichtschuldigst auf Niedersachsen ablegt. Schon jetzt ist er in Berlin bestens vernetzt und reist regelmäßig in die Hauptstadt. Und seine ältere Schwester Sylvia McAllister betont gerne, was David McAllister schon in Niedersachsen unter Beweis stellte: "Er konnte sich schon immer gut an neue Situationen anpassen."

Der kommunikative Halbschotte, der Talkshows und den Politik-Rummel meidet, weiß aber auch nur zu gut, dass das Leben in Berlin deutlich komplizierter und härter ist. "In Berlin versucht jeder jedem in die Suppe zu spucken", sagt er bisweilen - und es ist wohl mehr als das gelegentliche Kokettieren mit seiner niedersächsischen Identität. "Das mag ich nicht. Mit so einem Politikbetrieb will ich nichts zu tun haben."

Dass die Nähe zu Berlin schließlich nicht jedem gut bekommt, ist McAllister allzu klar. Tag für Tag sieht er dies an einem, mit dem er noch vor wenigen Jahren eng zusammengearbeitet hat: Philipp Rösler. Auch der galt einst als Hoffnungsträger.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen